Eine mobile Ganganalyse kann Veränderungen sichtbar machen und damit Beratung, Anpassung und Dokumentation im Sanitätshaus unterstützen. Besonders interessant ist dabei der Nutzennachweis: Verändert sich das Gangbild unter der Versorgung? Und wie lässt sich diese Veränderung für die Betroffenen, das Behandlungsteam und den Kostenträger nachvollziehbar darstellen?
Bei einer Gonarthrose können OA-Knieorthesen helfen, das betroffene Kniekompartiment zu entlasten und Bewegung wieder sicherer zu machen. Die Entscheidung für eine Versorgung basiert dabei auf mehreren Faktoren: Diagnose, ärztlicher Verordnung, klinischem Befund, Beschwerden, Alltagssituation und Therapieziel. Eine Ganganalyse ersetzt diese Einschätzung nicht. Sie kann sie jedoch um eine objektivierbare funktionelle Perspektive ergänzen.
„Nicht die einzelne Zahl zählt, sondern der Vergleich“
Annette Volk, Physiotherapeutin, und Oliver Müller beschäftigen sich bei Fuchs+Möller mit Gang- und Bewegungsanalysen. Ihr Ansatz: Das individuelle Gangbild soll nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Grundlage für eine interdisziplinäre Versorgung dienen. „Viele Patientinnen und Patienten spüren, dass sich ihr Gang mit einer Versorgung verändert. Oft ist es aber schwierig, diese Veränderung genau zu beschreiben“, sagt Annette. „Eine visualisierte Analyse kann helfen, die eigene Wahrnehmung besser zu verstehen und gemeinsam konkrete Ziele zu formulieren.“
Oliver ergänzt: „Für die Versorgungspraxis ist vor allem der Vergleich relevant – etwa das Gehen ohne und mit OA-Knieorthese oder der Vergleich vor und nach einer Anpassung. So lässt sich zeigen, ob sich unter definierten Bedingungen funktionell etwas verändert.“
Vom Befund zum Nutzennachweis
In der Praxis kann eine mobile, KI-gestützte Ganganalyse an verschiedenen Punkten eingesetzt werden:
- als strukturierte Ausgangsdokumentation,
- zur Unterstützung der Indikations- und Versorgungsentscheidung,
- beim Vergleich unterschiedlicher Einstellungen oder Anpassungen,
- zur Verlaufskontrolle,
- zur verständlichen Beratung der Patientinnen und Patienten,
- als ergänzende Dokumentation für Kostenvoranschläge und die Kommunikation mit Kostenträgern.
Der Nutzennachweis sollte dabei nicht auf eine einzelne Messzahl reduziert werden. Aussagekräftig wird er durch die Verbindung von objektiver Analyse, subjektiver Rückmeldung und fachlicher Beurteilung. Entscheidend ist die Frage, ob die beobachtete Veränderung zum individuellen Therapieziel passt. „Eine Messung liefert eine Momentaufnahme unter bestimmten Bedingungen“, betont Annette. „Deshalb müssen Durchführung, Ausgangssituation und Vergleichssituation sauber dokumentiert werden. Die Ergebnisse sind ein Baustein im Versorgungskonzept – keine automatisierte Entscheidung über ein Hilfsmittel.“
Auch in der Beratung kann die Visualisierung einen Unterschied machen. Wenn Betroffene sehen, wie sich ihr Gangbild zwischen zwei Situationen verändert, wird der mögliche Nutzen einer Orthese greifbarer. Das kann die Bereitschaft unterstützen, die Versorgung im Alltag konsequent zu nutzen. Oliver erlebt dabei besonders die gemeinsame Sprache als Vorteil: „Wir können konkreter über das sprechen, was die Person beim Gehen erlebt. Das hilft bei der Anpassung und macht auch die nächsten Schritte nachvollziehbarer – zum Beispiel, ob eine Einstellung verändert oder eine Verlaufsmessung geplant werden sollte.“
Dokumentation für die Versorgung und den Kostenträger
Eine objektivierte Analyse kann helfen, den Zusammenhang zwischen funktioneller Einschränkung, Versorgungsziel und Hilfsmittel übersichtlich zu dokumentieren. Der Bericht von Orthelligent Vision kann dabei als ergänzende Argumentationshilfe dienen. Er stellt die definierte Untersuchungssituation und den Vergleich der Ergebnisse strukturiert dar und macht funktionelle Veränderungen nachvollziehbarer. Für einen Kostenvoranschlag lassen sich damit – ergänzend zu Verordnung und medizinischen Unterlagen – die Ausgangssituation, die gewählte Versorgung und der beobachtete funktionelle Nutzen verständlicher darstellen. Rückfragen können so reduziert und die fachliche Begründung der Versorgung unterstützt werden. Werden die relevanten Informationen von Beginn an nachvollziehbar dokumentiert, kann dies zudem dazu beitragen, Ablehnungen zu vermeiden. Davon profitieren beide Seiten: Patientinnen und Patienten erhalten eine verständlichere Begründung dafür, warum eine Versorgung erforderlich ist und welchen funktionellen Nutzen sie haben soll. Leistungserbringer können ihre Versorgung gegenüber Kostenträgern strukturierter und transparenter darlegen. Eine gut aufbereitete Dokumentation ersetzt zwar keine Einzelfallprüfung, kann den Entscheidungsprozess aber erleichtern. Dennoch sind die Ganganalyse und ihr Bericht kein Ersatz für die erforderlichen medizinischen und versicherungsrechtlichen Nachweise. Sie können jedoch dazu beitragen, die fachliche Argumentation zu ergänzen, den Nutzennachweis zu stärken und unnötige Rückfragen im Genehmigungsprozess zu vermeiden.
Fazit
Eine mobile Ganganalyse kann die Versorgung mit OA-Knieorthesen an einer entscheidenden Stelle unterstützen: Sie macht Funktion sichtbar. Dadurch werden Beratung, Anpassung und Verlaufskontrolle strukturierter, der mögliche Nutzen einer Versorgung lässt sich somit besser erklären. „Gute Versorgung verbindet Daten mit Erfahrung und der Wahrnehmung der betroffenen Person“, fasst Annette zusammen. „Genau daraus entsteht ein belastbarer Nutzennachweis.“