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Deutschland hinkt hinterher

Fachverbände drängen auf Nationale Diabetes-Strategie

Fachverbände drängen auf Nationale Diabetes-Strategie Diskutierten über die Nationale Diabetes-Strategie (v.l.): Dr. Gottlobe Fabisch (VDBD), Jens Kröger (diabetesDE), Professor Dr. med. Monika Kellerer (DDG), Moderatorin Anne-Katrin Döbler, MdB Sabine Dittmar und die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (Foto: DDG)

Taten statt Worte: Die Diabetes-Fachgesellschaften fordern von der Politik eine Nationale Diabetes-Strategie.

CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2018 eine Nationale Diabetes-Strategie beschlossen, um gezielt gegen die Volkskrankheit vorzugehen. Doch bisher gibt es keine Fortschritte in der politischen Umsetzung. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hinterher: In 80 Prozent von 46 untersuchten Ländern der OECD und der EU hat die Diabetes-Berichterstattung einen hohen Stellenwert. Mehr als drei Viertel dieser Länder haben bereits eine nationale Diabetes-Strategie oder einen Aktionsplan zu Diabetes mellitus. Eine aktuelle Umfrage unter Menschen mit Typ-2-Diabetes hierzulande zeigt zudem: 86 Prozent der Befragten fühlen sich nicht angemessen in der Politik vertreten. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) diskutieren mit Sabine Dittmar, MdB sowie Cornelia Prüfer-Storcks im Rahmen einer Pressekonferenz über den Handlungsbedarf.In den kommenden 20 Jahren wird die Zahl der Diabeteserkrankten nach Expertenschätzungen auf bis zu 12 Millionen ansteigen. Die DDG, diabetesDE und der VDBD hatten im Frühjahr dieses Jahres ein Positionspapier vorgelegt, um Politikern auf Bundes- und Landesebene Orientierung bei der Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie zu bieten. „Wir haben die Kernpunkte eines nationalen Rahmenplans definiert. Diese müssen jetzt dringend durch die Politik umgesetzt werden, damit den zunehmenden Erkrankungszahlen wirksam entgegengesteuert werden kann“, sagt Professor Dr. med. Monika Kellerer, Präsidentin der DDG.

Dass die Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie dränge, zeige auch eine aktuelle Umfrage von diabetesDE unter mehr als 1.500 Menschen mit Diabetes Typ 2, wie Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE, erklärt: „86 Prozent der Befragten fühlen sich nicht angemessen in der Politik vertreten und 89 Prozent halten die Öffentlichkeit für nicht gut informiert zum Thema Diabetes.“
Zudem berichteten 44 Prozent, dass sie keine Schulung nach ihrer Erstdiagnose erhalten haben. „Letzteres zeigt, dass zur Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie auch die Aufwertung von Gesundheitsfachberufen wie der Diabetesberaterin gehört“, betont Dr. Gottlobe Fabisch, Geschäftsführerin des VDBD.

Diabetes kommt im Medizinstudium zu kurz

Mit der steigenden Zahl an Diabeteserkrankungen wird auch der Bedarf an ärztlichem Fachpersonal, das Diabetespatienten betreut, wachsen. Eine Umfrage der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zeigt jedoch, dass diabetesbezogene Inhalte im Medizinstudium häufig zu kurz kommen. Darüber hinaus gibt aus Sicht der Fachgesellschaft „nur“ acht klinische Lehrstühle für Diabetologie mit Direktionsrecht an 36 staatlichen medizinischen Fakultäten. Aufgrund dieser Tendenzen sieht die DDG die Versorgung der Patienten gefährdet und fordert eine Nationale Diabetes-Strategie, die auch die Ausbildung des diabetologischen Nachwuchses fördert.

Insgesamt 202 Studierende, Studierende im Praktischen Jahr sowie Lehrbeauftragte beteiligten sich an der Umfrage zur Verankerung von diabetologischen Themen im Medizinstudium. Zentrales Ergebnis: Nur die Hälfte der Befragten erachtete das aktuelle Lehrangebot in Bezug auf Themen der Diabetologie als ausreichend. Auch gab lediglich die Hälfte der Befragten an, sich in Behandlungsentscheidungen bei Diabetes sicher zu fühlen.

Die Antworten machten deutlich, dass Diabetes vor allem in der Vorlesung für Innere Medizin abgehandelt und nicht als Querschnittsfach gelehrt wird, das auch Kenntnisse etwa der Augenheilkunde, Neurologie und Gefäßchirurgie erfordert. Über Möglichkeiten zu praktischen Erfahrungen durch Hospitation, Famulatur oder Praktika waren 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer nicht informiert. „Diese Ergebnisse lassen uns als Fachgesellschaft aufhorchen“, so Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG. „Sie signalisieren, dass die Erkrankung Diabetes nicht ausreichend im Studium thematisiert wird und Medizinstudierende weiteren Ausbildungsbedarf mit Blick auf die Behandlung vorweisen.“

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Tobias Kurtz / 13.09.2019 - 09:29 Uhr

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