Vier von fünf Fuß-Amputationen könnten bei Diabetikern verhindern werden. Das zeigen studienbasierte Schätzungen. Eine Voraussetzung dafür ist das entsprechende Risikobewusstsein. Doch daran mangelt es in der Praxis, zeigen die Ergebnisse des jüngsten Diabetes-Reports von Gehwol, der alle zwei Jahre erhoben wird.
Einem Drittel der Diabetiker ist demnach nicht klar, dass den Füßen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Kontrolluntersuchungen werden häufig nicht wahrgenommen, empfohlene Maßnahmen zur Identifikation von Risikopatienten finden nicht bei jeder Untersuchung statt. Eine podologische Versorgung generell bei Erstdiagnose des Diabetes könnte dazu beitragen, die Primär-Prävention zu verbessern. Das sagen 86% der Ärzte. Podologische Fußpflege wird meist nur empfohlen, wenn auch ein Rezeptanspruch besteht. Müssen Betroffene die Kosten hingegen selbst tragen, bleibt die Empfehlung häufig aus.
Rechtzeitige Prävention lückenhaft
Bei der Prävention sind die Betroffenen selbst sowie ihre Angehörigen gefragt: Sie sollten zum Beispiel der Fußgesundheit mit vorbeugenden Maßnahmen wie etwa dem richtigen Schuhwerk, der täglichen Inspektion der Füße und der intensiven Fußpflege aktiv werden. Risikobewusstsein und Verhalten der Patienten haben größten Einfluss, wenn es darum geht, Fußkomplikationen zu verhindern.
Doch beim Risikobewusstsein und dem Vorsorgeverhalten der Patienten hapert es beständig – und das, obwohl 23% der Betroffenen als Risikopatienten für ein DFS gelten. Risikofaktoren wie Neuropathie (30%), Mikroangiopathie (21%), Makroangiopathie (19%), Hauttrockenheit (52%), Hornhautschwielen (46%), Druckfehlbelastungen (40%), eingeschränkte Gelenkmobilität (26%) sowie Fuß- oder Nagelpilz (37%) sind weit verbreitet.
Über deren Gefahren wissen allerdings laut Schätzung der im Report befragten Ärzte viele Betroffene noch immer nicht Bescheid. 37% der Patienten ist nicht klar, dass sie auf ihre Füße achten müssen (zum Vergleich 2017: 38%; 2019: 33%). 39% der Betroffenen wissen nicht, was ein Ulkus ist und wie er entsteht (2017: 56%, 2019: 39%). Insgesamt sind weniger als die Hälfte der Diabetiker nach Einschätzung ihrer Ärzte gut informiert und wissen über die Risiken einer Fußläsion Bescheid. Angesichts dieser Daten verwundert es nicht, dass nur 21% der Ärzte ihren Patienten ein gutes Bewusstsein speziell für die Fußpflege attestieren. Von 14% gibt es die Note 5 (mangelhaft).
Eine ausführliche Zusammenfassung des Berichts lesen GP-Abonnenten in der kommenden Juni- Ausgabe von GesundheitsProfi.