GP: Daniel Ernst, wie haben Sie Ihren Start beim SpiOST erlebt?
Ernst: Ich würde behaupten nahezu vollständig angekommen zu sein. Meine Arbeit beim SpiOST unterscheidet sich selbstverständlich erheblich von meiner vorherigen Tätigkeit. Als Projektleiter habe ich mich auf ein Thema konzentriert. Beim SpiOST ist mein Aufgabenspektrum deutlich breiter. Wir haben eine schlanke Verbandsstruktur und deshalb kurze Entscheidungswege. Gleichzeitig stellt uns der Reformdruck in der Gesundheitspolitik vor große Herausforderungen. Manchmal könnte mein Tag deshalb durchaus 36 Stunden haben.
GP: Worauf haben Sie seit Ihrem Start beim SpiOST einen Schwerpunkt gelegt?
Ernst: Ein Schwerpunkt meiner bisherigen Arbeit ist die Kommunikation. Mir geht es dabei nicht nur um die Außendarstellung des Verbands, sondern vor allem darum, Wissen für unsere Mitglieder aufzubereiten und zugänglich zu machen. Mit unserem Newsletter erreichen wir sowohl Mitglieder als auch weitere Interessierte aus der Branche. Die Resonanz ist durchweg positiv. Unser interner Mitgliederbereich wurde umgestaltet und wird geplant in den kommenden Jahren weiter ausgebaut.
GP: Welche Pläne hat der SpiOST für das kommende Jahr 2027?
Ernst: Für das kommende Jahr treiben wir zwei große Themen voran. Wir werden unsere digitale Infrastruktur weiter ausbauen und unseren Mitgliederbereich zu einer zentralen Informationsplattform ausbauen. Dort sollen unsere Betriebe künftig Fachinformationen und Ansprechpartner zu möglichst vielen Fragen des betrieblichen Alltags finden, von der Abrechnung über das Kundendatenmanagement bis hin zu Ausbildungs- und Meisterthemen. Auch Möglichkeiten zur Vernetzung sind denkbar. Um unseren Plan realisieren zu können, starten wir die Zusammenarbeit mit Kammern, Kreishandwerkerschaften und Partnern aus der Branche. Dadurch können wir für unsere Mitglieder Fachinhalte aufbereiten.
Nachwuchsgewinnung fördern
Als weiteres Thema haben wir uns die Nachwuchsgewinnung auf die Fahne geschrieben. Wir befinden uns in einem Wachstumsmarkt, sind aber mit einer sinkenden Anzahl von Mitgliedern konfrontiert. Uns ist bewusst, dass die ganze Branche darunter leidet und stetig auf den Fachkräftemangel hinweist. Wir wollen die Landesinnungen bei der Nachwuchsgewinnung gezielt bei bestehenden Kampagnen unterstützen und Veranstaltungen ergänzen. Dazu entwickeln wir gemeinsam mit den Landesverbänden ein übergreifendes Leitbild für unseren Berufsstand. Die Planung der Kampagne soll im Januar 2027 abgeschlossen sein, damit wir im Frühjahr mit den ersten Maßnahmen starten können. Wir möchten damit die Landesinnungen bei der Ausbildungsgewinnung unterstützen und bestmöglich auch den Anreiz einer Meisterausbildung steigern. Fachkräfte und Meister wachsen nicht auf Bäumen, und wir müssen alle gemeinsam unser Bestes geben, die Grundsteine für die zukünftigen Gesellen und Meister zu legen. Uns ist es wichtig, dass die Kampagne nächstes Jahr startet, damit wir in vier bis fünf Jahren erste Ergebnisse erkennen können. Wir müssen als Branche über die Themen Ausbildung und das Berufsbild im Allgemeinen sprechen. Darüber hinaus möchten wir aktuellen Nichtmitglieder mit einer kostenfreien Gastmitgliedschaft die Möglichkeit bieten, uns näher kennenzulernen. Interessierte können sich ab dem 1. Januar 2027 als Gastmitglied anmelden, die Mitgliedschaft ist auf ein Jahr begrenzt und endet automatisch zum Jahresende. Wer Interesse hat, kann sich jederzeit unter info@spiost.de bei uns melden!
GP: Weshalb hat das Thema Ausbildung einen so hohen Stellenwert für Sie?
Ernst: Wir wissen seit Jahren, dass wir mehr Auszubildende, mehr Meister und mehr Nachfolger brauchen. Andernfalls haben wir in zehn bis 15 Jahren ein echtes Versorgungsproblem. Das Bewusstsein in der Branche ist vorhanden, und viele versuchen der Tendenz entgegenzuwirken. Der Vorstand und ich sind der Meinung, dass wir jetzt aktiv werden müssen, statt abzuwarten. Die flächendeckende Versorgungssicherheit muss auch in 15 Jahren noch gewährleistet sein.
GP: Inwiefern wollen Sie die Unternehmen bei dem Thema unterstützen?
Ernst: Wie bereits erwähnt, unterstützen wir die Landesinnungen bei bestehenden Konzepten mit einem einheitlichen Leitbild und der Option ihre Veranstaltungen und Kampagnen zu erweitern. In ersten Gesprächen mit den Geschäftsführern der Länderebene werden aktuelle Vorgehensweisen besprochen und eine individualisierte Unterstützung ausgearbeitet. Die Entwicklung eines länderübergreifenden Leitbildes zum Berufsbild und zur Nachwuchsgewinnung soll den Beginn markieren. Der Rollout findet dann im Frühjahr pünktlich zur Informationsphase der jungen Menschen zu möglichen Ausbildungsberufen statt. Man darf nicht vergessen, die Orthopädieschuhtechnik-Branche ist ein Wachstumsmarkt. Eine zunehmend ältere Bevölkerung sorgt für steigende Versorgungszahlen. Wer gerne mit Menschen arbeitet und Spaß am Handwerk hat, wird bei uns gut aufgehoben sein.
Betriebsgründungen unterstützen
GP: Spielen neue Technologien in der Werkstatt eine Rolle bei der Nachwuchsgewinnung?
Ernst: Die Orthopädieschuhtechnik verbindet traditionelles Handwerk mit modernen Fertigungstechnologien. Manche Betriebe setzen bewusst auf klassische handwerkliche Verfahren, andere nutzen bereits zahlreiche neue Technologien. Diese Vielfalt sollten wir auch bei der Nachwuchsgewinnung zeigen. Ein Thema, das mir am Herzen liegt, ist die Betriebsgründung. Wir müssen junge Meister an der Stelle viel stärker unterstützen. Wir vom SpiOST möchten frischgebackenen Meistern Werkzeuge an die Hand geben, um eigene Betriebe zu gründen.
GP: Müsste Marketing auch in Ausbildungsinhalte aufgenommen werden?
Ernst: Marketing kann ein Werkzeug sein, um sich besser aufzustellen. Nicht jeder angehende Meister hat schon den Gedanken einer Betriebsgründung im Hinterkopf, und hier spiegelt sich auch die Prüfungsordnung wider. Sie soll dem angehenden Meister erst mal nur die notwendige Qualifikation für das Arbeiten im Betrieb mitgeben. Eine Unterstützung in kaufmännischen Themen wird unter dem Gesichtspunkt zurückgestellt.
Wir müssen einen Weg finden, unsere Meister mit allen Fähigkeiten auszustatten, um ihren Weg zu beschreiten. Sei es als Meister in einem Betrieb oder mit einer zusätzlichen Fortbildung, welche die Unternehmensgründung in den Vordergrund stellt und sie auf den Alltag eines Gründers vorbereitet. Wir werden auf unserer Plattform ebenfalls diese Informationen bereitstellen und Jungmeister bei verschiedenen Themen unterstützen. 2027 wird ein spannendes Jahr für unsere Mitglieder, für uns als Verband, aber auch für uns als Gesellschaft.