Die Hilfsmittelversorgung in Deutschland ist wirtschaftlich, patientenorientiert und kein Kostentreiber im Gesundheitswesen. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband Medizintechnologie auf Basis des aktuellen Mehrkostenberichts des GKV Spitzenverbandes. „Hilfsmittel ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe und mehr Lebensqualität. Gleichzeitig leisten sie einen zentralen Beitrag zur Ambulantisierung der Gesundheitsversorgung. Damit auch künftig eine starke Hilfsmittelversorgung gesichert werden kann, müssen die wohnortnahen Versorgungsstrukturen gestärkt und den Hilfsmittel-Leistungserbringern verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen geboten werden“, sagt BVMed Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc Pierre Möll.
Hilfsmittel tragen laut Verband wesentlich dazu bei, Patienten frühzeitig aus der stationären in die häusliche Versorgung zu überführen. Damit werde der Grundsatz ambulant vor stationär gestärkt und zugleich könnten höhere Kosten in Krankenhaus, Rehabilitation und Pflege vermieden werden. Eine hochwertige Versorgung umfasse dabei mehr als die reine Produktabgabe. Entscheidend seien Beratung, individuelle Anpassung, Einweisung sowie langfristige Begleitung durch Leistungserbringer.
Der Mehrkostenbericht zeigt zudem eine hohe Stabilität der Versorgung. Rund 78 Prozent aller Versorgungen erfolgten im Jahr 2025 ohne zusätzliche Kosten für Versicherte. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben für Hilfsmittel weniger stark als die gesamten Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Insgesamt entfallen weniger als vier Prozent der Ausgaben auf diesen Bereich bei rund 32 Millionen Versorgungen jährlich.
BVMed warnt vor zusätzlichen Sparmaßnahmen
Nach Einschätzung des Verbandes ist diese Stabilität keine Selbstverständlichkeit. Steigende Kosten für Personal, Material, Energie und Transport sowie höhere Anforderungen an Dokumentation und Qualitätssicherung würden vielfach nicht ausgeglichen. „Die Schere zwischen den tatsächlichen Kosten und den Vergütungen in der Hilfsmittelversorgung geht weiter auseinander“, so BVMed Expertin Juliane Pohl.
Kritisch bewertet der Verband auch geplante Maßnahmen zur Beitragssatzstabilisierung. Für die Jahre 2027 und 2028 ist ein pauschaler Abschlag von drei Prozent je Versorgung vorgesehen. Dieser betreffe sowohl Produkte als auch Dienstleistungen. Aus Sicht des BVMed gefährden solche Instrumente die Versorgungsqualität sowie wohnortnahe Strukturen.
„Die Hilfsmittel-Leistungserbringer sind Teil der Lösung für eine zukunftsfähige, wirtschaftliche und patient:innenorientierte Gesundheitsversorgung – nicht die Ursache der Kostenentwicklung. Sie sichern täglich die wohnortnahe Versorgung von Millionen Menschen und entlasten Krankenhäuser, Rehabilitation und Pflege.“ Der Verband fordert daher einen politischen Kurswechsel hin zu einer nachhaltigen Stärkung der ambulanten Versorgung und verlässlichen Rahmenbedingungen für Leistungserbringer.