Die Diabetes Convention von Springer Aktiv findet erstmals dezentral an mehreren Standorten statt. Das Ziel ist ein intensiver Austausch über die gesamte Versorgungskette des diabetischen Fußes von der Risikobewertung bis zu digitalen Fertigungsprozessen. OTM/OSM Christian Krüger, Technischer Key-Account bei Springer Aktiv, stellt Inhalte und Ziele der Veranstaltungsreihe vor.
GP: Springer Aktiv veranstaltet die Diabetes Convention erstmals dezentral. Warum?
Christian Krüger: Wir haben gemerkt, dass Berlin für viele potenzielle Teilnehmer zu weit entfernt und mit einem großen Aufwand verbunden ist. Deshalb haben wir das Programm komprimiert und gehen nun an drei Standorte. Mit Würzburg, Hagen und Berlin können wir Kunden in allen Regionen besser erreichen.
Was sollen die Teilnehmenden im Anschluss besser beurteilen, planen oder umsetzen können als zuvor?
Krüger: Unser Schwerpunkt ist es, den Blick dafür zu schärfen, dass die Diagnose „Diabetes“ nicht automatisch eine standardisierte Versorgung bedeutet. Das Ziel ist, dass die Teilnehmenden die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt stellen können: Wann handelt es sich noch um eine präventive Versorgung? An welchem Punkt verändert sich das Risiko des Patienten? Wann braucht es eine temporäre Lösung? Und ab wann muss ich an die langfristige Versorgung denken?
An welche Zielgruppen richtet sich die Veranstaltung: eher an erfahrene Fachkräfte oder an Berufseinsteiger?
Krüger: Wir decken bewusst das komplette Erfahrungsspektrum ab. Einsteiger bekommen Struktur und Orientierung: Wie nähere ich mich einer Diabetesversorgung, welche Faktoren muss ich bewerten und wie leite ich daraus den Versorgungsweg ab? Erfahrene Diabetes-Versorger können ihre etablierten Abläufe auf den Prüfstand stellen, mit anderen Vorgehensweisen vergleichen und neue Impulse für die eigene Prozesskette mitnehmen. Gerade diese Mischung macht die Diskussionen spannend.
Ein zentraler Punkt im Programm ist die Risikoklassifizierung. Warum steht sie am Anfang einer leitliniengerechten Versorgung des diabetischen Fußes?
Krüger: Die Klassifizierung ist maßgeblich über die AG Fuß der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) entstanden und wurde weitgehendst von allen Krankenkassen als Standard in ihre Verträge aufgenommen. Die Diagnose „Diabetes“ allein sagt schließlich noch nichts über das tatsächliche, individuelle Fußrisiko eines Patienten aus. Die Risikoklassifizierung ist deshalb keine reine Klassifizierung, bei der man einen Stempel aufdrückt. Sie ist der entscheidende Ausgangspunkt für die gesamte weitere Versorgungskette.
Wo sehen Sie in der Praxis die häufigsten Fehler oder Unsicherheiten bei der Einschätzung des individuellen Fußrisikos?
Krüger: Die Einteilung ist manchmal etwas schwammig und man muss abwägen. Eine große Gefahr ist, dass man dem Patienten einen Gefallen tun will und ihn in eine vermeintlich bequemere, aber weniger wirksame Versorgung einstuft. Ein klassisches Beispiel ist eine offene Wunde, die eine Zweischalenorthese erfordert. Man neigt vielleicht dazu, stattdessen eine Fußbettung mit Schutzschuh zu wählen, um den Patienten mobil zu halten. Das ist aber rückblickend kontraproduktiv. Ein häufiger Fehler ist zudem, dass das Risiko an einem einzelnen Befund festgemacht wird. Der diabetische Fuß ist jedoch fast immer das Ergebnis mehrerer Faktoren, die man gemeinsam betrachten und bewerten muss.
Weitere Unsicherheiten entstehen, wenn fehlende Schmerzen mit einem geringen Risiko gleichgesetzt werden. Das kann beim diabetischen Fuß ein gefährlicher Trugschluss sein, da eine Neuropathie das Schmerzempfinden ja gerade herabsetzt.