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Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Projekt will Akzeptanz von Exoskeletten erhöhen

Projekt will Akzeptanz von Exoskeletten erhöhen „Um das Exoskelett-Design weiterzuentwickeln, werden serienmäßig produzierte, passive Exoskelette in Feldlaboren erprobt und die zu verbessernden Produktmerkmale ermittelt. Ziel ist, die industrielle Anwendbarkeit und Akzeptanz in der Industrie zu erhöhen“, sagt Prof. Dr. Christoph Rußmann von der HAWK. (Foto: HAWK)

Der Gesundheitscampus Göttingen ist Partner eines Projektes, das die Einführung von Exoskeletten bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fördern will.

Exoskelette sollen vermehrt auch zur Vorbeugung von Krankheiten eingesetzt werden. Das hat sich das internationale Projekt „Exskallerate“ zum Ziel gesetzt. Der Gesundheitscampus Göttingen, ein Kooperationsprojekt der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK) und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist einer von 13 Projektpartnern aus sechs Nordsee-angrenzenden Ländern. Das Vorhaben dient nacheigenen Angaben dazu, diese Technik bei Bau- oder Industriearbeitern zu testen, anzuwenden und weiterzuentwickeln. Im Baugewerbe, in der industriellen Fertigung, in der Logistik und Lageristik wie auch in der Pflege müssen Menschen schwere Arbeit verrichten, die Rücken und Muskulatur belastet. Krankheiten und damit Arbeitsausfälle sind oft die Folge. Abhilfe könnten bei der Arbeit getragene Exoskelette schaffen, welche die anstrengenden Tätigkeiten erleichtern.

Bei einem Exoskelett handelt es sich um eine außen am Körper anliegend getragene Konstruktion, welche die auf bestimmte Körperregionen einwirkenden äußeren Kräfte aufnimmt und ableitet. So können Menschen mit diesen passiven Exoskeletten Bewegungen, wie etwa das Heben von schweren Gegenständen, mit weniger Kraftaufwand ausüben oder in sonst unergonomischen Haltungen, etwa beim Blick zur Decke, länger ohne große Ermüdungserscheinungen oder Muskelbeschwerden arbeiten. Untersuchungen gingen davon aus, dass sich die muskuläre Beanspruchung während Belastungsspitzen innerhalb der Tätigkeiten durch das Tragen von passiven Exoskeletten um 10 bis 40 Prozent reduzieren lassen.

Exoskelett: Erprobung in Feldlaboren

„Die HAWK ist seit Projektstart im Januar 2020 Partner und betreut unter anderem die Anwendung von verschiedenen Exoskelett-Varianten“, sagt Prof. Dr. Christoph Rußmann, der im Studiengang Mediziningenieurwesen lehrt. Rußmann leitet das Projekt auf Seiten des Gesundheitscampus Göttingen und beschreibt: „Um das Exoskelett-Design weiterzuentwickeln, werden serienmäßig produzierte, passive Exoskelette in Feldlaboren erprobt und die zu verbessernden Produktmerkmale ermittelt. Ziel ist, die industrielle Anwendbarkeit und Akzeptanz in der Industrie zu erhöhen.“
Der Gesundheitscampus Göttingen verweist auf das Potenzial der Technik: Bis zu 44 Millionen Beschäftige in der Europäischen Union seien von arbeitsplatzbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen, die der Industrie jährliche Gesamtkosten von mehr als 300 Mrd. Euro verursachten. Exoskelette können die Zahl der Verletzungen des Bewegungsapparats verringern und den Komfort am Arbeitsplatz erhöhen, wodurch die Kosten für ein Unternehmen langfristig gesenkt werden könnten.

Vor allem Beschäftigte der verarbeitenden Industrie, im Baugewerbe sowie in der ambulanten und stationären Pflege üben körperlich anstrengende Tätigkeiten aus, die das Risiko von schwerwiegenden Gesundheitsproblemen erhöhen und einen Anstieg der Krankenstände nach sich ziehen. Dies mindert die Attraktivität des Arbeitsplatzes und mündet in einen Mangel an Bewerberbungen. Unbesetzte Stellen bremsen das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit. Dies gilt auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Nordseeregion. Exoskelette seien ihnen wenig bekannt, da sich die Lösungsentwickler verstärkt an große Unternehmen wendeten.

Das internationale Konsortium aus Unternehmensförderungsorganisationen, Clustern und Forschungsinstituten will Feldlabore entsprechend den wichtigsten KMU-Herausforderungen mitgestalten. Workshops sollen KMU bei der Einführung von Exoskeletten unterstützen.

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