Marco Hammerstein: Wir haben hier ein Sparprogramm, das maßgeblich die Produkte betrifft, die wir von Lieferanten beziehen. Wir als Leistungserbringer bekommen 3 Prozent weniger Marge. In diesem ganzen Sparpaket ist die komplette Industrie aber außen vor. Das kann so nicht funktionieren, darüber müssen und werden wir mit unseren Partnern fair und offen sprechen.
Es kann nicht sein, dass die 3 Prozent komplett bei uns hängen bleiben. Viele Sanitätshäuser haben nur eine Gewinnmarge zwischen einem und fünf Prozent. Wenn man ihnen 3 Prozent wegnimmt, wird es für viele existenzbedrohend. Wir alle werden darunter leiden, aber dann müssen auch alle ihren Teil dazu beitragen und nicht nur die Leistungserbringer.
Hansjörg Reiner: Die Leistungserbringer können sich das gar nicht leisten. Wir hätten einen Flächenbrand, wenn das komplett auf sie abgewälzt würde. Deshalb werden die Branchenverbände das Gespräch mit den Lieferanten suchen. Wir sind da nicht die Einzigen. Den Lieferanten ist bewusst, dass auch sie ihr Päckchen zu tragen haben.
Hammerstein: Es wäre wichtig gewesen, neben der Sparvorgabe auch ein Angebot zu machen, wie man zum Beispiel bei der Abrechnung Einsparpotenziale heben kann, die nicht zulasten der Versorgungsqualität gehen. Das fehlt völlig. Das erwarte ich daher auch für die angekündigte Hilfsmittel-Reform im Oktober.
Ich verstehe nicht, warum man nicht wie bei der Rentenkommission Experten aus den verschiedensten Bereichen zusammenholt, die sich mit der Materie auskennen. Nichts anderes wünsche ich mir im Gesundheitswesen. Wenn sich Teilnehmer aus der Branche, von den Kassen und von allen relevanten Bezugspersonen zusammensetzen würden, kämen Ergebnisse zustande, die wirkliches Einsparungspotenzial bergen, ohne primär die Qualität zu senken.
Reiner: Eine Expertenkommission wäre schön gewesen. Hätte man unsere Mitbewerber oder uns befragt, wären sinnvollere Sparmethoden herausgekommen, die für die Branche machbar gewesen wären und ähnliche Ersparnisse erzielt hätten. Aber das war anscheinend nicht gewünscht. Es wirkt wie eine Freitagabend-Entscheidung, bei der man schnell noch die letzten Milliarden regulieren musste.