Am 21. April 2026 diskutierten Expertinnen und Experten aus Prothetik und Gesundheitsökonomie im Rahmen eines Online-Symposiums über funktionelle sowie ökonomische Aspekte mikroprozessorgesteuerter Knieprothesen. Unter der Moderation von Prof. Dr. Bernhard Greitemann wurden sowohl etablierte Studienergebnisse als auch offene Fragestellungen beleuchtet.
Ein zentrales Thema war die klinische Evidenz: MPKs verbessern nachweislich das Gangbild und reduzieren die Sturzhäufigkeit. Gleichzeitig rückte die Diskussion stärker auf sozioökonomische Effekte in den Fokus. Das Symposium bot hierzu aktuelle Einblicke in die gesundheitsökonomische Bewertung sowie die Auswirkungen auf Versorgungssysteme.
Prof. Malte Bellmann (Ottobock) betonte die Bedeutung biomechanischer Sicherheit und verwies darauf, dass die Funktionalität von Prothesen stets im Zusammenspiel zwischen individuellen Nutzerfaktoren und technischen Eigenschaften zu bewerten sei. Auf Basis klinischer und wissenschaftlicher Erkenntnisse stellte er fest, dass MPKs ein hohes Sicherheitsniveau unabhängig vom Mobilitätsgrad der Anwender bieten können.
Kosteneffektivität in verschiedenen Gesundheitssystemen
Prof. Dr. Alexander Kuhlmann (Universität Lübeck) präsentierte Ergebnisse einer vergleichenden Modellstudie für Deutschland, die Niederlande und Schweden. Im Fokus standen Einflussfaktoren wie Studiendauer, Preisniveau und gesundheitsbezogene Lebensqualität auf die Kosteneffektivität von MPKs gegenüber nicht mikroprozessorgesteuerten Systemen. Unter der Annahme eines nachhaltigen Nutzens können MPKs wie C-Leg oder Kenevo demnach unterhalb eines Schwellenwerts von 50.000 Euro pro gewonnenem qualitätsbereinigten Lebensjahr als kosteneffektiv gelten.
Ergänzend stellte Steven E. Heath (Dobson DaVanzo & Associates, USA) eine Analyse zur Versorgung von Medicare-Versicherten mit eingeschränkter Mobilität (K2-Niveau) vor. Die Ergebnisse zeigen, dass MPKs nicht nur klinische Vorteile bieten, sondern auch ökonomische Effekte erzielen können. So amortisieren sich Mehrkosten innerhalb von 19 Monaten, während gleichzeitig die Zahl sturzbedingter medizinischer Leistungen um 18,5 Prozent sinkt. Über einen Zeitraum von zehn Jahren könnten sich daraus Einsparungen von rund 410,3 Millionen US-Dollar ergeben.
In der Gesamtschau unterstrich das Symposium die Bedeutung von MPKs sowohl aus klinischer als auch aus gesundheitsökonomischer Perspektive. Neben Verbesserungen bei Mobilität, Sicherheit und Lebensqualität sprechen die vorliegenden Daten auch für eine stärkere Berücksichtigung in Erstattungsentscheidungen.