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Medizintechnik

Ottobock überspringt Milliarden-Umsatzmarke

Ottobock überspringt Milliarden-Umsatzmarke Philipp Schulte-Noelle (Foto: Ottobock)

Das Medizintechnikunternehmen Ottobock hat seinen Umsatz 2019 um 8 Prozent auf 1,003 Mrd. Euro gesteigert.

„Wir sind stolz darauf, im vergangenen Jahr – dem 100-jährigen Bestehen von Ottobock – sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis neue Rekordwerte erreicht zu haben. Unsere Geschäftsführung schafft es, dynamisches Wachstum und steigende Profitabilität miteinander zu verbinden“, sagt Prof. Hans Georg Näder, Eigentümer und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Ottobock SE & Co. KGaA. Der bereinigte operative Gewinn vor Sondereffekten (Underlying EBITDA) kletterte um 10 Prozent auf 191 Mio. Euro, teilte das Unternehmen mit.

Im Segment O&P, dem das Prothetik- und Orthetik-Komponentengeschäft sowie mit Patient Care auch die Versorgung von Patienten und Patienitnnen zugeordnet sind, hat Ottobock den Umsatz organisch um 6 Prozent auf 876 Mio. Euro gesteigert. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor sei die zunehmende Patientenversorgung mit technologisch anspruchsvollen, mikroprozessorgesteuerten Prothesen – als Beispiel ist die Beinprothesenlösung Genium zu nennen oder die intuitive Steuerung Myo Plus, mit der Anwender myoelektrische Hände dank künstlicher Intelligenz und Mustererkennung flüssig bewegen können.

Weiteres Wachstumspotenzial im Segment O&P soll das Neuro-Beinorthesensystem C-Brace bieten, das Menschen mit Lähmungen in den Beinen dabei hilft, wieder laufen und stabil stehen zu können. 2019 hat Ottobock die zweite Generation des C-Brace vorgestellt. Erfreulicherweise hätten die Zulassungsstellen in den vergangenen Monaten die Erstattungszusagen der Gesundheitssysteme in Deutschland und Japan erteilt und damit die Basis für eine entsprechend hochwertige Versorgung der Patienten geschaffen.

„Wir verstehen uns als vertikal integrierter Lösungsanbieter, der innovative Produkte und die Patientenversorgung zu einem ganzheitlichen Ansatz verbindet, um die Mobilität von Menschen zu verbessern. Diese Ausgewogenheit im Geschäftsmodell, gleichzeitig Weltmarktführer in der Prothetik zu sein und eine hohe Nähe zu unseren Anwenderinnen und Anwendern zu haben, ist in der Medizintechnik einzigartig“, sagt Philipp Schulte-Noelle, CEO von Ottobock.

Im Segment Others, zu dem unter anderem das Rollstuhlgeschäft Human Mobility und der Start-up-Bereich Industrials zählen, steigerte Ottobock den Umsatz organisch um 7 Prozent auf 127 Mio. Euro. Das Rollstuhlgeschäft wuchs im zweistelligen Prozentbereich, insbesondere durch die erhöhte Nachfrage nach Leichtgewichtrollstühlen, Aktiv- und Sportrollstühlen sowie Elektrorollstühlen. Elektromobilität ist seit Jahren fester Bestandteil der Produktpalette. Mit Umsatzerlösen im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich sei der Start-up-Bereich Ottobock Industrials noch vergleichsweise klein, wachse aber exponentiell. Innovative Exoskelette für Mitarbeiter in Produktion, Logistik und Handwerk sollen die körperliche Beanspruchung im Schulter- oder Rückenbereich deutlich reduzieren und erhebliches Potenzial für die kommenden Jahre bieten.

Ottobock in den Regionen

Das Geschäft in Westeuropa ist um 6 Prozent gewachsen. Es macht rund die Hälfte des Gesamtumsatzes von Ottobock aus. Während in Nordamerika und EEMEA (Osteuropa, Mittlerer Osten und Afrika) Umsatzzuwächse von 2 bzw. 7 Prozent verzeichnet wurden, stachen die Wachstumsraten in den Emerging Markets Asien-Pazifik (+8 Prozent) und Lateinamerika (+15 Prozent) hervor.

Mit dem Anstieg des bereinigten operativen Gewinns vor Sondereffekten auf 191 Mio. Euro hat sich auch die entsprechende EBITDA-Marge des Unternehmens um 0,3 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent verbessert. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 betrug die EBITDA-Marge noch 16,0 Prozent. Seitdem ist die Profitabilität kontinuierlich gestiegen, beispielsweise durch die Optimierung des Qualitätsmanagements und positive Effekte im Einkauf. „Im nächsten Schritt wollen wir ein Niveau von 20 Prozent erreichen“, sagt Jörg Wahlers, CFO von Ottobock. Ein weiterer Beleg für die gestärkte operative Leistung ist der operative Cashflow, der sich 2019 auf dem Wert von 104 Mio. Euro stabilisiert hat.

Investitionsvolumen

Das Investitionsvolumen von Ottobock belief sich im Geschäftsjahr 2019 auf 184 Mio. Euro – ein Anstieg um 54 Mio. Euro bzw. 42 Prozent. Wesentliche Gründe waren die Akquisition von Vigo, einem führenden Patient Care-Anbieter in Belgien und Polen mit einem Jahresumsatz von rund 70 Mio. Euro, sowie weitere Transaktionen in Frankreich, Italien, Schweden und in den USA. Insgesamt 100 Mio. Euro hat Ottobock in die Übernahme der Unternehmen investiert. „Wir haben frühzeitig erkannt, dass die Nähe zu den Anwenderinnen und Anwendern ein strategischer Erfolgsfaktor ist. Sie stärkt unsere Auftragssituation in der Prothetik und ermöglicht uns, deren Bedürfnisse besser in die Neu- und Weiterentwicklung unserer Produkte einfließen zu lassen“, sagt Philipp Schulte-Noelle.

Darüber hinaus investierte das Unternehmen 51 Mio. Euro in Sachanlagen, nicht zuletzt, um Produktion, Logistik und Service auszuweiten. Auf den Hauptsitz in Duderstadt entfielen 21 Mio. Euro, unter anderem für ein neues Logistikzentrum, ein Fräszentrum und das sogenannte iFab zur individuellen, digital gesteuerten Fertigung von Prothesen und Orthesen per 3D-Druck.

Weitere 61 Mio. Euro wendete Ottobock im vergangenen Geschäftsjahr für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf. Die F&E-Quote betrug 9,0 Prozent. 42 neue Patente hat das Unternehmen angemeldet. „Mit Innovationen haben wir uns in den vergangenen Jahrzehnten die Position als Markt- und Technologieführer bei Wearable Human Bionics erarbeitet. Diesen Wettbewerbsvorsprung wollen wir mit der Ergänzung bestehender Produktfamilien und der Entwicklung neuer Konzepte für die Versorgung von Menschen mit Prothesen und Orthesen auch in der Zukunft verteidigen und ausbauen“, so Prof. Hans Georg Näder. 497 der insgesamt 7.383 Mitarbeiter sind bei Ottobock im Bereich Forschung und Entwicklung tätig.

Ottobock: Ausblick 2020

Für das Geschäftsjahr 2020 hatte sich Ottobock eine erneute Erhöhung der Wachstumsdynamik vorgenommen, verbunden mit einem überproportionalen Anstieg des bereinigten operativen Gewinns vor Sondereffekten. „In den ersten Monaten waren wir voll auf Kurs, diese Ziele zu erreichen“, sagt Philipp Schulte-Noelle. Die Coronavirus-Pandemie habe die Versorgung in den wesentlichen Absatzmärkten ab März jedoch deutlich eingeschränkt und temporär nahezu zum Erliegen gebracht. Die exakten Auswirkungen auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung seien noch nicht abschätzbar. Sobald sich die Situation normalisiert und die Versorgung wieder Fahrt aufnehme, rechnet das Unternehmen mit positiven Nachholeffekten. Schulte-Noelle: „Ich bin davon überzeugt, dass wir gestärkt aus dieser Situation hervorgehen – dank der Robustheit unseres Geschäftsmodells sowie dem großartigen Einsatz unserer Mitarbeiter, Kunden und aller Stakeholder, für den ich mich bedanken möchte. Wir halten weiter an unserer mittelfristigen Planung 2022 fest und bereiten uns weltweit auf das Ende des jeweiligen Shutdowns vor.“

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Tobias Kurtz / 15.05.2020 - 11:27 Uhr

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