Am 2. und 3. Oktober 2026 fand auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen das 13. Narbensymposium statt. Die wissenschaftliche Leitung übernahmen Dr. med. Bernd Hartmann, Univ.-Prof. Dr. med. Marcus Lehnhardt und Univ.-Prof. Dr. med. Frank Siemers. Mehr als 150 Gäste nutzten die Veranstaltung zum fachlichen Austausch über moderne Verfahren der plastischen und rekonstruktiven Medizin.
Ergänzend zu den Fachvorträgen boten praxisnahe Workshops Gelegenheit, aktuelle Ansätze der konservativen Narbentherapie und der Behandlung von Brandverletzungen anhand konkreter Fallbeispiele zu diskutieren. Ein Schwerpunkt lag auf der individuellen Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie der Zusammenarbeit zwischen ärztlichen, therapeutischen und versorgenden Berufsgruppen.
Zum Auftakt gab Dr. med. Felix Reinkemeier, MHBA, einen Überblick über den aktuellen Stand und die Zukunftsperspektiven der Narbenrekonstruktion. Während die Narbe früher häufig als Abschluss einer erfolgreichen Behandlung betrachtet wurde, gilt die Narbentherapie heute als zentraler Bestandteil der Versorgung. Neben dem Erhalt der Hautfunktion stehen die Prävention und Behandlung belastender Symptome wie Juckreiz und Schmerzen im Fokus.
Kompression und Silikon bleiben Goldstandard
Als etablierte konservative Verfahren gelten weiterhin Kompression, Silikonversorgung sowie Physio- und Ergotherapie. Gleichzeitig gewinnen operative Narbenkorrekturen und ästhetische Behandlungen, etwa mittels Lasertherapie, an Bedeutung. Ulrike Van Daele, PT, PhD, hob im Themenblock Verbrennungsmedizin die Rolle der Kompressionstherapie nach Brandverletzungen hervor. Entscheidend seien dabei der passende Druck und eine auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Versorgung.
Auch in der Handtherapie bleiben Kompression und Silikon zentrale Bestandteile der Narbenbehandlung. Ergänzend wurden chirurgische Möglichkeiten bei akuten und chronischen Erkrankungen der Erwachsenenhand sowie die besonderen Anforderungen bei der Behandlung von Kinderhänden vorgestellt. Moderne Ansätze der Handendoprothetik zielen insbesondere darauf ab, Funktion und Beweglichkeit wiederherzustellen.
Weitere Themenblöcke widmeten sich Innovationen und Forschung, der Brustrekonstruktion nach malignen Erkrankungen sowie der ästhetischen Gesichtschirurgie. Diskutiert wurden unter anderem KI-gestützte Anwendungen zur frühzeitigen Erkennung einer Sepsis und bildgebende Verfahren zur präziseren Einschätzung der Verbrennungstiefe. Bei der Brustrekonstruktion standen neben funktionellen und ästhetischen Ergebnissen auch das Körperbild und die langfristige Lebensqualität der Patientinnen im Mittelpunkt. Dabei können medizinischen Tätowierungen, wie Brustwarzenrekonstruktionen und Narbenretuschierungen, einen Beitrag leisten.
Darüber hinaus wurde das sekundäre Lymphödem als mögliche Folge einer Brustkrebserkrankung thematisiert. In bestimmten Fällen könne ein frühzeitiges operatives Eingreifen, beispielsweise durch eine lymphovenöse Anastomose, den weiteren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Mit Vorträgen zu rekonstruktiver Chirurgie, Verbrennungsmedizin, ästhetischen Behandlungskonzepten und Handchirurgie bot das Symposium eine umfassende Plattform für den interdisziplinären Austausch.