Wenn die Bezeichnung Spezialist auf einen Leistungserbringer zutrifft, dann auf „APT – a perfect team“ mit Sitz in Stockum-Püschen. Hier im Westerwald dreht sich alles um die prothetische Versorgung amputierter Kunden. Im Gespräch mit GP erläutert Gründer und Geschäftsführer Thomas Kipping, warum er den aktuell üblichen Versorgungsablauf kritisiert – und wie der Prozess sich im Sinne der Amputierten verbessern ließe.
GP: Mit welchem Anspruch bzw. Ziel haben Sie APT im Jahr 2002 gegründet?
Thomas Kipping: Ich wollte weg vom Sanitätshaus als Vollsortimenter. Denn nur als Spezialist für prothetische Versorgungen lassen sich die individuellen Anforderungen und Ziele der amputierten Kunden erkennen, entsprechend individuelle Maßnahmen ausarbeiten und somit Kunden zu begeistern. Durch die Konzentration auf die Prothetik bauen wir bei APT unser Knowhow immer weiter aus.
Der Expertenstatus entwickelt sich mit jeder individuellen Versorgung weiter. Davon profitieren unsere Kunden und empfehlen uns an andere Prothesenträger weiter.
GP: Was unterscheidet APT Ihrer Meinung nach von den meisten Sanitätshäusern?
Kipping: Während Sanitätshäuser nahezu alle Arten von Hilfsmitteln liefern, beschränken wir uns ausschließlich auf die Versorgung und Betreuung amputierter Menschen mit Prothesen.
Das hat zur Folge, dass wir z.B. in Krankenhäusern oder Facharztpraxen im Gegensatz zum Sanitätshaus nicht gefragt sind. Unser Kunde ist immer ein amputierter Mensch. Der „Kunde Nr. 1“ eines Sanitätshauses ist der „Verordner“ im Krankenhaus oder in der Facharztpraxis. Das ist eine komplett andere Denkweise.
GP: Fehlendes Wissen, zu geringe Vergütungssätze seitens der GKV – warum nehmen sich viele Orthopädietechniker Ihrer Meinung nach zu wenig Zeit für ihre Patienten?
Kipping: Grundsätzlich unterstelle ich niemanden in unserer Branche fehlendes Wissen. Der Faktor Zeit für den Kunden ist jedoch innerhalb des Sanitätshauses relativ begrenzt. Zu den Hauptproblemen in unserem Gesundheitssystem gehört die Krankenhausfinanzierung über DRGs. Der Sanitätsfachhandel ist dadurch oft das sprichwörtlich „letzte Glied in der Kette“. Er muss sich der Herausforderung stellen, logistisch schnellstmöglich Hilfsmittel zu liefern, damit das Entlassungsmanagement funktioniert. Selbstverständlich klappt diese Vorgehensweise recht gut bei so genannten Halbfertigprodukten wie z.B. Knieorthesen nach Knie-OPs. Hier entsteht kein großer zeitlicher Aufwand für Beratungsleistungen.
Anders ist das im Bereich Prothetik. Die Betroffenen haben selbstverständlich sehr viele Fragen und erwarten von uns im Regelfall auch die entsprechenden Antworten. Bei uns dauert ein sog. Erst- bzw. Beratungsgespräch in der Regel mindestens zwei Stunden. Weiterhin versorgen wir niemanden, der noch keinen „tragfähigen Stumpf“ mitbringt.
Doch wenn es zu einer Erstversorgung im Krankenhaus kommt, dann wird diese bereits eingeleitet, wenn die Fäden noch nicht einmal gezogen sind. Den Betroffenen wird gesagt, man wolle sie schnell wieder mit einer Interimsprothese mobilisieren. Sobald die Prothese fertiggestellt ist, werden die Betroffenen in die Anschlussheilbehandlung entlassen.
Das Krankenhausbett ist für den nächsten Patienten frei, das Sanitätshaus hat eine Versorgung erstellt – der Betroffene ist in einer Rehaeinrichtung verschwunden. Dieses Prozedere ist aus unserer Sicht völlig sinnbefreit!
GP: Warum?
Kipping: Die Kostenträger scheinen zu glauben, dass diese Vorgehensweise wohl die richtige sei. Leider ist bisher noch niemand seitens der Kostenträger auf die Idee gekommen, das Vorgehen zu hinterfragen in Bezug auf den vorprogrammierten volkswirtschaftlichen sowie insbesondere persönlichen Schaden des Versicherten.
Es kommt vor, dass auch wir zu einer Interimsversorgung dazu gerufen werden. Nachdem wir das Beratungsgespräch geführt haben, schlagen wir vor, dass zunächst die Stumpfheilung abgeschlossen sein muss, bevor wir mit einer Versorgung beginnen. Einzig die Stumpfformung durch Kompression sowie die Wundpflege ist zunächst angesagt. Reha-Maßnahmen machen nur Sinn, wenn der Stumpf sich währenddessen nicht mehr so verändert, dass ständig an der Prothese gebastelt werden muss.
Die Klinik könnte ihr wirtschaftliches Problem einfach lösen, indem sie den Patienten zunächst nach Hause entlässt. Wir kümmern uns darum, dass Wundmanager und Physiotherapeuten den Kunden dort betreuen, um die Wundheilung und die Kräftigung der Muskulatur im Vorfeld einer Prothesenversorgung zu optimieren. Das ist eigentlich eine einfache und logische Lösung – leider scheinbar für die meisten Fachkräfte und Kostenträger offensichtlich zu einfach.
Das komplette Interview lesen Sie in der Mai-Ausgabe von GesundheitsProfi.