Den Erfolg einer Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen, eine bereits vorhandene Behinderung auszugleichen und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern, sollte das Ziel jeder Hilfsmittelversorgung sein. Wie Patienten selbst die Versorgung bewerten, ist jedoch oftmals nicht bekannt. Der QVH hat in seinem 11. Qualitätsforum im November 2022 mit Experten beleuchtet, welche Möglichkeiten es gibt, die Ergebnisqualität aus Patientensicht stärker in den Fokus zu nehmen (PROMs). Dabei wurde deutlich: Die Selbstbewertung durch die Patienten, Experten der eigenen Gesundheit, ist eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Qualitätsindikatoren. Mit der Implementierung von digitalen Lösungen, die von Patienten gemeldete Ergebnisse standardisiert erfassen, sollen die Messlatten für Versorgungsqualität gesetzt.
Viktoria Steinbeck, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Management im Gesundheitswesen der TU Berlin, gab einen Überblick über Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) im internationalen und nationalen Vergleich. Dabei gebe es sehr ähnliche Herausforderungen. Auf der individuellen Ebene seien dies insbesondere die noch fehlende Patientenzentrierung bei Fragebögen im Versorgungskontext und die geringe Wertschätzung von PROMs. Auf der Systemebene machten die technischen Barrieren bei der Datenerfassung und -analyse, die fehlenden Orientierungshilfen für die Implementierung von PROMs und die fehlende politische Unterstützung zu schaffen.
Als Erfolgsfaktoren für die Umsetzung in Deutschland benannte sie sechs Punkte:
- den Fokus auf die Patienten richten, u.a. durch den verbesserten Zugang zu Daten und die Einbeziehung von Patientenvertretern
- die Förderung von Forschung und Anwendung durch klinische Champions und die entsprechend notwendigen Schulungsprogramme
- die IT-Infrastruktur, die versorgerübergreifende digitale Plattformen mit offenen Schnittstellen benötigt
- Standardisierung der Mindeststandards für die digitalen Instrumente und Interoperabilität sowie Standards für PROM-Metriken
- Finanzielle Anreize und die Zertifizierung für die Messung/Erfassung und Nutzung der Daten
- den politischen Willen zur Schaffung nationaler Rahmenbedingungen zur Förderung von PROM-Initiativen.
Joel Lehmann, Geschäftsführer der EQUAM Stiftung Bern, berichtete vom Projekt „PROMs in der schweizerischen Grundversorgung“. Zwei ambulante Hausarztpraxen nutzten die Wartezeit im Wartezimmer, um ihre Patienten mittels eines validierten Fragebogens zur Lebensqualität zu befragen. Die Daten wurden digital erfasst und anonymisiert aggregiert. Positive Effekte dieses Projekts zeigten sich rasch. Patienten und Patientinnen waren motiviert mitzumachen, sie fühlten sich ernst genommen und schienen erfreut über das vertiefte Interesse an ihrem Leben und ihren Ansichten. Auf Wunsch konnten sie mit den Ärzten direkt über ihre Antworten sprechen.
Es habe sich gezeigt, dass PROMs auf drei unterschiedlichen Ebenen als praktisches Instrument verwendet werden können: Verbesserung der Kommunikation (z.B. zwischen
Arzt und Patient), als Informationsplattform für den Austausch zwischen verschiedenen an der Versorgung beteiligten Akteuren (individuelle Ebene) sowie zur Verbesserung der integrierten Dienstleistungserbringung (Datennutzung durch weitere Akteure).
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