Der Verband Wir versorgen Deutschland (WvD) kritisiert die am 15. Oktober 2026 vom Bundestag beschlossene Wiedereinführung von Ausschreibungen in der Hilfsmittelversorgung. Das 2019 aufgrund von Gefahren für die Versorgungsqualität abgeschaffte Instrument kehre über Änderungsanträge zur Notfallreform zurück. Der Verband befürchtet einen zunehmenden Preisdruck zulasten der Versorgungsqualität und einer wohnortnahen Versorgung.
„Diese Entscheidung ist ein Rückschritt für die Hilfsmittelversorgung. Die Politik nimmt erneut Risiken für die Versorgungsqualität in Kauf, obwohl die negativen Erfahrungen mit Ausschreibungen hinlänglich bekannt sind. Besonders enttäuschend ist, dass eine so weitreichende Entscheidung ohne eine angemessene fachpolitische Debatte getroffen wird. Hilfsmittelversorgung darf nicht auf den niedrigsten Preis reduziert werden“, erklären Kirsten Abel und Dr. Henning Schweer, Generalsekretäre von WvD.
Auch der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) bezeichnet den Bundestagsbeschluss als einen „schwarzen Tag für die Hilfsmittel-Versorgung in Deutschland“. Der Verband fordert den Bundesrat auf, zu intervenieren und die Wiedereinführung zu verhindern.
„Union und SPD haben 2019 Hilfsmittel-Ausschreibungen abgeschafft, da sie zu massiven Einschränkungen in der Versorgungsqualität der betroffenen Patienten geführt hatten. Jetzt wird dieser Fehler aus kurzsichtigen Sparerwägungen und gegen den Rat aller Expert:innen wiederholt“, kritisiert BVMed-Hilfsmittelexpertin Juliane Pohl.
Protest soll in die Betriebe getragen werden
WvD will den Widerstand gegen Ausschreibungen mit einer bundesweiten Plakataktion sichtbar machen. Unter dem Motto „Hilfsmittelversorgung ist keine Billigware!“ verteilt der Verband Protestplakate an Leistungserbringer in ganz Deutschland. Mit der Botschaft „NEIN zu Ausschreibungen!“ sollen die Betriebe auf die Bedeutung persönlicher Beratung, individueller Versorgung und wohnortnaher Qualität hinweisen.
„Für uns ist die Debatte mit dieser Entscheidung keineswegs beendet. Wir werden nicht nachlassen, uns gegen Ausschreibungen einzusetzen. Mit unserer Plakataktion tragen wir den Protest dorthin, wo Versorgung täglich stattfindet. Die Politik muss sehen, dass die Sorge um die Zukunft einer hochwertigen Hilfsmittelversorgung weit über Berlin hinausreicht“, betonen Abel und Schweer.
Der BVMed warnt ebenfalls vor Beeinträchtigungen für Patienten, die Versorgungskontinuität und bestehende Versorgungsstrukturen. Preisgetriebene Einsparungen könnten durch Fehl- und Unterversorgung sowie daraus entstehende Folgekosten wieder aufgezehrt werden. Für das angekündigte Hilfsmittelmodernisierungs- und Bürokratieabbaugesetz fordert der Verband deshalb einen klaren Qualitätsfokus, weniger Bürokratie und eine schnellere Digitalisierung der Prozesse.