Was bedeutet Additive Fertigung für Ihr Business?
Wir glauben, dass perspektivisch ein Großteil der individuellen Produkte in der Orthopädietechnik nur noch additiv gefertigt werden wird. Die additive Fertigung per se ist schon von Haus aus wie gemacht für unsere Branche, in der wir quasi ja immer in der Losgröße 1 produzieren. Die Vorteile der verschiedenen marktüblichen Verfahren liegen auf der Hand, nicht nur für den Kunden, sondern auch für die Betriebe selbst. Wertvolle Arbeitszeit in der Fertigung kann so, insbesondere in Zeiten des “Fachkräftemangels”, anderweitig produktiver genutzt werden. Ein zunächst rein digital-generiertes Modell kann bereits vorab technisch auf seine Belastbarkeit, Haltbarkeit und Sicherheit hin (mehr oder weniger automatisiert) überprüft und optimiert werden. Die Passgenauigkeit kann aufgrund wegfallender, manueller Vor- und Zwischenprozesse bestmöglich maximiert werden. Wir selbst stecken daher sehr viel Gehirnschmalz in die optimierte und möglichst automatisierte Erstellung von digitalen Modellen, die dann in Folge additiv gefertigt werden können. Wir sehen hierin definitiv die Zukunft.
Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Additiven Fertigung?
Die bekannten Nachteile, bzw. “Herausforderungen”, die alle gängigen Verfahren und Werkstoffe derzeit haben, werden unserer Ansicht nach auf kurz oder lang komplett verschwinden. Der technische Fortschritt spielt uns hier in die Karten. Die größte Herausforderung liegt für mich daher in der perspektivischen Erstattungssituation mit den Kostenträgern. Aktuelle Kalkulationen bauen nach wie vor auf handwerklichen Fertigungsweisen auf. Das passt auch für den Moment. Wenn wir aber 5-10 Jahre weiterschauen, sieht die Welt schon anders aus. Deshalb heißt es hier, frühzeitig Lösungen entwickeln, die für alle Beteiligten funktionieren. Klar ist ein reiner 3D-Druck im Materialeinsatz vermeintlich günstiger als bei einer klassischen Fertigung. Der Weg zum digitalen Modell ist jedoch vermeintlich zunächst teurer, da hier zum Teil Ingenieurswissen, (teure) Softwarelösungen oder Lizenzen und das dazugehörige technische Equipment benötigt werden, um überhaupt erstmal starten zu können. Eine Betrachtung rein nach Arbeitszeit und Material hinkt da meines Erachtens schnell hinterher. Dieser Herausforderung müssen wir uns daher gemeinschaftlich im Gesundheitshandwerk stellen.