Auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin hat der BVMed einen 10-Punkte-Plan mit insgesamt 50 Einzelforderungen an die Bundesregierung vorgestellt. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Medizintechnik zu stärken, den Zugang zu Innovationen zu beschleunigen und eine smarte Gesundheitsversorgung mit modernen Technologien zu ermöglichen.
„Der Herbst der Reformen muss jetzt kommen. Wir brauchen ein einheitliches und strategisches Handeln der Bundesregierung. Ein Schlüssel für den Weg aus der Krise ist die Innovationskraft der industriellen Gesundheitswirtschaft, insbesondere der MedTech-Branche. Wichtig ist jetzt eine abgestimmte und ressortübergreifende Gesamtstrategie, die den Unternehmen Verlässlichkeit und Planungssicherheit für Investitionen gibt“, erklärt der BVMed-Vorstandsvorsitzende Mark Jalaß.
Die deutsche MedTech-Branche beschäftigt nach Angaben des Verbandes mehr als 210.000 Menschen und erwirtschaftet einen Umsatz von 55 Milliarden Euro. 93 Prozent der Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen. Der Forderungskatalog umfasst unter anderem einen Kabinettsbeschluss zur MedTech-Strategie, eine zügige Revision der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR), den Abbau von Handelshemmnissen sowie mehr Planungssicherheit für Investitionen.
Innovationszugang und ambulante Versorgung stärken
Ein Schwerpunkt des Forderungskatalogs liegt auf einem schnelleren Innovationszugang. Das Verfahren zur Bewertung neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden soll nach Ansicht des BVMed nachvollziehbarer, berechenbarer und verlässlicher werden. Dafür fordert der Verband definierte Fristen, Begründungen für Prüfergebnisse und klare Regelungen für den Übergang in regionale Verhandlungen. Auch die Verfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses müssten beschleunigt und Real-World-Evidenz sowie Registerdaten stärker in Nutzenbewertungen einbezogen werden.
Zudem spricht sich der Verband für Modellregionen und Modellvorhaben in der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Befristete Erstattungen sollen dort mit der Generierung von Evidenz verbunden und Übergänge in die Regelversorgung vorab festgelegt werden. „Wir müssen Innovationen als Effizienzhebel begreifen, nicht nur als Ausgabenposition. Dafür müssen wir Folgekosten und Versorgungsnutzen sektorenübergreifend bewerten. Das wäre ein überfälliger Schritt nach vorne“, so Jalaß.
Für eine smartere Gesundheitsversorgung fordert der BVMed außerdem einen besseren Zugang zu Gesundheitsdaten, verbindliche Interoperabilitätsstandards und maschinenlesbare Daten in der elektronischen Patientenakte. Digitale Lösungen sollen als eigener Versorgungsstrang etabliert und Telemonitoring-Lösungen indikationsunabhängig verankert werden.
Auch Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Unternehmen müssten zügig an die Telematikinfrastruktur angebunden werden. Darüber hinaus fordert der Verband, die Einführung der elektronischen Hilfsmittelverordnung vorzuziehen. Die vom Bundesgesundheitsministerium geplante Wiedereinführung von Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich lehnt der BVMed dagegen ab. „Ausschreibungen im sensiblen Bereich der Hilfsmittelversorgungen sind bereits in der Vergangenheit krachend gescheitert. Sie sind keine Option für die Zukunft“, betont Jalaß. Nach Ansicht des Verbandes verschlechtern Ausschreibungen die Versorgung, ohne die Ausgaben zu reduzieren. Zusätzlich belaste der geplante pauschale Preisabschlag von drei Prozent auf bestehende Vergütungsvereinbarungen in den Jahren 2027 und 2028 die mittelständisch geprägte Hilfsmittelbranche.