Welche Rolle übernimmt Orthegroh bei einer solchen Herausforderung?
Bolsinger: Wir verstehen uns als Partner unserer Mitglieder. Genossenschaft bedeutet für uns weit mehr als die Bündelung von Einkaufsmengen. Unser Anspruch ist es, frühzeitig zu erkennen, vor welchen wirtschaftlichen, organisatorischen oder technologischen Herausforderungen unsere Mitglieder stehen. Wenn viele Betriebe vor derselben Herausforderung stehen, muss nicht jeder für sich eine eigene Lösung entwickeln.
Wir können den Bedarf bündeln, eigene Kompetenzen einbringen, spezialisierte Partner hinzuziehen und daraus gemeinsame Lösungen entwickeln. Genau darin liegt für mich die Stärke einer modernen Genossenschaft: Dinge gemeinsam möglich zu machen, die für den einzelnen Betrieb allein aufwendiger, komplizierter oder wirtschaftlich kaum darstellbar wären.
Wie ist aus diesem Gedanken die Zusammenarbeit mit Sanoa entstanden?
Bolsinger: Am Anfang stand eine sehr konkrete Frage: Wie können wir dafür sorgen, dass die Leistungen unserer Mitglieder im Internet besser gefunden werden, ohne ihnen gleichzeitig eine weitere komplexe Aufgabe zu übertragen? Sanoa bringt spezialisiertes Wissen rund um die digitale Sichtbarkeit von Sanitätshäusern und Hilfsmittelversorgern ein. Dazu gehören sowohl die technischen Voraussetzungen als auch branchenspezifische Inhalte zu Produkten, Marken, Leistungen, Indikationen und Versorgungsbereichen.
Orthegroh wiederum kennt die Mitglieder, die Strukturen des Fachhandels und die Anforderungen der Branche. Darüber hinaus verfügen wir über enge Verbindungen zu Herstellern und Marktpartnern und können auf Spezialisten aus unterschiedlichen Bereichen unseres Hauses zurückgreifen.
In Orthegroh-easyWeb führen wir diese unterschiedlichen Kompetenzen zusammen. Das ist für mich ein wichtiger Punkt: Wir wollten keine beliebige SEO-Lösung schaffen, sondern eine Lösung, die speziell auf den Hilfsmittelfachhandel und die Anforderungen unserer Mitglieder ausgerichtet ist.
Was leistet easyWeb konkret für den Fachbetrieb?
Bolsinger: Ein Kunde sucht nicht nach Orthegroh-easyWeb. Er sucht nach einer Bandage, einer Kompressionsversorgung, einer bestimmten Marke, einem Produkt oder einem Fachbetrieb in seiner Nähe. Genau an diesem Punkt setzt Orthegroh-easyWeb an.
Suchmaschinenoptimierte Inhalte zu relevanten Themen, Leistungen, Produkten und Marken werden mit den Standorten des teilnehmenden Orthegroh-Mitglieds verbunden. Dazu kommen Informationen wie Kontaktdaten, Öffnungszeiten und digitale Services. Dadurch entstehen zusätzliche digitale Zugänge zum Unternehmen.
Die bestehende Website bleibt dabei die zentrale digitale Visitenkarte des Betriebes. Orthegroh-easyWeb ergänzt diese Präsenz um konkrete Suchinteressen potenzieller Kunden. Unser Ziel lässt sich deshalb sehr einfach formulieren: Die digitale Suche soll nicht irgendwo im Internet enden, sondern möglichst beim qualifizierten Fachbetrieb vor Ort.
Welche Rolle spielt dabei die Verbindung zwischen Herstellern und Fachhandel?
Bolsinger: Menschen suchen im Internet nicht nur nach Versorgungen oder Produkten, sondern häufig auch ganz konkret nach Marken und Herstellern. Gleichzeitig liegt die eigentliche Beratungs- und Versorgungskompetenz beim Fachbetrieb vor Ort.
Orthegroh verbindet seit jeher Hersteller und Fachhandel miteinander. Mit Orthegroh-easyWeb übertragen wir diesen Gedanken ein Stück weit in die digitale Welt. Relevante Informationen zu Produkten, Marken und Versorgungsbereichen können mit den Standorten unserer Mitglieder verbunden werden. Damit entsteht eine digitale Brücke zwischen dem Informationsinteresse des Kunden, dem Hersteller beziehungsweise der Marke und dem qualifizierten Fachbetrieb vor Ort. Wir möchten digitale Nachfrage dorthin führen, wo die eigentliche Versorgungskompetenz liegt: zu unseren Mitgliedern.
Wie hoch ist der Aufwand für das Mitglied?
Bolsinger: Wir wollten ausdrücklich keine Lösung entwickeln, für die ein Mitglied zunächst selbst zum Online-Marketing- oder SEO-Spezialisten werden muss. Der Betrieb stellt die notwendigen Unternehmens- und Standortinformationen bereit und gibt sein Google-Unternehmensprofil für die im Rahmen von Orthegroh-easyWeb erforderliche Optimierung und Verknüpfung frei. Orthegroh und Sanoa übernehmen anschließend gemeinsam die vorgesehenen technischen und inhaltlichen Aufgaben. Das Mitglied bringt sein Unternehmen und seine fachliche Kompetenz ein. Die spezialisierten digitalen Aufgaben werden innerhalb der Lösung übernommen. Denn Digitalisierung funktioniert im Mittelstand nur dann wirklich gut, wenn sie nicht nur technisch möglich, sondern im Tagesgeschäft auch einfach umsetzbar ist.
Welche Rolle spielen digitale Services?
Bolsinger: Gefunden zu werden ist der erste Schritt. Danach muss es für den Interessenten möglichst einfach sein, mit dem Betrieb in Kontakt zu treten. Deshalb können neben Kontaktdaten und Öffnungszeiten auch digitale Services eingebunden werden – beispielsweise eine Terminvereinbarung oder, sofern vom Betrieb genutzt, Möglichkeiten zur digitalen Übermittlung von Rezepten oder Dokumenten. Damit verkürzen wir den Weg zwischen einer Online-Suche und dem Fachbetrieb.
Aus digitaler Sichtbarkeit soll möglichst ein konkreter Kundenkontakt entstehen. Das hilft bei der Gewinnung neuer Kunden. Gleichzeitig profitieren auch bestehende Kunden davon, Informationen und Kontaktmöglichkeiten schneller zu finden.
Orthegroh-easyWeb richtet sich damit vor allem an potenzielle Neukunden?
Bolsinger: Ja. Das ist ein wichtiger Punkt. Wir betrachten die Beziehung zwischen einem Fachbetrieb und seinen Kunden nicht nur an einem einzelnen Kontaktpunkt, sondern entlang des gesamten Weges. Orthegroh-easyWeb setzt bewusst sehr weit vorne an: bei Menschen, die einen konkreten Versorgungsbedarf haben, den passenden Fachbetrieb aber möglicherweise noch gar nicht kennen. Sie suchen nach einer Leistung, einem Produkt, einer Marke oder einer Versorgung und sollen auf diesem Weg auf den qualifizierten Fachbetrieb vor Ort aufmerksam werden. In diesem Sinne ist Orthegroh-easyWeb für uns vor allem ein Instrument für digitale Sichtbarkeit und Neukundengewinnung. Damit ist die Aufgabe für uns aber noch nicht beendet. Denn genauso wichtig wie die Frage, wie ein neuer Kunde zum Fachbetrieb findet, ist anschließend die Frage: Wie schaffen wir es, diesen Kunden langfristig an den Betrieb zu binden?
Was möchten Sie den Orthegroh-Mitgliedern abschließend mitgeben?
Bolsinger: Ich würde jedem Betrieb zunächst eine einfache Frage stellen: Was findet ein potenzieller Kunde heute im Internet, wenn er eine Versorgung, ein Produkt oder eine Marke sucht – aber den Namen meines Unternehmens noch nicht kennt? Genau dort entscheidet sich ein Teil der zukünftigen Sichtbarkeit des Fachhandels.