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Elektroanzug gegen Spastiken

Ottobock kauft schwedisches Start-up Exoneural Network

Ottobock kauft schwedisches Start-up Exoneural Network Lea Loren Abbound ist 2008 geboren und leidet unter Cerebralparese. Sie trägt den Exopulse Mollii Suit. (Foto: Exoneural Network)

Ottobock hat am 13. Januar das schwedische Start-up Exoneural Network übernommen. Es entwickelte den „Exopulse Mollii Suit“

Der Anzug löst verkrampfte Muskeln mit elektrischen Impulsen. Damit können Menschen mit Spastiken mobilisiert werden, teilt das Medizintechnikunternehmen mit.

Mit der vollständigen Übernahme von Exoneural Network erweitert Ottobock sein Portfolio auf dem Feld der Neuro-Orthetik. „Neben einer breiteren Versorgung der Anwender setzen wir auf Synergieeffekte zwischen der Technologie des Start-ups und unseren orthetischen Versorgungen“, sagt CEO Philipp Schulte-Noelle. „Die Akquisition passt perfekt in unsere Strategie in der Neuro-Orthetik zur Bekämpfung von Muskelerkrankungen. Mit den neuen Kolleginnen und Kollegen aus Vertrieb, Forschung und Entwicklung arbeiten wir nun an der Integration in die Ottobock Familie.“ Während Entwicklung, Produktion und Zulieferung in der Verantwortung von Exoneural Network verbleiben, übernimmt Ottobock die globale Distribution und erschließt den Markt für die Technologie.

So funktioniert der „Exopulse Mollii Suit“

Der einteilige Anzug ist mit 58 Elektroden bestückt, die per Steuerung individuell eingestellt werden. Niederfrequente Elektrostimulation entspannt die Muskeln, erhöht die Blutzirkulation und stellt bei Spastiken das gehemmte Gleichgewicht zwischen Muskelpaaren wieder her. Wenn etwa der Bizeps verkrampft, stimuliert der Anzug den Trizeps, um den Bizeps zu lockern. Damit ist die Technik komplementär zur Funktionellen Elektrostimulation (FES), bei der durch kleine elektrische Impulse Nerven stimuliert und damit Bewegungen ausgelöst werden.

Verkrampfte, steife, schmerzende oder unkontrolliert zuckende Muskeln sind die Folgen spastischer Lähmungen und anderer neurologischer Bewegungsstörungen. Sie werden etwa durch Schlaganfälle, Cerebralparese, Parkinson oder Multiple Sklerose ausgelöst.

Kevin Weber ist ein Anwender, der seine Erfolge mit der Öffentlichkeit teilt. Der junge Mann zuckte häufig am ganzen Körper, denn er leidet unter Parkinsonismus. Durch die Nervenkrankheit verkrampfen Muskeln. Kevin geht nach einer Stunde Tragezeit ohne Zuckungen und führt seine Hand ruhig zur Nasenspitze. „Ich kann endlich wieder davon träumen, zur Arbeit zurückzukehren“, sagt er.

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Tobias Kurtz / 20.01.2021 - 13:56 Uhr

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