Die Orthopädieschuhtechnik steht vor einem Wandel. Was früher hauptsächlich in kleinen Werkstätten stattfand, wird heute zunehmend digitalisiert und professionalisiert. Ein Beispiel für diese Entwicklung liefert die Schuh-Haaser GmbH in Bautzen, die kürzlich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen zu einer Unternehmensführung einlud. Das Unternehmen in der Dresdener Straße hat seine Räumlichkeiten modernisiert und arbeitet mit zeitgemäßer Technik. „Im Rahmen des Pressetermins wollten wir den Anwesenden einen einmaligen Einblick hinter die Kulissen von Schuh-Haaser gewähren. Dabei war es uns wichtig, unsere Unternehmenskultur zu präsentieren und sichtbar zu machen, dass Orthopädieschuhtechnik auch bestens ins Jahr 2025 passt. Wir sind digital, arbeiten mit modernen technischen Mitteln und in hellen, weitläufigen Räumlichkeiten”, erklärt Geschäftsführer Clemens Haaser.
Kostenlose Fußanalyse als Alleinstellungsmerkmal
Kern des Geschäftsmodells ist eine kostenlose Fußanalyse, die nach Unternehmensangaben deutschlandweit einmalig ist. Kunden können ihre Füße untersuchen lassen, bevor sie einen Arzt aufsuchen. „Mit Pead Software haben wir maßgeschneiderte Lösungen für unsere Prozesse gestaltet. Und dabei selbst so viel gebastelt, dass wir manchmal vom Anbieter gefragt werden, ob wir ihm unsere Kniffe zeigen können.“ Ergänzend bietet das Unternehmen eine 3D-Beinanalyse an. Geplant ist zudem eine Lauf- und Ganganalyse, die durch künstliche Intelligenz unterstützt werden soll. Diese Verfahren sollen sowohl die Diagnostik verbessern als auch Ärzte und Krankenkassen entlasten. Trotzdem sieht Clemens Haaser das Thema Künstliche Intelligenz nicht nur positiv: „Den Einsatz von KI in der Versorgung sehe ich kritisch. Da braucht es einfach noch den Kontakt zum Fachberater, damit es am Ende auch stimmt. Künstliche Intelligenz sollte nicht ersetzen, sondern entlasten.“ Denn bei jeder Versorgung stünde für ihn an erster Stelle die Frage, wie Technik gut eingesetzt werden könne, damit am Ende trotzdem eine passgenaue Versorgung gewährleistet werden kann. „Eine Frage steht bei uns im Mittelpunkt unseres Schaffens: Ist der Kunde happy?“, schließt Haaser die Überlegungen, wie Versorgung durch Technik optimiert werden kann.
Handwerkskammer sieht Vorbildcharakter
Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, bewertet die Entwicklung positiv: „Das ostsächsische Handwerk ist ein bedeutender Arbeitgeber und Innovationstreiber. Durch den gezielten Einsatz moderner Technologien entstehen hier marktfähige Lösungen, die handwerkliche Präzision mit digitalem Fortschritt verbinden. So wird deutlich, Zukunft entsteht dort, wo Tradition und Technologie Hand in Hand gehen.”
Auch aus der Landespolitik kommt Zustimmung. Marko Schiemann, Mitglied des Sächsischen Landtages (CDU), sieht in dem Konzept ein gelungenes Beispiel für Modernisierung: „Auch im traditionellen Handwerk gilt, nur wer sich weiterentwickelt, wird dauerhaft erfolgreich sein. Daher freue ich mich mit Herrn Haaser und seinen Mitarbeitern über die Eröffnung seines zeitgemäßen Orthopädieschuhtechnik-Zentrums in Bautzen.”
Digitale Prozesse entlasten Krankenkassen
Die Digitalisierung kommt auch den Kostenträgern zugute. Monika Welfens, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Sachsen, erläutert die Vorteile: „Als Barmer setzen wir auf gute Zusammenarbeit und moderne, digitale Hilfsmittelversorgung. Daher bieten wir für Unternehmen und unsere Versicherten verschiedene Services an, die eine Versorgung schneller, einfacher und patientennäher gestalten – beginnend von einer digitalen Übermittlung des Kostenvoranschlags, beispielsweise für einen orthopädischen Schuh, bis hin zu digitalen Genehmigungen und Abrechnungen.” Versicherte können sich über die App der Krankenkasse per Push-Nachricht über Bearbeitungsstände informieren lassen. Welfens sieht in der Optimierung der Versorgungsabläufe auch einen Ansatz gegen den Fachkräftemangel im orthopädischen Schuhhandwerk.
8.000 Kunden aus ganz Sachsen
Das Konzept scheint aufzugehen: Mittlerweile betreut Schuh-Haaser nach eigenen Angaben über 8.000 Kunden aus ganz Sachsen. „Als Dienstleister lassen wir unseren Kunden jederzeit die freie Wahl, ob sie nach dem Arztbesuch wieder bei uns vorstellig werden”, so Haaser abschließend. Das Bautzener Unternehmen zeigt, wie sich traditionelle Handwerksbetriebe durch gezielte Digitalisierung und Serviceorientierung neu positionieren können. Die Kunden jedenfalls überzeugt die Kombination aus Service, Schuhhandel und Orthopädieschuhtechnik.