Die wirtschaftliche Lage von Sanitätshäusern und Homecare-Anbietern in Deutschland wird zunehmend kritisch eingeschätzt. Laut der in Berlin veröffentlichten Hilfsmittelstudie 2026 sehen 76 Prozent der befragten Betriebe ihre Existenz durch die aktuelle Vergütungsstruktur langfristig gefährdet. An der Untersuchung nahmen rund 1.000 Mitarbeitende aus der Branche teil.
Als zentrale Ursachen nennen die Befragten unter anderem steigenden Kostendruck, zunehmende Bürokratie sowie politische Rahmenbedingungen wie den geplanten Drei-Prozent-Abschlag auf bereits vereinbarte Vertragspreise. Gleichzeitig unterstreicht die Studie die systemrelevante Rolle der Branche: Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung von Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität – und tragen dazu bei, kostenintensive stationäre Behandlungen zu vermeiden.
„Die Hilfsmittelbranche ist weit mehr, als ihre Branchenbezeichnung vermittelt“, so Prof. Dr. Thomas Druyen, Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung. „Individuelle Hilfsmittelversorgung macht verlorene oder eingeschränkte Funktionen durch technische Lösungen wieder verfügbar: Mobilität, Stabilität, Greiffähigkeit, Pflegefähigkeit, Orientierung, Sicherheit und Selbstständigkeit. Wer diese Versorgung leistet, organisiert Alltag und gibt Menschen die Möglichkeit, trotz Krankheit, Alter, Behinderung, Einschränkung oder Pflegebedarf handlungsfähig zu bleiben.“
Zwischen wachsender Verantwortung und strukturellen Problemen
Die Bedeutung der Branche dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. 88 Prozent der Studienteilnehmer gehen davon aus, dass Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter künftig eine noch zentralere Rolle im Gesundheitssystem einnehmen werden – insbesondere vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung und der zunehmenden Ambulantisierung. Dennoch fühlen sich 93 Prozent politisch nicht ausreichend vertreten.
Parallel verschärfen strukturelle Probleme die Situation: 84 Prozent der Befragten erwarten eine Verschlechterung der Versorgung durch Kostendruck und Bürokratie. Bereits heute fließen mehr als 30 Prozent der Betriebszeit in administrative Aufgaben. Auch der Fachkräftemangel wird als kritischer Faktor gesehen – 81 Prozent befürchten negative Auswirkungen auf die zukünftige Patientenversorgung.
Große Erwartungen knüpft die Branche an die Digitalisierung. 77 Prozent rechnen mit tiefgreifenden Veränderungen, insbesondere durch effizientere Prozesse und eine bessere Vernetzung mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen. „Digitalisierung muss uns entlasten, damit wir uns wieder mehr auf den Menschen konzentrieren können“, heißt es von einem Studienteilnehmer.
Langfristig sehen die Autoren der Studie einen strukturellen Wandel hin zu einem neuen Versorgungsmodell. „Die entscheidende Entwicklung in der Hilfsmittelbranche wird jedoch keine technologische sein“, erklärt Druyen. „Die Zukunft der Hilfsmittelbranche und damit die Zukunft der Patientenversorgung wird das sein, was wir ‚Care-Navigation‘ nennen – ein neues Berufsbild, ein neues Versorgungsmodell.“
Ausführliche Berichte zur Hilfsmittelstudie 2026 werden Sie in den kommenden Ausgaben von GesundheitsProfi finden.