Wenn Unternehmen wachsen, müssen sie ihren Führungsstil und ihre Organisation anpassen. Diese Erfahrung machte auch Lina-Marie Pilz-Strehlow. Die gelernte Betriebswirtin leitet das operative Geschäft des Strehlow Therapiezentrums in Magdeburg und betreibt parallel ihr eigenes Consulting-Unternehmen. Als sie vor rund elf Jahren ins Familienunternehmen einstieg, umfasste das Therapeuten-Team zehn Mitarbeitende – heute sind es 67. Ehrlich und offen schilderte sie den Teilnehmenden, welche Probleme diese dynamische Entwicklung für sie mit sich brachte.
Lina-Marie Pilz-Strehlow stürzte sich vom ersten Tag an mit Feuereifer in die Arbeit. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. „Ich lösche als Unternehmerin gerne Brände. Das gefällt mir.“ In einem kreativen Chaos fühle sie sich wohl. In kleinen Teams habe diese Arbeitsweise auch für alle funktioniert. Doch mit wachsenden Mitarbeiter- und Patientenzahlen fielen ihr die fehlenden Strukturen auf die Füße.
Ein Gespräch mit einer angestellten Physiotherapeutin öffnete ihr die Augen. Diese habe ihr berichtet, dass sie ihre Tätigkeit bei Strehlow inhaltlich zwar über alles liebe. Aber so chaotisch könne sie nicht länger arbeiten. „Das kränkte mich, aber sie hatte recht. Wir waren ein wilder Hühnerhaufen. Und der Ursprung des Chaos war ich“, so Pilz-Strehlow.
Um gut und konzentriert arbeiten zu können, hätten sich die Mitarbeitenden mehr Ruhe gewünscht. Es störe, wenn sie laufend Termine per Telefon vereinbaren oder sich um Abrechnungsdetails kümmern müssten. Gleichzeitig forderten sie schnellere Rückmeldungen bei Fragen zu Dienstplänen, Budgets oder Urlaubs- und Krankheitsvertretungen. „Dafür war aber kein Platz in meinem Arbeitstag“, bekannte Lina-Marie Pilz-Strehlow. Gleichzeitig stellte sie aber auch klar, dass solche organisatorischen Tätigkeiten nicht in ihren Aufgabenbereich fallen. „Ich verstehe mich als Impulsgeberin. Als Unternehmerin will und muss ich Strategien entwickeln.“
Wertschätzung durch Verantwortung
Lina-Marie Pilz-Strehlow veränderte daher in Zusammenarbeit mit ihrem Team ihren Führungsstil und in der Folge die Prozesse. Ihr Ansatz: Die Mitarbeitenden verantworten ihr Handlungsfeld selbst. „Dadurch kann jeder selbst reflektieren, ob er seine Ziele erreicht hat. Jeder muss außerdem verstehen, was es für seine Kollegen und das Unternehmen bedeutet, wenn er seine Verantwortung nicht wahrnimmt.“ Gleichzeitig habe man „kleine, banal erscheinende Prozesse“ wie die Führung von Telefongesprächen oder bestimmte E-Mail-Antworten exakt festgelegt.
Die neue Organisation brachte zwei wesentliche Vorteile mit sich, führte die Unternehmerin aus. „Viele Mitarbeitende unterschätzen sich. Dass wir ihnen Verantwortung übertragen, nehmen sie daher als Wertschätzung ihrer Arbeit wahr. Für die Motivation ist das wichtiger als Events oder Einkaufsgutscheine.“
Außerdem schafften bessere Prozesse die notwendige Freiheit, um kreative Überlegungen anzustellen und Strategien zu entwickeln. „Dieses konstruktive Chaos macht uns als Unternehmen krisenfest“, ist Lina-Marie Pilz-Strehlow überzeugt. Bei Prozessveränderungen stehen die höchsten Hürden am Anfang, schloss die Unternehmerin.
Gleichzeitig zeigte sie sich optimistisch: „Die ersten Veränderungen sind die schwersten. Wenn die Prozesse aber einmal gelernt und etabliert sind, läuft der Rest wie von selbst.“