GesundheitsProfi: Optimieren Sie auch in der Produktion Ihre Prozesse?
Thomas Mitzenheim: Das findet jetzt gerade statt. Wir mussten erst schauen, welche Lösungen es für die einzelnen Schwerpunkte inzwischen gibt. Ein großer Hersteller hat beispielsweise ein interessantes neues System entwickelt, um Arbeitsprozesse zu verschlanken. Und dann gestalten wir natürlich auch Elemente wie Laufstrecken für Prothesenträger neu. Komplett neu eingerichtet werden außerdem die Bereiche Sonderbau und Rumpforthetik. Das ist insgesamt ein Prozess, der sich vermutlich bis Ende 2024 hinziehen wird.
GesundheitsProfi: Werden die Mitarbeitenden in die Planungen miteinbezogen?
Thomas Mitzenheim: Das ist das A und O. Alle Teams, die in die neuen Räumlichkeiten gezogen sind, haben bei praktischen Entscheidungen, wie der Verteilung von Stauraum, mitentscheiden dürfen. Wir haben alle Büros mit höhenverstellbaren Schreibtischen ausgestattet. Ein weiterer Schritt, um die betriebliche Gesundheitsvorsorge zu fördern. Es wäre ja eine Katastrophe gewesen, wenn die Kollegen hier einziehen und als erstes sagen: „Das gefällt mir aber nicht“. Auch in der Werkstatt sind wir natürlich darauf angewiesen, dass unsere Meister und Gesellen, die sich in ihrem Fachbereich auskennen und sich über Neuerungen informieren, sagen, was sie benötigen. Das kann ich als Geschäftsführer nicht im Detail wissen, dafür brauche ich die Expertise meiner Mitarbeiter.
Thomas Hänel-Schwarz: Unsere Mitarbeiter hatten ein Jahr lang sehr schwierige Arbeitsbedingungen während des Umbaus. Sie mussten Lärm, Dreck, eingeschränkte Arbeitsbereiche und fehlende Parkplätze erdulden, sowohl die Mitarbeiter im Verkauf als auch in den Werkstätten und der Verwaltung. Sie haben das fast ohne Klagen ertragen und freuen sich jetzt umso mehr über die neuen, größeren und modernen Räumlichkeiten. Wir wollten mit dem Umbau nach anstrengenden Jahren, verursacht durch die Coronapandemie, die geopolitischen Verwerfungen weltweit und teilweise wirtschaftlich schwer nachvollziehbaren innerpolitischen Entscheidungen in den letzten zwei Jahren, ein positives Zeichen setzen und ihnen zeigen, dass wir an die Zukunft unseres Unternehmens glauben.
GesundheitsProfi: Mit welchem Ladenbauer haben Sie zusammengearbeitet?
Thomas Mitzenheim: Wir sind in der Branche durchaus vernetzt und wissen, was es für Angebote gibt. Für uns war wichtig, dass auf den über 700 qm Ladenfläche ein Konzept verwirklicht wird. Dabei muss man an viel denken, und uns war schnell klar, dass wir das nicht alleine schaffen werden. Zudem wollten wir wirklich über den Tellerrand hinausschauen. Denn wenn man Menschen fragt, was sie mit dem Begriff Sanitätshaus verbinden, kommen häufig Begriffe wie „alt“, „krank“ und „verstaubt“ zur Sprache. Genau das wollen wir natürlich nicht sein. Also haben wir uns außerhalb der Branche umgesehen und sind auf den Ladenbauer Konrad Knoblauch aus Markdorf am Bodensee gestoßen. Die machen viel im Bereich Mode, bei Adidas oder Marc O’Polo. Und das war es, was wir für unseren Laden wollten. Mit vielen Gesprächen, vor Ort und digital, haben wir dann gemeinsam ein Konzept geschaffen, das unsere Schwäche, nämlich die Warenpräsentation, ausgleicht und unsere Stärke, die Versorgung von Patienten, hervorhebt. So ist ein in unseren Augen völlig neues Konzept entstanden. Uns hat besonders gefreut, dass sich der Ladenbauer auf unsere branchenspezifischen Besonderheiten eingelassen hat. Es war eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit.
Thomas Hänel-Schwarz: Wir führten ein Auswahlverfahren mit mehreren Unternehmen durch. Die Wahl fiel nach Sichtung der Entwürfe auf die Firma Knoblauch. Das Gesamtpaket inkl. eines modernen Konzeptes hat uns einfach am meisten angesprochen und überzeugt. Das Ergebnis, was wir heute hier sehen, bestätigt uns ausdrücklich, die richtige Wahl getroffen zu haben.
GesundheitsProfi: Wie haben die Kunden den völlig neuen Auftritt wahrgenommen?
Thomas Mitzenheim: Das Gebäude ist von außen schon recht besonders und wir wollten natürlich nicht, dass die Kunden nach dem Eintreten enttäuscht sind. Bei der Neueröffnung waren tatsächlich viele treue Stammkunden vor Ort, einfach nur um zu schauen. Das hat uns sehr berührt. Unsere Mitarbeiter bestätigen uns bis heute, dass Kunden, die das Gebäude zum ersten Mal im neuen Glanz sehen, sehr davon angetan sind. Auch die strukturellen Änderungen finden viel Zuspruch bei den Kunden.
Thomas Hänel-Schwarz: Wir bekommen auch von unseren Geschäftspartnern widergespiegelt, dass sie die neuen Räumlichkeiten optisch sehr ansprechend finden. Einige vergleichen es mit einem modernen Kaufhaus und finden das wirklich chic.
Thomas Mitzenheim: Was uns besonders gut gelungen ist, ist beispielsweise das Thema Wohnumfeldberatung. Wir zeigen Aufstehsessel neben digitalen Elementen oder Produkte für die Pflege. Das Highlight ist jedoch unser Badecke, bei der praktisch nur der Wasseranschluss fehlt. Diese Präsentation wird von den Kunden sehr gut angenommen, weil sie die Hilfsmittel wirklich austesten können. Aber natürlich machen wir auch eine vollumfängliche Wohnumfeldberatung bis hin zur Empfehlung von Sanitärfirmen, die Badezimmer wieder zugänglich gestalten können.
GesundheitsProfi: Wo sehen Sie die aktuell großen Herausforderungen für Ihr Unternehmen und die Branche?
Thomas Mitzenheim: Wie gesagt, haben wir 2018/19 mit den Planungen für unseren Umbau begonnen. Das war vor Corona, der Ukraine-Krise und der Inflation. All das zusammen hat unser Projekt, welches das bisher größte Investment in der Firmengeschichte darstellt, nicht vereinfacht.
GesundheitsProfi: Hätten Sie die Pläne eingestampft, wenn Sie gewusst hätten, welche Krisen auf Sie zukommen?
Thomas Mitzenheim: Ein klares Nein! Wir haben uns in den vergangenen Jahren so stark entwickelt, dass wir diesen Umbau im Angesicht des Wachstumsmarktes, in dem wir uns bewegen, brauchten. Wir hatten dennoch immer einen Plan für das Worst-Case-Szenario in der Schublade, diesen aber nicht nutzen müssen.