Direkt an der nordrhein-westfälisch-niedersächsischen Grenze gelegen, befindet sich der Ort Cammer, ein Stadtteil der Kleinstadt Bückeburg. Mit knapp 730 Einwohnern ist Cammer vielleicht nicht der Nabel der Welt, aber Füße, die versorgt werden wollen, gibt es dennoch.
Für Frank Grugel, Geschäftsführer des Sanitätshaus-Filialisten Medical Center Ostwestfalen, stand außer Frage, dass auch im ländlichen Bereich eine Versorgung stattfinden muss. Sie muss sich aber auch rechnen. Mit der Anfrage von Philipp Niemann, Geschäftsführer des vor Ort befindlichen Schuhhauses Niemann, eröffnete sich für ihn ein neuer Weg der Versorgung. „Im Schuhhaus Niemann befand sich bereits eine Werkstatt, die wir übernommen haben, nachdem der vorherige Meister ausgeschieden ist. Quasi als kleiner Satellit auf unserer Versorgungslandkarte“, erklärt Frank Grugel im Gespräch mit GesundheitsProfi. Philipp Niemann, Inhaber des Schuhhauses Niemann in fünfter Generation, ergänzt: „Wir profitieren vom gebotenen Leistungsangebot und dem engagierten Team der Werkstatt“.
Als Filialist auch an kleinen Orten
Das Medical Center Ostwestfalen unterhält an 22 verschiedenen Standorten in Ostwestfalen, im Lipper Land, im Kreis Paderborn, im Schaumburger Land, im Osnabrücker Land und im Landkreis Vechta Sanitätshäuser. Die Versorgungsspannweite umfasst alle Bereiche von Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Rehatechnik, Homecare und der Versorgung von Lympherkrankungen sowie Skoliose. Zudem legt der Sanitätshaus-Allrounder einen Fokus auf die spezialisierte Versorgung von Kindern.
Dem gegenüber steht das Schuhhaus Niemann, ein in fünfter Generation geführter Schuhhandel, bei dem Kundinnen und Kunden auf circa 2.000 Quadratmetern Schuhe, Textil und Accessoires für Erwachsene, aber auch Schuhe und Schulranzen für die Kinder entdecken können. Was beide eint: Der Gedanke, auch im ländlichen Raum Menschen auf die eine oder andere Art zu versorgen. „Für die Menschen in der Region ist es wichtig, etwas in der Nähe zu haben und nicht in die nächste große Stadt fahren zu müssen“, erklärt Frank Grugel.
Benefits für die Kunden: Mehr als nur Einlagen
Neben der orthopädieschuhtechnischen Versorgung hat die vom Medical Center Ostwestfalen übernommene Werkstatt weitere Benefits für die Kundinnen und Kunden, die über die medizinische Versorgung mit Maßschuhen oder Einlagen hinausgehen. „Durch die ländliche Lage in Bückeburg-Cammer gibt es einen spürbaren Bedarf an einer Orthopädieschuh-Werkstatt. Wir haben zusammengesessen und nach Synergien geschaut. Für die Kunden ist es ein Mehrwert, vor Ort auch mit Einlagen versorgt zu werden oder Schuhe und Taschen repariert zu bekommen“, so Grugel. So werden von der Werkstatt zum Beispiel auch Reißverschlüsse an Stiefeln oder Taschen repariert. Für Philipp Niemann spielte ein Aspekt eine besondere Rolle: „Für uns war es wichtig, dass Einlagen und kleinere Reparaturen vor Ort gemacht werden können“.
Zuverlässigkeit und gute Laune
Relevant für den Erfolg des Projekts ist in den Augen von Frank Grugel das motivierte Team, das die Werkstatt vor Ort betreibt. „Vor Ort sind immer drei Mitarbeiter von uns, der Meister oder ein Geselle und zwei weitere Personen. Dieses Team hat das Projekt seit Beginn begleitet und brennt dafür, dass es ein Erfolg bleibt. Wir sind sehr zufrieden, wie es läuft!“ Dabei ist es ihm wichtig, zu betonen, dass die Mitarbeitenden vor Ort das Projekt mit Leidenschaft betreiben. Von einer „Strafversetzung“ aufs platte Land kann keine Rede sein. Auch Philipp Niemann ist begeistert von dem Team, das direkt neben seinem Büro in die Werkstatt eingezogen ist. „Unsere Zusammenarbeit funktioniert top, es gab bisher keine Probleme. Man merkt, dass dort Menschen arbeiten, die Teil der Lösung sein wollen“, schwärmt der Schuhhändler. Frank Grugel ergänzt: „Philipp Niemann und mir war es sehr wichtig, dort Qualität anbieten zu können.“
Doch auch wenn die Werkstatt Umsätze generiert, könnte ein einzelner Meister davon nicht leben. „Die Filiale im Schuhhaus Niemann kann nur im Rahmen einer Kooperation funktionieren. Für einen einzelnen Meister wäre es vor Ort nicht wirtschaftlich, sich ohne Strukturen im Rücken und ohne Partner mit einer Werkstatt selbstständig zu machen“, erklärt Frank Grugel das Konzept. Für ihn ist die Werkstatt im Schuhhaus als eine Art Satellit zu verstehen, der Präsenz schafft und gleichzeitig den Kundinnen und Kunden lange Anfahrtswege erspart.
Moderne Technik in der Messkabine
Damit die Kundinnen und Kunden vor Ort optimal versorgt werden, setzt er auf moderne Messtechnik. Wer mit einem Rezept in die Werkstatt kommt, weil er Probleme mit den Füßen hat, der kann direkt vor Ort mithilfe der Druckmessplatte vermessen werden. So hat die Werkstatt den Fußabdruck direkt digital und kann damit weiterarbeiten. Orthopädische Schuhe können vor Ort zugerichtet werden, größere Projekte werden in die Zentrale nach Bad Oeynhausen gegeben. „Unsere orthopädische Werkstatt ist mitten ins Schuhgeschäft integriert, in unseren Anprobekabinen befindet sich modernste Messtechnologie. Unsere Mitarbeitenden arbeiten mit festen Terminen, aber es kann natürlich auch jederzeit jemand spontan vorbeikommen“, erklärt Grugel.
Gemeinsame Aktionen für die Kundenbindung
Durch die überregionale Strahlkraft der beiden Unternehmen ist der Kreis der Kunden nicht auf das direkte Umfeld beschränkt. Natürlich sei es der Anspruch, eine Versorgung für die Menschen vor Ort sicherzustellen, jedoch fänden auch interessierte Menschen von weiter weg den Weg zur Werkstatt. Dabei ist die Möglichkeit für Werbung bei einer OST-Werkstatt eingeschränkt. „Da wir für Kassenleistungen bekanntermaßen nicht werben dürfen, kommen die meisten Kunden zu uns, weil sie durch Mund-zu-Mund-Propaganda informiert wurden. Dabei haben wir aber auch viele Wiederholungstäter, die regelmäßig für ihre Versorgung vorbeikommen“, so Grugel.
Zwar arbeitet jedes Unternehmen für sich getrennt, jedoch veranstalten beide regelmäßig gemeinsame Aktionstage, um die „Synergien für die Zusammenarbeit“ abzuschöpfen. Frank Grugel erklärt: „Gemeinsam mit dem Schuhhaus veranstalten wir Aktionstage, zum Beispiel für Kinder. Die können dann bei uns in der Werkstatt ihre Schaumabdrücke mit Gips ausgießen und bunt anmalen, während die Eltern sich zum Thema Fußgesundheit und richtige Kinderschuhe informieren. Das Schuhhaus Niemann veranstaltet auch sogenannte ‚Ranzentage‘ oder Venenmesstage und wir bieten dazu kostenlose Fußdruckmessungen an.“
Weil das Projekt so erfolgreich ist, kann sich Frank Grugel gut vorstellen, dieses in Zukunft auszubauen: „Aktuell überlegen wir, die von uns genutzte Fläche zu erweitern, um zukünftig auch das klassische Sanitätshaussortiment dort anbieten zu können. Dann kriegen die Kunden dort nicht nur ihre Einlagen, sondern auch ihre Rollatoren oder Kompressionsstrümpfe.“ Auch Philipp Niemann ist von dem Projekt überzeugt: „Diese Kooperation gibt beiden Seiten die Freiheit, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren“.