Fachbegriffe rund um das Thema Sanitätshaus

Was ist ein Sanitätshaus?

Sanitätsfachgeschäfte sind ein bedeutender Baustein im Gesundheitswesen und zugleich ein wichtiges Glied in der medizinischen Versorgungskette. In ihren Ladengeschäften und Werkstätten bieten Sanitätshäuser neben Produkten eine umfangreiche Betreuung und Versorgung von Patienten an. Mehr als 2.000 Betriebe – so Expertenschätzungen – gibt es in Deutschland.

Durch die Vergabe von IK Nummern sind die Geschäfte des Sanitätsfachhandels in der Lage, Rezepte für Hilfsmittel über Kostenträger (Krankenkassen) abzurechnen.
Alle von der Leistungspflicht umfassten medizinischen Hilfsmittel sind im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung gelistet (§ 139 SGB V).

Der Gesundheitsfachhandel wendet sich an eine heterogene Zielgruppe: Senioren, chronisch Kranke und Reha-Patienten bilden einen großen Teil der Sanitätshaus-Kunden ab. Aber auch junge Menschen oder Sportler versorgen sich im Sanitätshandel mit Hilfsmitteln.

Das Produktangebot im Sanitätsfachhandel ist nicht zuletzt aufgrund der Innovationsfreude der Hilfsmittelindustrie breit gefächert. Neben „klassischen“ Hilfsmitteln zählt ein umfassendes Sortiment an Pflegehilfsmitteln, Rehahilfen und Rehaprodukten sowie Alltagshilfen zum Portfolio.

Orthopädische Hilfsmittel boomen

Ein bedeutendes Feld im Sanitätshausfachhandel sind orthopädische Hilfsmittel wie Bandagen, Orthesen, Einlagen, Bein- und Brustprothesen. Diese individuell anzupassen, erfordert großes Fachwissen und handwerkliche Kompetenz im Bereich der Orthopädietechnik, Rehatechnik und Orthopädieschuhtechnik. Moderne Sanitätshäuser verfügen daher über ausgebildete Orthopädietechniker und -schuhtechniker in einer angeschlossenen orthopädischen Werkstatt.

Was bietet ein Sanitätshaus?

Das Sanitätshaus ist für viele Patienten die erste Anlaufstelle für die Einlösung eines Hilfsmittel- oder Pflegehilfsmittel-Rezeptes. Die Kundengruppe der „Rezept-Einlöser“ macht den Löwenanteil der Umsätze in den Sanitätsfachgeschäften aus. Um mit Krankenkassen abrechnen zu können, benötigen die Sanitätshäuser einen Vertrag. Mit der so genannten Präqualifizierung sowie Zertifizierungen nach DIN ISO 9001 2008 und DIN ISO 13485 2010 können dafür erforderliche Fachqualifikationen nachgewiesen werden.

Die zweite Säule der Sanitätshäuser ist der Bereich der frei verkäuflichen Produkte und Dienstleistungen. Viele Produkte sind unter Oberbegriffen wie Wellness, Körperpflege, Sport, Nahrung oder Alltagshilfen und Rehahilfen zu finden.

Je nach Bedarf trifft der Kunde im Sanitätshaus auf Fachangestellte unterschiedlicher Berufsdisziplinen, die im Gesundheitswesen in Deutschland angesiedelt sind. Auf dieses Weise gewährleistet der Gesundheitsfachhandel eine ganzheitliche Betreuung. Die Bandbreite der Spezialisten reicht vom Sanitätsfachangestellten über Orthopädietechniker und Orthopädieschuhtechniker, Orthopädietechnik-Mechaniker bis hin zum Orthopädieingenieur.

Der persönliche Erstkontakt zwischen Kunden und dem Sanitätshaus erfolgt zumeist über die Fachverkäuferin oder den bzw. die Fachberater/-in für Rehatechnik und Sanitätshauswaren. Deren Aufgaben bestehen in der fachgerechten Information und Beratung des Kunden. Regelmäßige und intensive Produktschulungen der Sanitäts-Fachhandelsmitarbeiter etwa in den Bereichen Phlebologie, Lymphologie, Narbentherapie, Brustprothetik oder Orthopädie garantieren eine hohe Beratungskompetenz.
Die Sanitätshaus-Fachangestellten übernehmen zudem kaufmännische Aufgaben, wie etwa die Bestellung der Waren und die Abrechnung mit Krankenkassen, die im modernen Gesundheitswesen einen immer größeren Umfang einnehmen.

Damit das Sanitätshaus reibungslos funktioniert, muss das Zusammenspiel zwischen Sanitätshaus-Fachgestelltem und den Mitarbeitern mit Arbeitsschwerpunkten im Bereich Orthopädie tadellos funktionieren. Hier arbeiten Orthopädietechnik-Mechaniker oder Orthopädie-Ingenieure mit ihrem handwerklichen Know-how und modernster Technik. Digitale Fußdruckpunkt-Messung oder 3-D Körperscans zur Herstellung individueller Einlagen oder Venenscans zur individuellen Kompressionsstrumpfversorgung sind nur drei technische Ausstattungen, die mittlerweile zum Standard in modernen Sanitätshäusern gehören.

Technisches Verständnis und handwerkliches Geschick sind ebenfalls erforderlich, um Orthesen oder Prothesen herzustellen und sie individuell anzupassen. Orthopädische Hilfsmittel wie Orthesen sind dazu da, Fehlfunkionen oder Fehlstellungen des Bewegungsapparates auszugleichen oder zu korrigieren. In enger Zusammenarbeit mit Orthopäden und Kunden wird eine optimale Lösung erarbeitet – unter Berücksichtigung medizinischer und optischer Aspekte.

Die Versorgung mit Prothesen erfordert einen hohen Beratungs- und Betreuungsaufwand, um die auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Präzision in der Maßanfertigung und Einfühlungsvermögen sind zwei wichtige Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Ergebnis in diesem Bereich. Darüber hinaus kennen sich die Orthopädie-Mechaniker oder Orthopädie-Ingenieure mit individueller Rehabilitationstechnik, wie Rollstühlen, Elektro-Rollstühlen und Sitzschalen oder auch Scootern und Gehilfen aus.

Zum einem ganzheitlichen Sanitätshaus gehört auch der Bereich Homecare. Homecare wird angesichts der steigenden Zahl an chronisch Kranken und Pflegebedürftigen zu Hause zu einem immer wichtigen Bereich im Gesundheitswesen. Homecare beschreibt die Versorgung von Patienten zu Hause mit Hilfsmitteln, Verband- und Arzneimitteln durch medizinisch geschultes Fachpersonal im Rahmen einer ärztlichen Therapie. Zu den Therapiebereichen zählen die enterale Ernährung, Enterostoma- und Tracheostoma-Versorgung, moderne Wundversorgung und Inkontinenzversorgung. Die Versorgung orientiert sich am individuellen Bedarf der Patienten. Die Homecare-Leistungen, die durch das Sanitätshaus erbracht werden, erfolgen alle in enger Absprache mit den Patienten und in Zusammenarbeit mit den am Therapie- oder Pflegeprozess beteiligten Einrichtungen. (Quelle: Sanitätshaus Aktuell AG)

Das Besondere an Homecare-Dienstleistungen ist:

  • die Zusammenführung der sächlichen Ansprüche
  • die Planung und Organisation von Patientenentlassungen aus dem Krankenhaus
  • die Koordination der Leistungserbringer (z.B. Ärzte, Pflegedienste, Pflegeheime)
  • die Klärung der Kostenübernahme
  • die Versorgung des Patienten
  • die Einweisung in die Produkte, Therapiekontrolle und Pflegeanleitung

Begriffe aus der Welt des Sanitätshauses von A bis Z

Der Sanitätsfachhandel ist Problemlöser bei zahlreichen chronischen und akuten Gesundheitsproblemen sowie Anbieter von präventiven Hilfsmitteln. Das Sanitätsfachgeschäft hat sich zusätzliche Produktfelder  mit Alltagshilfen, Pflegehilfsmitteln oder Seniorenbedarf erschlossen. Im Umfeld der Sanitätshausbranche finden sich zahlreiche Fachbegriffe für Produkte und Dienstleistungen, die uns im „normalen Alltag“ nicht begegnen. GesundheitsProfi klärt auf.

Bandagen

Bandagen als orthopädische Hilfsmittel bilden ein wichtiges Segment im Sanitätsfachhandel.  Die Verbände der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) definieren Bandagen als „…körperteilumschließende oder körperteilanliegende, meist konfektionierte Hilfsmittel. Ihre Funktion ist es, komprimierend und/oder funktionssichernd zu wirken. Die Grundelemente bestehen aus flexiblen Materialien oder sind mit festen textilen Bestandteilen ausgestattet. Bandagen dienen überwiegend der Behandlung von akuten, aber auch von dauerhaft anhaltenden Weichteilerkrankungen. Der Einsatz von Bandagen ist angezeigt bei Zerrungen, Prellungen, Reiz-Erguss, Schwellungen, degenerativen Erkrankungen mit rezidivierenden (wiederkehrenden) Reizzuständen, chronischer Sehnen- oder Muskelreizung, chronischer Gelenkentzündung“.

Der Sanitätsfachhandel hält Bandagen in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben bereit. Ihre Aufgabe besteht darin, zu stützen und zu schützen. Besonders beliebt sind sie bei Sportlern, die damit Knochen und Gelenke bei hohen und intensiven Belastungen schützen wollen. Darüber hinaus können Bandagen zur Therapie und Rehabilitation eingesetzt werden. Die Sanitätshäuser bieten Bandagen für Fußgelenke, Handgelenke, Kniegelenke, Schultergelenke, Ellenbogen und das Hüftgelenk.

Die Kniebandage Genutrain von Bauerfeind umschließt das Knie von Patienten mit konischer Beinform.

Foto: Die Kniebandage Genutrain von Bauerfeind umschließt das Knie von Patienten mit konischer Beinform. (Bildquelle: Bauerfeind)

 

Kompressionsstrümpfe

Wohl kaum ein Begriff ist so eng mit dem Sanitätshaus verbunden wie der des Kompres-sionsstrumpfes bzw. des medizinischen Thrombosestrumpfes. Als Hilfsmittel sind sie für viele Menschen unverzichtbar. Kompressionsstrümpfe haben die Aufgabe, Druck auf die Gefäße aufzubauen, den Rückfluss des Blutes zu unterstützen und erkrankte Gefäße zu entlasten. Klassische Anwendungsgebiete sind im allgemeinen die Therapie von Krampfadern, Thrombosen in den Beinvenen oder Lymphödeme.

Foto: Moderne Kompressionsstrümpfe (Flachstrick) für die Ödemtherapie an Arm und Bein. (Bildquelle: Medi)

Foto: Moderne Kompressionsstrümpfe (Flachstrick) für die Ödemtherapie an Arm und Bein. (Bildquelle: Medi)

 

Kompressionsstrümpfe werden häufig auch von Reisenden getragen, um das Thromboserisiko während stundenlangen Sitzens zu verringern. Der Sanitäts Fachhandel hält dazu zahlreiche Modelle in modischen Farben bereit.

Klassifizierung von Kompressionsstrümpfen nach DPG

Nach Informationen des Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) sind medizinische Kompressionsstrümpfe u.a. zur Therapie bei folgenden Indikationen angezeigt: Varikose, Thromboembolie, chronische venöse Insuffizienz (CVI), Ödeme. Ebenso können medizinische Kompressionsstrümpfe bei der Behandlung nach Verbrennungen oder zur Narbenbehandlung genutzt werden.

Für die Beinkompressionsstrümpfe definiert die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie vier unterschiedliche Kompressionsklassen, die sich in ihrer Druckstärke unterscheiden:

  • Kompressionsklasse 1, leichte Kompression 18 – 21 mmHg
  • Kompressionsklasse 2, mittlere Kompression 23 – 32 mmHg
  • Kompressionsklasse 3, kräftige Kompression, 34 – 46 mmHg
  • Kompressionsklasse 4, sehr kräftige Kompression, 49 mmHg und größer (aus: DGP-Merkblatt zur Verordnung von medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS) bei venösen und lymphatischen Krankheitsbildern)

Orthese

Im Sanitätshaus erhältliche Orthesen dienen der Stabilisierung, Entlastung, Ruhigstellung, Führung oder Korrektur von Gliedmaßen oder Rumpf (Quelle: Engelhardt Lexikon Orthopädie und Unfallchirurgie). Zudem wirken sie Fehlhaltungen oder Fehlbelastungen entgegen. Die Hilfsmittel, die Orthopädie-Fachgeschäfte bereithalten, unterscheiden sich nach ihrer Funktion sowie dem Ort ihrer Anwendung.

Beinorthesen, Armorthesen und Rumpforthesen zählen zu den am häufigsten genutzten Hilfsmitteln dieser Kategorie. Zu den Beinorthesen zählen nach Einordnung durch das Dienstleistungsunternehmen der Gesundheitsbranche Sanitätshaus Aktuell, Fuß- und Sprunggelenksorthesen, Knie-Orthesen, Hüftorthesen und Orthesen, die alle drei Gelenke einbeziehen. Für die Versorgung der oberen Extremitäten kommen Orthesen für Handgelenk und Finger, für die Halswirbelsäule, Schulter- und Ellenbogen sowie Rücken- und Rumpforthesen zum Einsatz.

Die individuelle Anpassung (Vermessung) und Einstellung (Auf- und Abrüstung) von Orthesen an den jeweiligen Bedarf des Nutzers wird unter anderem von Orthopädietechnikern vorgenommen.

Foto: Die Hartrahmenorthese M.4s von Medi wird bei Verletzungen an Bändern und Sehnen des Knies eingesetzt und ist in ausgewählten Sanitätsfachgeschäften erhältlich. (Bildquelle: Medi)

Foto: Die Hartrahmenorthese M.4s von Medi wird bei Verletzungen an Bändern und Sehnen des Knies eingesetzt und ist in ausgewählten Sanitätsfachgeschäften erhältlich. (Bildquelle: Medi)

Prothese

Bei Prothesen handelt es sich um Ersatz für Beine oder Arme nach Amputationen. Die Zielsetzung ist es, mit Hilfe von Prothesen einen Ausgleich zur entstandenen Behinderung zu schaffen und ein hohes Maß an Unabhängigkeit und Mobilität herzustellen sowie ein Stück Lebensqualität zu sichern.

Prothesen sind orthopädische Hilfsmittel, die in Orthopädie-Fachgeschäften individuell auf den jeweiligen Bedarf abgestimmt werden können. Eurocom, die Herstellervereinigung für Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel, unterscheidet zwischen der Schalen- und der Modularbauweise.

Die Modularbauweise wird inzwischen am häufigsten verwendet. Kernstück ist eine Rohrkonstruktion. Adapter und Module verbinden die Bauteile, so dass die Prothese von den Orthopädietechnikern im Gesundheitsfachhandel an den jeweiligen Bedarf angepasst werden kann. Die Schalenbauweise ist dadurch charakterisiert, dass die Prothesenwandung die formende und tragende Aufgabe übernimmt.
In der Prothetik für die oberen Extremitäten wird unterschieden zwischen Prothesen als Ersatz für Finger oder Teile der Hand, Unterarm-Prothesen, Oberarmprothesen, Prothesen für Handgelenkexartikulation, Ellbogenexartikulation und Schulterexartikulation. Exartikulation ist ein chirurgischer Fachausdruck und steht für die Amputation einer Gliedmaße im Gelenk (articulatio). Sämtliche ein Gelenk umgebenden Weichteile werden durchtrennt und der Knochen des Amputationsstumpfes bleibt unverletzt.

Rollator

„Rollator“ ist ein typischer Begriff aus der Sanitätshausbranche. Dabei handelt es sich um eine Gehhilfe, die über vier Räder verfügt und bei eingeschränkter Gehfunktion die Mobilität erhält. Die Hilfsmittelindustrie bietet die Gehhilfen in zahlreichen Variationen – vom Basismodell bis hin zum Premium-Hilfsmittel – an. Durch den Einsatz von Rollatoren können zahlreiche Menschen mit Gehbehinderungen weiterhin selbstständig am Leben teilnehmen und alltäglichen Beschäftigungen nachgehen.

Der Bedarf an Rollatoren und die Bereitschaft zur Nutzung ist in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. Dies wohl nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Innovationen, die die Hilfsmittelindustrie auf den Markt gebracht hat. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes stieg der Absatz von Rollatoren rasant an. Während die Zahl der verkauften Rollatoren im Jahr 2008 noch bei 333.944 Stück lag, stieg die Zahl im Jahr 2010 auf 399.558 und im Jahr 2012 nochmals auf 425.227. Der Statistik nach betrug der Durchschnittspreis für einen Rollator im Jahr 2012 76,34 Euro.

Foto: Der Premiumrollator Troja 2G von Topro verfügt über eine hochwertige Ausstattung. (Bildquelle: Topro)

Foto: Der Premiumrollator Troja 2G von Topro verfügt über eine hochwertige Ausstattung. (Bildquelle: Topro)

 

Genutzt werden Rollatoren, die der Gesundheits Fachhandel bereit hält, beispielsweise bei nachlassender Beinmuskulatur, bei chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Parkinson oder auch bei Gleichgewichtsproblemen. Häufig zum Einsatz kommen sie auch als Rehahilfe oder als langfristig eingesetztes Hilfsmittel nach akut auftretenden schweren Erkrankungen wie Schlaganfall oder beispielsweise Schädelhirntrauma. Als Vorgänger des heutigen modernen Rollators gilt das vierbeinige Gehgestell, das noch ohne Räder konstruiert war. Als Erfinderin des heutigen modernen Rollators gilt hingegen die Schwedin Aina Wifalk, die in den siebziger Jahren selbst an Polio erkrankt war und 1978 den Prototyp eines Rollators präsentierte.

Abhängig davon, für welche Zwecke oder in welchem persönlichen Umfeld ein Rollator benötigt wird, unterscheidet beispielsweise der Premium-Hersteller Topro zwischen Indoorrollator, Outdoor-Rollator und Allroundrollator (sowohl innen als auch außen). Der Gesundheitsprofi im Sanitätsfachhandel berät individuell, welches der Mobilitäts Hilfsmittel dem individuellen Bedarf entspricht.

Welche Ausbildungen bietet das Sanitätshaus?

1. Der Orthopädietechnik-Mechaniker im Sanitätshaus

1.1. Die Aufgaben des Orthopädietechnik-Mechanikers

Orthopädietechnik-Mechaniker üben ihre Arbeit in der Regel im Sanitätshaus, im Orthopädie Fachgeschäft oder in der Orthopädietechnik- und Reha-Werkstatt aus. Zu ihren Kernaufgaben zählt die Herstellung von orthopädischen Hilfsmitteln wie Prothesen (Arm und Bein). Darüber hinaus passen sie beispielsweise Bandagen oder Rollstühle an die Bedürfnisse ihrer Kunden an und erklären den Nutzern die korrekte Anwendung. Eine Beschreibung dieses Berufes aus dem Gesundheitswesen findet sich unter anderem im Angebot der Bundesagentur für Arbeit.

1.2. Grundvoraussetzungen für angehende Orthopädietechnik-Mechaniker

Der Ausbildungsberuf Orthopädietechnik-Mechaniker ist abwechslungsreich und verlangt von dem angehenden Gesundheitsprofi eine Vielzahl von Fertigkeiten und Fähigkeiten für den Bau und die Bearbeitung von Rehabilitations-Hilfen. Dies erfordert handwerkliches Geschick und technisches Verständnis. Die Arbeit mit unterschiedlichsten Materialien gehört zum Tagesgeschäft in der Werkstatt. Zudem nutzen Orthopädietechnik-Mechaniker computerunterstützte Technik (etwa für die exakte Körpervermessung), Mikromechanik und Elektronik. Auszubildende zum Orthopädietechnik-Mechaniker erwerben im Verlauf ihrer Ausbildung darüber hinaus erweiterte medizinische Kenntnisse, insbesondere aus der Orthopädie. Die engen Absprachen mit den Kunden bzw. Patienten und die Abstimmungsprozesse mit behandelnden Ärzten oder Physiotherapeuten erfordern besondere Kommunikationsfähigkeiten und Einfühlungsvermögen für die erfolgreiche Arbeit als Orthopädietechnik-Mechaniker im Gesundheitswesen.

1.3. Ausbildungsinhalte und Dauer im Sanitätshaus

In der Regel ist für die Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker ein Hauptschulabschluss erforderlich. Die Ausbildung wird mit den Schwerpunkten Prothetik, individuelle Orthetik und individuelle Rehatechnik angeboten und beträgt drei Jahre. Es handelt sich um eine duale Ausbildung, die im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule stattfindet (Ausbildungsbetrieb und Berufsschule).

Wer mehr über den Beruf des Orthopädietechnik-Mechanikers wissen möchte kann sich in einem informativen Video des Bayerischen Rundfunks informieren.

2. Der Orthopädieschuhmacher im Sanitätshaus

Orthopädieschuhmacher sind Spezialisten im Gesundheitswesen, wenn es um die Herstellung und Bearbeitung von orthopädischen Hilfsmitteln für den Fuß bzw. das Bein geht. Sie fertigen u.a. indi-viduell angepasste orthopädische Maßschuhe, Einlagen, Bandagen, Beinverlängerungsprothesen und Innenschuhe an. Im Rahmen ihrer Tätigkeit führen Orthopädieschuhmacher Ganganalysen oder Analysen von Fußabdrücken durch. Für diese Arbeitsschritte werden modernste Diagnosegeräte eingesetzt.

Besonders in den vergangenen Jahren hat sich der Kundenkreis der Orthopädieschuhmacher erweitert. Längst besteht das Klientel nicht mehr ausschließlich aus Kunden mit chronischen oder akuten Fußproblemen (inkl. Diabetes), die ein Rehahilfsmittel benötigen. Auch Sportler lassen sich immer häufiger vom Orthopädie Schuhmacher im Sanitätshaus beraten.

2.1. Grundvoraussetzungen für angehende Orthopädie-Schuhmacher

Technisches Verständnis und handwerkliches Geschick sind zwei grundlegende Eigenschaften, die ein angehender Orthopädieschuhmacher mitbringen muss. Da der Fußaufbau und die Bewegungsmechanik von Füßen sehr differenziert sind, sind bei der Herstellung der Hilfsmittel ein äußerst präzises Arbeiten und ein hoher Grad an Genauigkeit gefragt. Erweitertes medizinisches Wissen wird im Laufe der Ausbildung erworben. Da die Arbeit des Orthopädieschuhmachers häufig in enger Abstimmung mit Ärzten oder auch Krankenkassen erfolgt, sollten die Auszubildenden soziale und kommunikative Kompetenz mitbringen. Dies gilt selbstverständlich auch für die Absprachen mit den Kunden bzw. Patienten. Kunden- und Service-Orientierung sollten ebenfalls Grundvoraussetzungen für angehende Orthopädieschuhmacher im Orthopädie Fachgeschäft sein.

2.2. Die Ausbildung im Sanitätshaus

Orthopädieschuhmacher/in ist ein 3,5-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk und wird in dualer Ausbildung durchgeführt. Es ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben, allerdings stellen Betriebe in der Regel überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

3. Der/die Sanitätshaus-Fachverkäufer/innen im Sanitätshaus

Der Sanitätshaus-Fachverkäufer ist in einem abwechslungsreichen Arbeitsumfeld tätig. Die Beschäftigten arbeiten im Betrieb eng mit Kollegen wie Orthopädietechnik-Mechanikern oder Orthopädie-Schuhmachern zusammen. Zudem kommunizieren Sanitätshaus-Fachverkäufer extern mit Ärzten, Therapeuten und Klinikpersonal. Sie stehen damit in enger Verbindung mit zahlreichen Repräsentanten auf dem Hilfsmittelmarkt.

Die Aufgabe von Sanitätsfachverkäufer/innen ist es, den Kunden die Produkte aus dem Sanitätsfachhandel, Orthopädieartikel sowie Reha-Hilfsmittel, darunter Rollstühle oder Rollatoren, vorzustellen und zu verkaufen. Im direkten, persönlichen Kontakt informieren und beraten sie die Kunden über das umfangreiche und differenzierte Angebot am Reha-Hilfsmitteln auf dem Gesundheitsmarkt. Zu den ‚Spezialtätigkeiten‘ zählen die Anmessung und Versorgung der Kunden mit Hilfsmitteln in der Bandagen-, Einlagen- und Kompressionsversorgung. Darüber hinaus prüfen Sanitäts-Fachverkäufer den Warenbestand, bestellen Ware nach und sie sind für den Kassenabschluss verantwortlich. Zum Teil übernehmen Sanitätshausfachverkäufer auch die Dekoration von Schaufenstern und Innenraum.

BU Bildquelle BIV_1: Qualifizierte Sanitätshausfachverkäufer informieren über Hilfs- und Heilmittel. (Foto: Bundesinnungsverband Orthopädietechnik)

3.1. Grundvoraussetzungen für angehende Sanitätshaus-Fachverkäufer/innen

Gute kommunikative und soziale Kompetenz sind zwei grundlegende Eigenschaften, die Sanitäts-haus-Fachverkäufer/-innen für ihren Job mitbringen sollten. Kenntnisse und Interesse im Bereich medizinischer Heilmittel und Hilfsmittel sind vorteilhaft. Für den Beruf Sanitätshaus-Fachver-käufer/innen können sich allerdings auch Quereinsteiger qualifizieren. So bietet beispielsweise die Bauerfeind Akademie seit einigen Jahren spezielle Trainingsangebote an.

3.2. Die Ausbildung

Die Ausbildung zum Sanitätshaus-Fachverkäufer setzt in der Regel einen Hauptschulabschluss als Mindestanforderung voraus. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre und verläuft in dualer Ausbildung (Berufsschule und Lehrbetrieb). Dem Sanitätshaus-Fachverkäufer bieten sich vielfältige Möglichkeiten, sich im weiteren Berufsleben fortzubilden und zu spezialisieren. So bietet die Bundesfachschule Orthopädietechnik (BUFA) ausgebildeten Sanitätshaus-Fachverkäufern mit Berufserfahrung die Gelegenheit, sich in anerkannten Seminaren zum Reha-Fachberater fortzubilden. Interessierten Auszubildenden aus ganz Deutschland bietet die BUFA alljährlich auch einen Tag der Auszubildenden an.

Weiterbildung in der Sanitätshausbranche

Fortbildungen sind für die Beschäftigten der Sanitätshausbranche ein Muss. Sie bilden die Grundlage für eine kompetente und kundenorientierte Beratung und sind damit ein wichtiger Baustein für die Kundengewinnung bzw. Kundenbindung. Darüber hinaus ist Fort- und Weiterbildung für Mitarbeiter des Sanitätsfachhandels dringend erforderlich, um mit der innovationsfreudigen Heil- und Hilfsmittelindustrie sowie mit neuen therapeutischen Ansätzen Schritt halten. Entsprechende Fortbildungsangebote bietet unter anderem die  Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (BUFA, Dortmund), die medizinisches und technisches Grundwissen zu versorgungsspezifischen Gesundheitsthemen vermittelt.

1. Die Ausbildung zum Reha-Fachberater

Eines der  BUFA-Fortbildungsangebote ist die Qualifikation zum Reha-Fachberater/in. Die Weiterbildung soll dazu dienen, den Kunden im Reha- und Homecare-Fachhandel eine qualifizierte Fachberatung zukommen zu lassen. Reha-Fachberater fungieren im Gesundheitswesen als wichtiges Bindeglied im Versorgungsdreieck Patient, Fachhandel und Therapeuten.

2. Formale Voraussetzungen

Interessenten, die an der Fortbildung teilnehmen möchte, sollten bereits über eine berufliche Vorerfahrung in der Gesundheitsbranche verfügen. Das Angebot richtet sich an Mitarbeiter in Sanitätshäusern, Pflege- und Betreuungseinrichtungen, Reha-Fachbetrieben mit zweijähriger Erfahrung in der Reha-Technik. Auch Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Pflege-Mitarbeiter mit zweijähriger Erfahrung im Bereich Reha können an der Weiterbildung teilnehmen.

3. Ausbildungsinhalte zum Reha-Fachberater

Die Qualifizierung setzt sich aus einem zweiwöchigen Grundblock sowie zwei Spezialisierungsblöcken zusammen. Inhalte des Grundblocks bilden die Module ‚Medizinisches Basiswissen‘, ‚Beratung und Dienstleistung‘ und ‚Mobilitätshilfen‘ (manueller Rollstuhl). Der erste Spezialisierungsblock befasst sich mit dem Themenkomplex ‚Medizin und Therapie‘. Die vier angebotenen Module dieses Themenkomplexes sind ‚Medizinisches Basiswissen Pathologie/Orthopädie‘, ‚Therapie und ADL-Hilfen‘ sowie ‚Basiswissen zu Begleittherapien‘ und das Modul ‚Lifestyle‘. Spezialisierungsblöcke zwei bezieht sich auf die das Thema ‚Technik und Recht‘. Hir lauteten die einzelnen Module ‚Gesetzliche Grundlagen‘, Mobilitätshilfen (technische Indikation), ‚Mobilitätshilfen/E-Rollstühle‘, und ‚Lifestyle‘.
ABBILDUNG: Technisches Know-how ist erforderlich, um Patienten bedarfsorientiert – beispielsweise bei der Auswahl eines entsprechenden Rollstuhls – beraten zu können. In der Ausbildung zum Reha-Fachberater das entsprechende Rüstzeug, damit der Patient optimal versorgt wird.

Foto: Der multifunktionale Elektrorollstuhl Nemo Vertikal mit Stehfunktionen von Meyra für Benutzer mit stärkeren Funktionsstörungen. (Bildquelle: Meyra)

 

Je nach vorhandenen Vorkenntnissen haben Interessierte die Möglichkeit, individuelle Module auszuwählen. Kursteilnehmer, die die Abschlussprüfung machen möchten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen und einige festgelegte Module belegen.

Der Prüfungsverlauf

  • Zwischenprüfung am Ende des Grundblocks
  • Zwischenprüfung am Ende des ersten Spezialisierungsblocks
  • Abschlussprüfung am Ende des zweiten Spezialisierungsblocks

Am Ausbildungsende steht die Abschlussprüfung REHA-Fachberater/in BUFA/QVH. Detaillierte Infos zur Fortbildung zum Fachberater finden sich auf den Seiten der BUFA.

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