Fachbegriffe rund um das Thema Sanitätshaus
Was ist ein Sanitätshaus?
Sanitätsfachgeschäfte sind ein bedeutender Baustein im Gesundheitswesen und zugleich ein wichtiges Glied in der medizinischen Versorgungskette. In ihren Ladengeschäften und Werkstätten bieten Sanitätshäuser neben Produkten eine umfangreiche Betreuung und Versorgung von Patienten an. Mehr als 2.000 Betriebe – so Expertenschätzungen – gibt es in Deutschland.
Durch die Vergabe von IK Nummern sind die Geschäfte des Sanitätsfachhandels in der Lage, Rezepte für Hilfsmittel über Kostenträger (Krankenkassen) abzurechnen.
Alle von der Leistungspflicht umfassten medizinischen Hilfsmittel sind im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung gelistet (§ 139 SGB V).
Der Gesundheitsfachhandel wendet sich an eine heterogene Zielgruppe: Senioren, chronisch Kranke und Reha-Patienten bilden einen großen Teil der Sanitätshaus-Kunden ab. Aber auch junge Menschen oder Sportler versorgen sich im Sanitätshandel mit Hilfsmitteln.
Das Produktangebot im Sanitätsfachhandel ist nicht zuletzt aufgrund der Innovationsfreude der Hilfsmittelindustrie breit gefächert. Neben „klassischen“ Hilfsmitteln zählt ein umfassendes Sortiment an Pflegehilfsmitteln, Rehahilfen und Rehaprodukten sowie Alltagshilfen zum Portfolio.
Orthopädische Hilfsmittel boomen
Ein bedeutendes Feld im Sanitätshausfachhandel sind orthopädische Hilfsmittel wie Bandagen, Orthesen, Einlagen, Bein- und Brustprothesen. Diese individuell anzupassen, erfordert großes Fachwissen und handwerkliche Kompetenz im Bereich der Orthopädietechnik, Rehatechnik und Orthopädieschuhtechnik. Moderne Sanitätshäuser verfügen daher über ausgebildete Orthopädietechniker und -schuhtechniker in einer angeschlossenen orthopädischen Werkstatt.
Was bietet ein Sanitätshaus?
Das Sanitätshaus ist für viele Patienten die erste Anlaufstelle für die Einlösung eines Hilfsmittel- oder Pflegehilfsmittel-Rezeptes. Die Kundengruppe der „Rezept-Einlöser“ macht den Löwenanteil der Umsätze in den Sanitätsfachgeschäften aus. Um mit Krankenkassen abrechnen zu können, benötigen die Sanitätshäuser einen Vertrag. Mit der so genannten Präqualifizierung sowie Zertifizierungen nach DIN ISO 9001 2008 und DIN ISO 13485 2010 können dafür erforderliche Fachqualifikationen nachgewiesen werden.
Die zweite Säule der Sanitätshäuser ist der Bereich der frei verkäuflichen Produkte und Dienstleistungen. Viele Produkte sind unter Oberbegriffen wie Wellness, Körperpflege, Sport, Nahrung oder Alltagshilfen und Rehahilfen zu finden.
Je nach Bedarf trifft der Kunde im Sanitätshaus auf Fachangestellte unterschiedlicher Berufsdisziplinen, die im Gesundheitswesen in Deutschland angesiedelt sind. Auf dieses Weise gewährleistet der Gesundheitsfachhandel eine ganzheitliche Betreuung. Die Bandbreite der Spezialisten reicht vom Sanitätsfachangestellten über Orthopädietechniker und Orthopädieschuhtechniker, Orthopädietechnik-Mechaniker bis hin zum Orthopädieingenieur.
Der persönliche Erstkontakt zwischen Kunden und dem Sanitätshaus erfolgt zumeist über die Fachverkäuferin oder den bzw. die Fachberater/-in für Rehatechnik und Sanitätshauswaren. Deren Aufgaben bestehen in der fachgerechten Information und Beratung des Kunden. Regelmäßige und intensive Produktschulungen der Sanitäts-Fachhandelsmitarbeiter etwa in den Bereichen Phlebologie, Lymphologie, Narbentherapie, Brustprothetik oder Orthopädie garantieren eine hohe Beratungskompetenz.
Die Sanitätshaus-Fachangestellten übernehmen zudem kaufmännische Aufgaben, wie etwa die Bestellung der Waren und die Abrechnung mit Krankenkassen, die im modernen Gesundheitswesen einen immer größeren Umfang einnehmen.
Damit das Sanitätshaus reibungslos funktioniert, muss das Zusammenspiel zwischen Sanitätshaus-Fachgestelltem und den Mitarbeitern mit Arbeitsschwerpunkten im Bereich Orthopädie tadellos funktionieren. Hier arbeiten Orthopädietechnik-Mechaniker oder Orthopädie-Ingenieure mit ihrem handwerklichen Know-how und modernster Technik. Digitale Fußdruckpunkt-Messung oder 3-D Körperscans zur Herstellung individueller Einlagen oder Venenscans zur individuellen Kompressionsstrumpfversorgung sind nur drei technische Ausstattungen, die mittlerweile zum Standard in modernen Sanitätshäusern gehören.
Technisches Verständnis und handwerkliches Geschick sind ebenfalls erforderlich, um Orthesen oder Prothesen herzustellen und sie individuell anzupassen. Orthopädische Hilfsmittel wie Orthesen sind dazu da, Fehlfunkionen oder Fehlstellungen des Bewegungsapparates auszugleichen oder zu korrigieren. In enger Zusammenarbeit mit Orthopäden und Kunden wird eine optimale Lösung erarbeitet – unter Berücksichtigung medizinischer und optischer Aspekte.
Die Versorgung mit Prothesen erfordert einen hohen Beratungs- und Betreuungsaufwand, um die auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Präzision in der Maßanfertigung und Einfühlungsvermögen sind zwei wichtige Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Ergebnis in diesem Bereich. Darüber hinaus kennen sich die Orthopädie-Mechaniker oder Orthopädie-Ingenieure mit individueller Rehabilitationstechnik, wie Rollstühlen, Elektro-Rollstühlen und Sitzschalen oder auch Scootern und Gehilfen aus.
Zum einem ganzheitlichen Sanitätshaus gehört auch der Bereich Homecare. Homecare wird angesichts der steigenden Zahl an chronisch Kranken und Pflegebedürftigen zu Hause zu einem immer wichtigen Bereich im Gesundheitswesen. Homecare beschreibt die Versorgung von Patienten zu Hause mit Hilfsmitteln, Verband- und Arzneimitteln durch medizinisch geschultes Fachpersonal im Rahmen einer ärztlichen Therapie. Zu den Therapiebereichen zählen die enterale Ernährung, Enterostoma- und Tracheostoma-Versorgung, moderne Wundversorgung und Inkontinenzversorgung. Die Versorgung orientiert sich am individuellen Bedarf der Patienten. Die Homecare-Leistungen, die durch das Sanitätshaus erbracht werden, erfolgen alle in enger Absprache mit den Patienten und in Zusammenarbeit mit den am Therapie- oder Pflegeprozess beteiligten Einrichtungen. (Quelle: Sanitätshaus Aktuell AG)
Das Besondere an Homecare-Dienstleistungen ist:
- die Zusammenführung der sächlichen Ansprüche
- die Planung und Organisation von Patientenentlassungen aus dem Krankenhaus
- die Koordination der Leistungserbringer (z.B. Ärzte, Pflegedienste, Pflegeheime)
- die Klärung der Kostenübernahme
- die Versorgung des Patienten
- die Einweisung in die Produkte, Therapiekontrolle und Pflegeanleitung





