Nach der Knie-OP mehrmals die Woche auf Krücken zur Physiotherapie fahren, zu Hause dann am Ball bleiben und die Übungen selbstständig fortführen: Das fällt vielen schwer. Mare Aktiv in Kronshagen und die Techniker Krankenkasse (TK) bieten daher ein virtuelle Physiotherapie an.
Die digitale Plattform für Physiotherapie ermöglicht es Patientinnen und Patienten, ihre Übungen zu Hause durchzuführen. Dabei werden sie von ihrer Physiotherapeutin oder ihrem Physiotherapeuten begleitet – online und in der Praxis vor Ort, teilt die TK mit. Zusätzlich wird die Dauer des Trainings im Rahmen des Pilotprojekts verlängert, um so langfristig bessere Erfolge zu erzielen. Mit dem Versorgungsangebot bei Sportverletzungen wollen die Kooperationspartner neue Maßstäbe in der Physiotherapie setzen. „Mit Virtual Training wollen wir den Menschen im Norden nicht nur eine sinnvolle digitale Lösung an die Hand geben, sondern ihnen dabei helfen, schnellstmöglich wieder volle Bewegungsfähigkeit zu erreichen”, betont Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung in Kiel.
Über den gesamten Therapiezeitraum bleiben Patienten und Physiotherapeuten mittels Videotelefonie und Nachrichtenfunktion in Kontakt. Es finden weiterhin persönliche Termine statt – allerdings in größeren Abständen als es bei der bisherigen Therapie der Fall ist. Die Zeit zwischen den Terminen füllen die Patientinnen und Patienten mit ihren Übungen zu Hause. So wird die Dauer der klassischen Physiotherapie verlängert. Kam eine Patientin oder ein Patient bisher über einen Zeitraum von sieben Wochen drei bis fünf Mal die Woche zum Training in die Praxis, verlängert sich die Behandlung bei „Virtual Training“ auf 14 Wochen bis zu sechs Monate. Die Gesamtanzahl der Präsenztermine bleibt bestehen.
In der App können die Patientinnen und Patienten direktes Feedback geben und eintragen, dass eine bestimmte Übung Schmerzen verursacht hat. Die Therapeutinnen und Therapeuten werden zudem automatisch informiert, wenn der Trainingsplan nicht eingehalten wird oder eine Nachricht hinterlegt ist. Das sei für Tim Höper, Geschäftsführer vom Mare Aktiv, ganz entscheidend. „Es gibt viele Möglichkeiten, digital zu Hause zu trainieren – ob Online-Videos oder Fitness-Apps. Doch man wird damit alleine gelassen. Keiner kontrolliert, ob du vielleicht zu exzessiv trainierst, zu wenig machst und die Übungen korrekt ausführst. Das ist hier ganz anders. Uns geht es darum, den Patientinnen und Patienten ein sinnvolles Add-On an die Hand zu geben und sie zu motivieren, aktiver an ihrem eigenen Behandlungserfolg mitzuwirken. Auch die Kontrolle ist hier eine Stütze.“
Erste Patientinnen und Patienten haben die virtuelle Physiotherapie bereits getestet. Nach der OP im Mare-Klinikum haben sie ihren individuellen Trainingsplan aus dem Repertoire von knapp 1.000 Übungen erhalten.
Virtuelle Physiotherapie: Zusammenarbeit mit Dänemark
Die Plattform für die virtuelle Physiotherapie wurde von der dänischen Firma Wellfaster bereitgestellt. Das Unternehmen aus Esbjerg hat sich nach eigenen Angaben auf die Entwicklung digitaler Trainingsangebote spezialisiert. In Skandinavien ist die virtuelle Physiotherapie schon seit einigen Jahren möglich. Rund 300.000 Trainingspläne wurden in Skandinavien über die Plattform erstellt. Das schleswig-holsteinische Projekt erweitert das skandinavische Modell darum, dass die Patientinnen und Patienten neben dem digitalen Training auch weiterhin in die Praxis kommen und auch über den normalen Behandlungszeitraum hinaus ihren Trainingsplan zu Hause absolvieren.