Der Betrieb wird im Rahmen einer neu gebildeten Healthcare-Gruppe fortgeführt, teilt die Kanzlei Dr. Beck & Partner mit. Zugleich sei es Insolvenzverwalter Joachim Exner gelungen, das Erlanger Unternehmen über einen Insolvenzplan grundlegend zu sanieren, so dass die Orthopädie Forum GmbH als gesundes Unternehmen gemeinsam mit einem starken Partner neu starten kann. Der Hauptsitz in Erlangen sowie die acht weiteren Filialen bleiben nach eigenen Angaben bestehen, alle rund 180 Mitarbeitende können ihren Arbeitsplatz behalten. Das Insolvenzverfahren wurde am 8. März 2022 aufgehoben. Die Geschäftsführung liegt weiter in Händen von Louisa und Moritz Herde. Gegebenenfalls werde sie künftig noch erweitert, „zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht“, führt Moritz Herde auf Nachfrage von GP aus.
Die Orthopädie Forum GmbH ist spezialisiert auf Orthopädie- und Orthopädieschuhtechnik sowie rehatechnische Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die besondere Kompetenz des Unternehmens liegt dabei auf der Maßanfertigung von individuellen orthopädischen Hilfsmitteln.
„Die Orthopädie Forum GmbH verfügt über ein erstklassiges, technisches Markt-Know-how und genießt einen hervorragenden Ruf über die Grenzen Nordbayerns hinaus“, betonte Insolvenzverwalter Exner, geschäftsführender Gesellschafter der Nürnberger Kanzlei Dr. Beck & Partner. „Die Orthopädie Forum GmbH kann nun gemeinsam mit dem neuen Partner den Zugang zu diesem zukunftsträchtigen Markt weiter ausbauen.“ Ein besonderer Schwerpunkt soll auf dem weiteren Ausbau der bestehenden Fertigungskompetenzen im Handwerk liegen, ergänzt durch eine weitgehende Digitalisierung von Konstruktions- und Herstellungsprozessen.
„Verkettung sehr vieler unglücklicher Umstände“
Die Orthopädie Forum GmbH musste im Februar 2021 einen Insolvenzantrag stellen. Moritz Herde führt diesen auf „eine Verkettung sehr vieler unglücklicher Umstände“ zurück. Dazu zählen der plötzliche Tod seines Vaters Udo Herde im April 2020, der das Unternehmen gegründet hatte und einziger Geschäftsführer der Gesellschaft war. Bis Anfang 2020 habe man zudem sehr stark über alle Geschäftsbereiche hinweg in Wachstum und Erweiterung der Firma investiert. Die Basis dafür bildeten überdurchschnittlich gute zweistellige Wachstumsraten pro Jahr bis Ende 2019, so Moritz Herde. Im Februar 2020 sei das Geschäft durch den Corona-Einbruch komplett gelähmt worden. Die Mitarbeitenden hätten nicht mehr die Einrichtungen aufsuchen können, sämtliche Sprechstunden entfielen. Dazu addierten sich u.a. „enorme Zusatzkosten im mittleren sechststelligen Bereich durch die Anschaffung von Schutzausrüstung für die Mitarbeitenden (was zu diesem Zeitpunkt noch nicht über die Kostenträger vergütet wurde)“.
Damit aber nicht genug: „Weiterhin mussten wir im September 2020 überraschend eine große Filiale in der Schön-Klinik Nürnberg-Fürth schließen, da die Schön-Klinik mehr oder minder ,über Nacht‘ und ohne Vorankündigung den Betrieb eingestellt hat.“ Eigene Entwicklungs-Projekte wie das Armunterstützungssystem „AGITO“ sollten außerdem Anfang 2020 in den Markt eingeführt werden. „Jedoch sind sämtliche Messen ausgefallen, damit konnte auch diese Investition nicht wie geplant amortisiert werden.“
Das zuständige Insolvenzgericht in Fürth bestellte Joachim Exner als vorläufigen Insolvenzverwalter und später als Insolvenzverwalter ein. Exner war und ist von den Potenzialen des Unternehmens überzeugt und führte den Geschäftsbetrieb während des gesamten Insolvenzverfahrens in vollem Umfang fort. Nach umfangreicher Analyse begann er mit der Erarbeitung eines Insolvenzplanes, der es ermöglicht, das Unternehmen zu sanieren und zu erhalten, statt es zu zerschlagen. Dadurch konnte das Insolvenzverfahren nach 13 Monaten beendet werden und nicht – wie in Regelinsolvenzverfahren sonst üblich – nach mehreren Jahren. Die Gläubiger erhalten zudem eine laut Kanzlei Dr. Beck & Partner „weit überdurchschnittliche Quote“.
Exner würdigt zum Abschluss des Insolvenzverfahrend insbesondere die Leistung der Arbeitnehmer: „Die erfolgreiche Sanierung wäre nicht möglich gewesen, hätten die Mitarbeiter ihrem Unternehmen nicht die ganze Zeit die Treue gehalten. Dafür gebührt ihnen besonderer Dank.“
Orthopädie Forum GmbH in Kürze
Neben dem Hauptsitz in Erlangen betreibt die Orthopädie Forum GmbH insgesamt acht weitere Sanitätshäuser in Nürnberg, Zirndorf, Forchheim, Höchstadt, Ebermannstadt und Coburg. Am Standort Bayreuth ist der Geschäftsbetrieb unmittelbar in den Klinikbetrieb der Klinik Hohe Warte integriert.