GP: Ende 2020 eröffneten Sie in Kaufbeuren das Rehatechnik Zentrum Allgäu. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Ursula Langermeier: Von 1966 bis 2008 lag unsere Zentrale in der Fußgängerzone von Kaufbeuren. Die verwinkelten Räume und die schlechten Anfahrtsmöglichkeiten hatten uns bewogen neu am Stadtrand zu bauen und die Zentrale zu verlegen. Im Jahr 2018 erreichte unser „Neubau“ bereits wieder seine Kapazitätsgrenze. Deshalb entschlossen wir uns dazu, die Rehatechnik in eigene Räumlichkeiten auszugliedern.
GP: In der Werkstatt oder bei den Verwaltungsabläufen: Wie weit ist das Sanitätshaus Langermeier auf dem Weg in die Digitalisierung?
Langermeier: In der Orthopädieschuhtechnik arbeiten wir mit Fußscanner, Einlagenfräse und digitaler Innenschuhmessung. Auch die Kompressionsvermessung erfolgt bei uns auf Wunsch digital. Bei der Herstellung von Sitzschalen scannen wir und bearbeiten Negativabdrücke digital nach, bevor wir einen gefrästen Positivabdruck erstellen.
Die Verwaltung haben wir ebenfalls bereits in einem hohen Maße digitalisiert. Wir könnten noch die digitale Unterschrift optimieren. Allerdings fehlt hier noch die technische Umsetzung und die Akzeptanz durch die Kostenträger.
GP: Welche Bedeutung hat für Sie die Zusammenarbeit in Netzwerken?
Langermeier: Seit nunmehr 22 Jahren sind wir als „Frauen-Doppelpack“ in einer bisher männlichen Domäne unterwegs. Anfangs viel belächelt, bauten wir in der Region ein Unternehmen auf, auf das wir stolz sind. Meine Schwester und ich sind persönlich beide aber leider keine besonders guten Netzwerker. Umso dankbarer sind wir, dass die bestehenden Netzwerke auf vertrauensvoller Zusammenarbeit und Kommunikation basieren. Ich finde Netzwerke fundamental wichtig. Nur so kann die Versorgung für den Patienten optimiert und wie vom Gesetzgeber gefordert wirtschaftlich sinnvoll erfolgen.
GP: Abgelehnte Kostenvoranschläge, schleppende Genehmigungsprozesse, bürokratische Hürden: Wie hat sie die Zusammenarbeit mit den Kostenträgern in den vergangenen Jahren entwickelt?
Langermeier: Wir sehen die Krankenkassen als Teil unseres Netzwerkes zur Versorgung unserer Kunden. Natürlich ruckelt es hin und wieder an mancher Stelle. Im Großen und Ganzen sehe ich von Seiten vieler Krankenkassen ein sehr großes Bemühen gemeinsam mit uns eine gute Versorgung ihrer Versicherten zu erreichen. Durch die Digitalisierung (eKV) sind viele „Standard-Versorgungspfade“ heute viel schneller als noch vor fünf Jahren. Oft ist bereits nach wenigen Minuten die Genehmigung im Hause.
Als großes Problem sehe ich das politisch gewollte Vertrags-/Ausschreibungswirrwarr mit den Krankenkassen. Zur Jahrtausendwende hatten wir keine zehn Kassenverträge, mit denen wir täglich arbeiten mussten. Heutzutage sind es bestimmt insgesamt mindestens 400. Und was wir schon nicht so ganz verstehen können, sollen wir dann also unseren Patienten vermitteln?
Das komplette Interview finden Sie in der April-Ausgabe von GesundheitsProfi.