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13,5 Mio. Versicherte erreichbar

Elektronische Gesundheitsakte Vivy startet

Start frei für die digitale elektronische Gesundheitsakte Vivy: 14 gesetzliche und zwei private Krankenversicherungen stellen ihren Versicherten die App ab sofort kostenfrei zur Verfügung.

Mehr als zwei Drittel der Deutschen (69 Prozent) wissen nicht, wann ihr nächster Impftermin ist. 43 Prozent kennen die für sie empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen nicht. Jeder vierte Befragte hat bereits Mehrfachuntersuchungen erlebt, weil Behandlungsergebnisse aus anderen Praxen und Kliniken nicht vorlagen. Aus demselben Grund wurde ein Fünftel der Deutschen sogar mehrfach geröntgt. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die zeigt, dass ein einfacher und schneller Zugang zu persönlichen Gesundheitsdaten fehlt.

Die elektronische Gesundheitsakte in Form der App Vivy will genau das liefern: Mit ihr kann der Patient seine persönlichen Gesundheitsdaten speichern, verwalten und bei Bedarf mit Leistungserbringern wie Ärzten teilen. An den Start gehen als private Krankenversicherungen die Allianz Private Krankenversicherung und die Barmenia. Auf Seiten der gesetzlichen Kassen sind die DAK-Gesundheit, die Innungskrankenkassen IKK classic, IKK Nord, IKK Südwest sowie die Betriebskrankenkassen Bertelsmann, Diakonie, Dürkopp Adler, Gildemeister, Heimat, HMR (Herford, Minden, Ravensberg), Melitta Plus, mhplus, Pronova undStadt Augsburg mit im Boot. Damit können rund 13,5 Millionen Versicherte ihre persönlichen Gesundheitsdaten in der App verwalten. Der IT-Dienstleister Bitmarck will weitere Krankenkassen dabei unterstützen, die App ihren Versicherten ebenfalls kostenfrei anzubieten. Potenziell können davon bis zu 25 Millionen Versicherte profitieren.

Für den Nutzen von Vivy spricht laut einer Mitteilung der Initiatoren die Forsa-Umfrage. Danach nehmen mehr als die Hälfte der Deutschen (56 Prozent) regelmäßig Medikamente. Aus dieser Gruppe wissen rund 50 Prozent nicht oder nur unzureichend über die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten Bescheid. Vivy zeigt solche Wechselwirkungen an – nahezu alle Befragten (92 Prozent) stufen diese Funktion als „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“ ein. Zudem erinnert die App an Impftermine und Vorsorgeuntersuchungen. Darüber hinaus können Nutzer Gesundheitsdaten wie Befunde, Laborwerte und Röntgenbilder in ihrer Vivy-App speichern und mit dem behandelnden Arzt teilen. Durch die verbesserte Transparenz in Bezug auf Gesundheitsinformationen können auch Mehrfachuntersuchungen vermieden werden. Immerhin geht ein Drittel der Deutschen (34 Prozent) zwischen drei und zehn Mal im Jahr zum Facharzt. Noch mehr Bürger (44 Prozent) gehen ebenso oft zum Hausarzt.

Das Interesse an einer elektronischen Gesundheitsakte bei den Deutschen ist da: Mehr als ein Drittel (38 Prozent) gab in der Umfrage an, eine elektronische Gesundheitsakte in Form einer App auf dem Smartphone auf jeden Fall nutzen zu wollen, ein weiteres Drittel (36 Prozent) kann sich das vorstellen. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen wünschen sich sogar 43 Prozent so eine Lösung, weitere 38 Prozent sind dafür offen. Die wichtigsten Funktionen einer Gesundheits-App sind laut Befragung die Dokumentation der Medikamente mit Wechselwirkungen (92 Prozent “sehr wichtig” oder “wichtig”), Zugriff auf ärztliche Befunde (91 Prozent), Hinweise auf Vorsorgeuntersuchungen (89 Prozent), Erinnerungen an Arzttermine (82 Prozent) und der Zugriff auf Patientenquittungen (66 Prozent).

Elektronische Gesundheitsakte Vivy erlaubt Kontrolle

Die Daten der Nutzer sind laut Anbieter bei Vivy sicher und nur die Nutzer entscheiden über deren Verwendung. Weder die anbietenden Kassen und Versicherungen, noch Vivy bzw. Bitmarck haben Zugriff auf die Daten. Bei Bedarf kann der Nutzer Informationen aus der App teilen – beispielsweise mit seinem behandelnden Arzt. Bei jeder Datenübertragung setzt Vivy auf mehrstufige Sicherheitsprozesse und eine asymmetrische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, für die nur der Versicherte selbst den Schlüssel hat. Vivy wurde von unabhängigen Unternehmen wie ePrivacy und dem TÜV Rheinland getestet und als sichere Plattform zertifiziert. Zudem wurde Vivy vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als Medizinprodukt zugelassen.

Ab Anfang 2019 nutzt Vivy zudem die Schnittstelle KV-Connect Mobile für den verschlüsselten Datenaustausch mit Ärzten in Praxen, Krankenhäusern und Laboren. KV-Connect ist der Kommunikationsdienst, der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), der in allen Praxisverwaltungssystemen, vielen Krankenhausverwaltungssystemen und Laborinformationssystemen zur Verfügung steht.

Ebenfalls ab Anfang 2019 wird der zweitgrößte deutsche Praxissoftware-Anbieter Medatixx eine Schnittstelle zu Vivy in seine Software für Ärzte integriert haben. 22.300 Praxen können dann zukünftig direkt aus ihrer Software heraus Gesundheitsdaten verschlüsselt an ihre Patienten mit Vivy-Akte senden. Jens Naumann, Geschäftsführer von Medatixx, sagt: „Unsere Kooperation mit Vivy ist Wegbereiter für tiefgreifende Veränderungen in der ambulanten Versorgung: Schon heute sind viele Ärzte bereit, ihren Patienten Gesundheitsdaten bereitzustellen und verständlich zu erklären. Derzeit passiert das noch mündlich oder auf Papier – morgen dann per Knopfdruck sicher und schnell aus der Praxissoftware in die Gesundheitsakte der Patienten. Damit erlangen Patienten echte Hoheit über ihre Gesundheitsdaten und die Möglichkeit der aktiven Teilhabe an ihrer Gesundheitsversorgung. Es entsteht eine noch nie dagewesene Transparenz, die durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens überhaupt erst ermöglicht wird.“

Tobias Kurtz / 18.09.2018 - 15:55 Uhr

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