Rüddel skizzierte die gesundheitspolitische Agenda der Union nach der Bundestagswahl und sprach sich für ein deutliches Mehr an Digitalisierung und auch Unabhängigkeit in Forschung, Entwicklung und Herstellung aus, um den Anschluss an die USA sowie China nicht zu verlieren, heißt es in einer Mitteilung des BVMed. Insgesamt bräuchte es hier eine mutigere Politik und in puncto EU-Medical-Device-Regulation ein klares Bekenntnis zu den Herstellern am Standort Deutschland.
Die MedTech-Branche sei für die Gesundheitsversorgung besonders wichtig, das habe man gerade in der Corona-Pandemie gesehen. Auch in den derzeitigen Hochwasserregionen unterstützt die Branche. „Bei aller Tragik hat man das Gefühl, dass die Gesellschaft bei ,Not am Mann‘ zusammenhält“, so der CDU-Politiker. Deutschland sei im Vergleich zu anderen Ländern relativ gut durch die Pandemie gekommen, auch wenn man einige Dinge weniger bürokratisch hätte gestalten können. Der Impfprozess schreite gut voran. Statt den Inzidenzen müsse man nun die Belastungen in den Krankenhäusern als neuen Maßstab setzen.
Auch die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung bekam laut Rüddel durch die Pandemie einen Schub. Nun müsse an der Interoperabilität der Systeme gearbeitet werden, damit der Daten-Austausch zukünftig einfacher, aber auch intensiver werde. Nach der Wahl müssten als allererstes eine Krankenhausreform, eine Reform der Notfallversorgung, die weitere Digitalisierung von Gesundheit und Pflege, aber auch die Finanzierung des Gesundheitssystems angegangen werden. Rüddel sprach sich in diesen Punkten für „wesentlich mehr Anstrengungen in Hinblick auf die Digitalisierung, nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in der ambulanten Versorgung“ aus.
Die Medizinprodukte-Produktion „müssen wir wieder mehr nach Europa holen oder an Europa binden und uns nicht weiter von China abhängig machen“. In punkto Forschung, Entwicklung und Produktion in Europa mahnte Rüddel: „Wir müssen eigene Schwerpunkte setzen, sonst werden wir von China oder den USA überholt.“ Mit zunehmender und hilfreicher Digitalisierung müsse der Datenschutz in der Medizin auf seine praktische Funktionalität hin überprüft werden – „zugunsten des Gesundheitsschutzes und zur Rettung von Menschenleben“, so Rüddel.
Ein weiteres derzeitiges Problem sind laut BVMed-Vorstandsmitglied Ben Bake explodierende Lieferkosten im Hilfsmittelbereich und gleichzeitig feste Kostenvereinbarungen mit den Kassen. Rüddel sprach sich für praxistaugliche Lösungen bei unvorhergesehenen Veränderungen aus. Er erklärte, dass die Parteien die zukünftige Gesundheitsversorgung recht pragmatisch sehen würden. Dies bedeute „insgesamt genügend Geld für Innovationen und dennoch mit den vorhandenen Mitteln auszukommen – ab- und ausgewogen“.