Der Drogeriewarenhändler dm stößt mit neuen Dienstleistungen wie Blutanalysen und Augenscreenings in den Gesundheitsmarkt vor. Im Gespräch mit GesundheitsProfi erläutert Sebastian Bayer, als Geschäftsführer verantwortlich für das Ressort Marketing + Beschaffung, die strategische Neuausrichtung. Er erklärt, warum Prävention der Schlüssel für die Zukunft des Gesundheitssystems sei und wo er die Grenzen für das Engagement von dm-drogerie markt sieht.
GP: Eine persönliche Frage zum Einstieg: Waren Sie schon einmal in einem Sanitätshaus?
Sebastian Bayer: Ich habe keine regelmäßigen, sondern nur sehr punktuelle Erfahrungen mit dem Sanitätsfachhandel gemacht. Sei es, weil ich für die Familie etwas besorgen musste oder auch für mich selber.
GP: dm wird traditionell mit Drogerie, Kosmetik und Haushaltswaren verbunden. Welche Rolle spielt das Thema Gesundheit heute in der Unternehmensstrategie
Bayer: dm hat fünf Sortimentsschwerpunkte, wir nennen das unsere fünf Episoden. Das sind Beauty, Haushalt, Baby und Kind, Foto und als fünftes Gesundheit. Unter Gesundheit verstehen wir das klassische Pharmasortiment. Aber das geht noch weiter. Wir zählen zum Beispiel auch unser Lebensmittelsortiment dazu, weil wir einen Bio-Fokus haben und davon überzeugt sind, dass Bio-Lebensmittel unter Berücksichtigung von Gesundheitsaspekten besser sind. Daneben gibt es weitere Bereiche, wie zum Beispiel die Mund- und Zahnpflege. Nicht umsonst heißt es, gesund beginnt im Mund. Mundgesundheit ist weit mehr als nur eine Zahncreme zu verkaufen. Wir hatten also schon immer diverse Kategorien, die an das Thema Gesundheit anschlussfähig waren. Von daher war es für uns ein naheliegender Schritt, sich tiefer in diesen Gesundheitsmarkt hineinzubewegen.
GP: Wie bewerten Sie den Start der dm Apotheke?
Bayer: Wir haben die Versand-Apotheke gegründet, weil wir gesehen haben, dass sich die Kundenbedürfnisse verändern. Wir erhalten seit Jahren sehr viele Anfragen nach gängigen Arzneimitteln aus der Apotheke bei uns im Onlineshop und in der dm-App. Kunden haben also schon in den letzten Jahren erwartet, bestimmte Arzneimittel bei uns zu finden. Ich glaube, das hängt auch stark mit den Veränderungen im Onlinehandel zusammen. Dort findet man heute auf gewissen Plattformen auch apothekenpflichtige Arzneimittel, und von daher erwarten unsere Kundinnen und Kunden so ein Angebot auch bei dm online.
GP: Bieten Sie dort auch rezeptpflichtige Medikamente an?
Bayer: Nein, unser Sortiment ist sehr speziell kuratiert. Wir bieten zum Beispiel keine rezeptpflichtigen Arzneimittel an. Wir glauben, dass für die Menschen eine klare Trennung besteht: Das eine ist ein Drogeriemarkt, das andere eine Apotheke. Bei nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln verwischen diese Grenzen, aber bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln sehen Kundinnen und Kunden nach wie vor die Apotheke als erste Anlaufstelle. Deswegen sind wir ganz bewusst nicht in diesen Bereich hineingegangen.
GP: Seit kurzem bietet dm Augen-Screenings sowie Haut- und Blutanalysen an. Wie werden diese Angebote von den Kundinnen und Kunden angenommen?
Bayer: Man muss Geduld haben. Es geht hier um eine gravierende Veränderung, denn Menschen müssen ihre Routinen ändern. Bisher gehörte es nicht zur Routine, bei einem dm-Besuch eine Blutanalyse zu machen. Das braucht Zeit. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass es selbst bei einer Neueröffnung eines dm-Marktes drei Jahre dauert, bis sich die Einkaufsroutinen der Menschen angepasst haben. Bei einem so grundlegenden Thema wie Gesundheit wird es sicher noch länger dauern. Aber mit dem, was wir heute schon sehen, sind wir zuversichtlich. Die Zahlen sind bereits so, dass wir die Angebote weiter ausbauen wollen.
GP: Ausbauen heißt dann in weiteren Märkten oder auch mit weiteren Dienstleistungen?
Bayer: Sowohl als auch. Wir werden die bestehenden Dienstleistungen in weiteren dm-Märkten anbieten. Gleichzeitig erreichen uns durch die mediale Berichterstattung unglaublich viele Anfragen von Start-ups und etablierten Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiten möchten. Da sind viele Ideen im Gesundheitswesen vorhanden und die Fantasie, dass man es anders machen kann. Von daher ist davon auszugehen, dass wir auch noch das eine oder andere zusätzlich aufschalten werden.