Der Austausch zwischen der Hilfsmittelbranche und der Politik ist entscheidend für eine zukunftsfähige Patientenversorgung. Doch wie gelingt dieser Dialog? Was sind die Erfolgsfaktoren für politische Kommunikation und wo liegen die Hürden? Im Rahmen des GP-Sanitätshaus-Forums auf der Rehacare trafen Vertreter von Verbänden, Leistungserbringern und der Politik aufeinander, um diese Fragen zu erörtern. Deutlich wurde: Hartnäckigkeit, konkrete Lösungsvorschläge und der persönliche Kontakt sind Schlüssel, um politische Veränderungen anzustoßen.
Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Frage, wie die Branche effektiv mit der Politik kommunizieren kann. MdL Anke Fuchs-Dreisbach (CDU), Mitglied des Gesundheitsausschusses in Nordrhein-Westfalen, ermutigte die Anwesenden ausdrücklich, den Kontakt zu suchen.
Der direkteste Weg führe über die Abgeordneten im eigenen Wahlkreis. Eine Einladung in den eigenen Betrieb sei äußerst wirksam, um die tägliche Arbeit und die damit verbundenen Probleme greifbar zu machen. „Da wird keiner Nein sagen“, versicherte sie. Alternativ könne man sich an die Arbeitskreise der Fraktionen wenden. Wichtig sei, frühzeitig, konkret und detailliert zu sein. Anstatt nur Probleme zu benennen, sollten idealerweise auch Lösungsvorschläge oder Alternativen angeboten werden.
Markus Wendler bestätigte aus seiner Praxis, dass diese Einladungen funktionieren und durch die Einbindung der regionalen Presse auch das Image der Branche stärken. Henning Schweer ergänzte, dass man die Erwartungen realistisch halten müsse. Ein einzelner Termin führe selten zu sofortigen Gesetzesänderungen. Vielmehr sei es ein Zusammenspiel: Die Betriebe vor Ort schaffen Verständnis für die Praxis, während die Verbände die zeitintensive „trockene Arbeit“ im Hintergrund leisten, also Gesetzesvorschläge ausarbeiten und den kontinuierlichen Dialog in Berlin führen.
Wurzel des Übels: Bürokratie und Misstrauen
Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass überbordende Bürokratie und eine tief verankerte „Misstrauenskultur“ die Versorgung lähmen. Wendler schilderte das Beispiel eines Aktivlifters für einen älteren Patienten, für den eine Krankenkasse nach acht Wochen eine Videodokumentation zur Prüfung anforderte. Solche Vorgänge seien absurd und zeigten ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber allen Beteiligten.
Christiana Hennemanns Beispiel der nicht umgesetzten Gesetzesänderung für Kinderhilfsmittel untermauerte dies: Obwohl ein Gesetz eine vereinfachte Prüfung vorsieht, suchen Sachbearbeiter nach Gründen zur Ablehnung. Schweer analysierte, dass diese Misstrauenskultur die Ursache für viele bürokratische Regelungen sei. Das System gehe von der Annahme aus, dass Leistungserbringer und Patienten versuchen, das System auszunutzen. Dies führe zu einer endlosen Kette von Anträgen, Prüfungen und Dokumentationspflichten, die Zeit und Geld kosten und letztlich die Versorgung verzögern. Stattdessen, so Schweer, wären stichprobenartige Kontrollen im Nachhinein ein weitaus effizienterer Ansatz.