235 Kilometer in drei Wochen waren das Ziel von Frank Kaufmann, der nach einer Amputation des Oberschenkels mithilfe des Sanitatshaus Achim Kunze wieder den Weg in die Bewegung fand. Begleitet wurde der 57-jährige von einem Freund, der bereits Erfahrungen auf dem Caminho Portugues da Costa gesammelt hatte.
Schwieriges Terrain auf der Reise
Mithilfe einer speziell für ihn angefertigten Prothese aus dem Hause Blatchford gelang es Kaufmann, auch die schweren Etappen zu meistern. Besonders stark werden die Gelenke beansprucht, sobald es bergauf oder bergab geht. Inzwischen trägt er das von Blatchford entwickelte mikroprozessorgesteuerte Kniegelenk Orion3, das mit einem hydraulischen Knöchelgelenksprothesenfuß EchelonER kombiniert ist. Die funktional und energetisch ausgelegte Prothese ermöglicht ihm ein natürliches Gehen auf verschiedenen Terrains. Zudem ist die Kniegelenksprothese mit einer inertialen Messeinheit ausgestattete, wodurch die Geschwindigkeit der Fortbewegung erkannt wird. Sobald der Anwender ins Stolpern gerät, reagiert das künstliche Kniegelenk sofort und sichert ihn ab. Überdies lässt sich die Prothese beispielsweise während dem alternierenden Bergabgehen wie ein gesundes Bein belasten, wodurch das unversehrte Bein entlastet wird.
Das hydraulische Knöchelgelenk EchelonER wiederum passt sich an Schrägen, Unebenheiten und verschiedene Absatzhöhen an. Die Prothese kann sich selbst ausrichten, was sowohl das Bergauf- und Bergabgehen erleichtert, als auch das Stolpern und Hängenbleiben verhindert. Frank Kaufmann konnte somit während seiner rucksackbepackten Wanderung steile Anhöhen, große Steine, steile Treppen, enge Gassen mit Kopfsteinpflaster und wurzelbewachsene Wege überwinden.
Mut für Betroffene
Ihm selbst wurde 2017 das rechte Bein abgenommen, weil mehrere bakterielle Infektionen nach einer Routine-OP am Knie nicht in den Griff zu bekommen war. Diese Knie-OP wäre im Nachhinein nicht zwingend erforderlich gewesen. Das zu wissen, setzt Frank Kaufmann zu. Dennoch sieht er sich selbst trotz Amputation nach wie vor als glücklichen, zufriedenen und gelassenen Menschen, der seine Situation vor allem als Herausforderung empfindet.
In Zukunft möchte Kaufmann in Reha-Kliniken und in Workshops betroffenen Menschen helfen und auch beispielsweise Orthopädietechnikern kurze Vorträge halten. Gleichzeitig wollte er mit seiner Pilgerreise auch Menschen Mut machen, die von einer Amputation betroffen sind. Schließlich weiß er, wie sehr sie unter der drastischen Veränderung ihrer Lebensumstände leiden. Auch eine direkte Begleitung von Betroffenen auf dem Jakobsweg kann sich Frank Kaufmann vorstellen.