Der Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbandes zeigt, dass im Jahr 2025 insgesamt 77,69 Prozent der Hilfsmittelversorgungen ohne Mehrkosten erfolgt sind. Gleichzeitig räumt der Bericht ein, dass sich aus den vorliegenden Abrechnungsdaten weder die Ursachen für Mehrkosten noch die Beweggründe der Versicherten ableiten lassen. Der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) sieht hierin eine zentrale Schwäche der Analyse und fordert eine breiter angelegte Untersuchung.
„Der Bericht zeigt, wo Mehrkosten entstehen. Warum sie entstehen, kann er nicht beantworten. Trotzdem richtet sich der Blick vor allem auf Versicherte und Leistungserbringer. Die Krankenkassen gestalten jedoch Verträge, Vergütungen und damit die Rahmenbedingungen der Regelversorgung. Wer diesen Einfluss ausblendet, betreibt keine Ursachenforschung“, erklärt BIV-OT-Präsident Alf Reuter.
Nach Einschätzung des Verbandes konzentrieren sich die Mehrkosten zudem stark auf wenige Bereiche: 96 Prozent aller Fälle entfallen auf nur acht von insgesamt 39 Produktgruppen. Eine pauschale Verschärfung von Nachweispflichten für Betriebe greife daher zu kurz. Stattdessen müsse differenziert untersucht werden, welche Faktoren – etwa Alltagstauglichkeit, Komfort oder individuelle Lebensumstände – eine Rolle spielen.
Drei-Prozent-Abschlag erhöht den Druck
Zusätzliche Brisanz erhält die Diskussion durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Die dem Bericht zugrunde liegenden Daten stammen aus dem Jahr 2025 und damit aus der Zeit vor dem geplanten Drei-Prozent-Abschlag auf Vertragspreise in der Hilfsmittelversorgung, der ab 2027 für zwei Jahre greifen soll.
„Die Politik kürzt die Vergütung der Regelversorgung, ohne ihre Qualität und Verfügbarkeit zuvor systematisch zu untersuchen. Es wäre widersprüchlich, anschließend allein Versicherte und Betriebe zu fragen, warum Mehrkosten entstehen“, warnt Reuter.
Der BIV-OT spricht sich daher für eine unabhängige Ursachenanalyse aus, die neben Versicherten und Leistungserbringern auch Vertragsgestaltung und Vergütungsstrukturen der Krankenkassen einbezieht. Ergänzend schlägt der Verband freiwillige, anonyme und wissenschaftlich begleitete Befragungen von Versicherten vor. Neue Dokumentationspflichten für Betriebe lehnt er hingegen ab, da sie vor allem Bürokratie erzeugten, ohne die bestehende Datenlücke zu schließen.