logo

Offener Brief an das BMG

BIV-OT mahnt mehr Unterstützung an

BIV-OT mahnt mehr Unterstützung an BIV-OT-Präsident Alf Reuter (Foto: BIV-OT / Zumbansen)

Der BIV-OT wendet sich in einem offenen Brief an das Bundesministerium für Gesundheit. Er fordert Gleichbehandlung für Sanitätshäuser und orthopädie-technische Betriebe mit Ärzten, Kliniken und Physiotherapeuten.

Sanitätshäuser und orthopädietechnische Betriebe werden unter anderem mit den „immens gestiegenen Kosten unter anderem für persönliche Schutzausrüstung (PSA) alleine gelassen“, kritisiert der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) mit. Ärzte, Kliniken und Physiotherapeuten dagegen erhielten einen Ausgleich für die gestiegenen Versorgungskosten. Bislang habe die Politik laut BIV-OT zudem versäumt, die auf Bundes- und Länderebene umgesetzte Zugehörigkeit zu den systemrelevanten Berufsgruppen auch formal in der „Verordnung zur Bestimmung Kritischer Infrastrukturen nach dem BSI-Gesetz“ festzuschreiben und damit die Verfügbarkeit von medizinischem Personal in Pandemiezeiten abzusichern.

„Nach einem leergefegten Markt und anfänglichen Preissteigerungen von bis zu 800 Prozent sind die Preise im Zuge der COVID-19-Pandemie immer noch überdurchschnittlich hoch. Mittlerweile können wir entsprechend der Hygiene-Vorschriften sicher versorgen und tun dies auch, aber die Kostenerstattung dafür ist noch immer ungeregelt“, betont BIV-OT-Präsident Alf Reuter, der 14 Landesinnungen und über 2.500 Sanitätshäuser und orthopädie-technische Werkstätten mit insgesamt etwa 40.000 Beschäftigten vertritt.

Bereits bei der Beschaffung seien die Hilfsmittelleistungserbringer im Stich gelassen worden: Während die Bundesministerien den Ankauf und Import der Ausrüstung zentralisierten, wurden Sanitätshäuser von der Distribution ausgenommen und entsprechende Anforderungen abgelehnt. Reuter: „Es ist nicht einzusehen, dass inzwischen nahezu alle anderen Leistungserbringer wie Ärzte oder Physiotherapeuten einen Ausgleich erhalten, wir aber nicht. Unsere Kunden und Patienten kommen mit einer Verordnung des Arztes und benötigen eine konservativ-technische Versorgung. Der größte Teil der Patientinnen und Patienten ist von körperlichen Einschränkungen betroffen. Die technische Versorgung findet immer direkt am Körper oder körpernah statt. Krankenkassen und Gesetzgeber dürfen sich hier nicht aus der Verantwortung ziehen. Man findet keine Lösungen, wenn die besondere Versorgungssituation unter Corona für eine ganze Branche einfach ausgeblendet wird. Wir haben den Bundesgesundheitsminister bereits vor Wochen angeschrieben, bisher aber keine Antwort erhalten.“

In einem offenen Brief an das Bundesministerium für Gesundheit kritisiert der Verband zudem, dass Sanitätshäuser und orthopädietechnische Betriebe auch im Konjunkturpaket der Bundesregierung keine unbürokratische Unterstützung erfahren. „Im Gegenteil, um bei den Krankenkassen Geld zu sparen, werden den Betrieben die zusätzlichen bürokratischen Kosten durch die Mehrwertsteuersenkung aufgebürdet“, so Reuter. „Gegenwärtig bauen die Krankenkassen gar Bedrohungsszenarien auf, die Kosteneinsparungen zu Lasten der qualitätsgesicherten Versorgung für die nächsten Jahre andeuten.“ Damit fehle für die Zukunft die flächendeckende Sicherheit für die über 20 Millionen Versorgungen von Patientinnen und Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung mit Hilfsmitteln, die Orthopädie-Techniker jedes Jahr vornehmen.

„Hilfsmittelversorgung darf nicht beliebig werden“, unterstreicht der BIV-OT-Präsident. „Schon zu Beginn des Lockdowns war schnell klar, dass Sanitätshäuser im System der Gesundheitsversorgung unverzichtbar sind. In sämtlichen Landesverordnungen wurden sie daher von den Geschäftsschließungen ausgenommen.“

Weil eine solche explizite Klarstellung aber bis heute in der „Verordnung zur Bestimmung Kritischer Infrastrukturen nach dem BSI-Gesetz“ fehlt, wurde den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sanitätshäuser der Zugang zur Notkinderbetreuung verweigert. Jetzt sei die Politik gefragt, so Reuter – sowohl bei der Anerkennung der Hilfsmittelversorgung als systemrelevanter Bereich als auch bei der finanziellen Entlastung der Betriebe.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

  • BIV-OT: Sanitätshäuser werden Verluste nicht ausgleichen können
  • BIV-OT ordnet Geschäftsführung neu
  • Sporlastic als „Held in der Krise“ ausgezeichnet
Tobias Kurtz / 07.07.2020 - 12:16 Uhr

© Sternefeld Medien GmbH