Bei einem Online-Symposium am 6. Mai 2025 diskutierten führende Fachexperten aus der Prothetik der oberen Extremitäten über Fortschritte bei Phantomempfindungen und Schmerzmanagement. Moderiert von Dipl.-Ing. Merkur Alimusaj, Leiter der Technischen Orthopädie am Universitätsklinikum Heidelberg, befasste sich die Veranstaltung mit innovativen Lösungen für Menschen mit Gliedmaßenverlust.
Phantomschmerzen (PLP) und Stumpfschmerzen (RLP) entstehen häufig durch verletzte oder durchtrennte periphere Nerven. Sie treten insbesondere bei Amputationen der oberen Extremität auf. Jamie Vandersea, Orthopädietechniker und Leiter Upper Extremity Prosthetics am Medical Center Orthotics and Prosthetics in Silver Spring, betonte in seinem Vortrag die Bedeutung eines patientenzentrierten Ansatzes. Zu den gängigsten Behandlungsmethoden zählen Ergotherapie, Physiotherapie, prothetische Maßnahmen sowie pharmakologische und chirurgische Verfahren.
Digitaler Avatar visualisiert Schmerzempfindungen
Ein Höhepunkt des Symposiums war die Vorstellung von C.A.L.A. (Computer Assisted Limb Assessment). Das digitale Tool wurde von der Arbeitsgruppe PlayBionic entwickelt und unterstützt bei der Dokumentation und Visualisierung von Phantomschmerzen. Cosima Prahm, Leiterin des Zentrums für Klinische Forschung am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin, erläuterte die Funktionsweise: Patienten können mithilfe eines 3D-Avatars verschiedene sensorische Phänomene wie Brennen, Stechen oder Kribbeln lokalisieren und eintragen.
Die Software ermöglicht es außerdem, Schmerz- und Krampfbereiche sowie deren Intensität einzuzeichnen. Auch die Form und Position des Phantomglieds lassen sich am Avatar modellieren. Alle Werte werden automatisch quantifiziert und in der Patientenakte gespeichert. „Die visuelle Darstellung der Symptomverläufe bietet insbesondere einen großen Mehrwert bei Prothesenanpassungen, Rehabilitationssitzungen oder interdisziplinären Konsultationen”, so Dr. Prahm.
Das Tool steht kostenlos für die wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Verfügung. Eine Online-Demoversion ist unter https://playbionic.org/cala-online zugänglich.
Myosmart-System verbessert Prothesenkontrolle
Hans-Magnus Holzfuss, Orthopädietechniker und Geschäftsführender Gesellschafter des Gesundheitszentrums Greifswald, berichtete über erste Erfahrungen mit dem neuen Myosmart-Steuerungssystem von Ottobock. Ein Patient mit Oberarmamputation nach einem Schwimmunfall 2020 erhielt 2021 eine TMR-Operation (Targeted Muscle Reinnervation) mit Osseointegration eines OPRA-Implantat-Systems.
Im Januar 2025 testete der Patient erstmals das Myosmart-System. Mithilfe von vier Elektroden und einer kurzen Einführung konnte er myoelektrische Signale darstellen und mit der Connectgrip-App aufzeichnen. „Mein Patient konnte mit der Testprothese eine deutlich bessere, sicherere und gezieltere Steuerung erreichen”, sagte Hans-Magnus.
Das Symposium verdeutlichte sowohl die enormen Auswirkungen von Phantomschmerzen auf Betroffene als auch die technischen Fortschritte in der Prothesensteuerung. Die vorgestellten Innovationen bieten Hoffnung für Menschen, die mit Phantomschmerzen kämpfen, und unterstreichen die Notwendigkeit fortlaufender Forschung zur Verfeinerung der Behandlungsmethoden.