Damit behauptet sich die Industrie nach einem eher verhaltenen Vorjahr, teilt der Industrieverband Spectaris auf der Basis von Zahlen des Statistischen Bundesamts mit. 2024 erzielten die über 1.500 Medizintechnikunternehmen in Deutschland einen Gesamtumsatz von 41,4 Mrd. Euro – ein nominales Wachstum von 2,5 Prozent gegenüber 2023. Die Erzeugerpreise stiegen im selben Zeitraum um 2,7 Prozent. Der Inlandsumsatz belief sich auf 13,2 Mrd. Euro (+1,7 %), während das Auslandsgeschäft mit 28,2 Mrd. Euro (+2,9 %) erneut eine tragende Rolle spielte.
Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender der Medizintechnik im Deutschen Industrieverband Spectaris, bewertet die aktuelle Entwicklung mit gemischten Gefühlen: „Nach Jahren mit deutlich stärkeren Wachstumsraten sehen wir nun die Folgen eines zunehmenden Investitionsstaus im deutschen Gesundheitswesen. Besonders im Inland gerät der Wachstumsmotor Medizintechnik ins Stocken. Gleichzeitig belasten hohe Kosten und ein massiver bürokratischer Aufwand die Ertragslage vieler Unternehmen. Der angekündigte Bürokratieabbau ist in der Medizintechnik noch nicht sichtbar.“
Ein wesentliches Problem stelle die angespannte finanzielle Lage vieler Kliniken und Pflegeeinrichtungen dar. Investitionen in moderne Medizintechnik würden vielfach verschoben. Leonhard kritisiert zudem den durch die europäische Medizinprodukteverordnung verursachten Verwaltungsaufwand sowie die geplante pauschale Beschränkung von PFAS-basierten Hochleistungswerkstoffen. Letztere könnten dazu führen, dass zahlreiche etablierte Medizinprodukte aufgrund der Lieferkettenproblematik vom Markt verschwinden, selbst wenn Medizintechnik vom Verbot ausgenommen würde.
Internationale Märkte als Hoffnungsträger
„Die geopolitische Lage, insbesondere die Handelspolitik zwischen den USA und China, beobachten wir mit Sorge“, so Leonhard. Er betont jedoch auch die weiterhin bestehenden Wachstumschancen: „Der demografische Wandel, der technologische Fortschritt – etwa durch KI und Robotik – sowie die Digitalisierung und Automatisierung des Gesundheitswesens bleiben zentrale Treiber für unsere Branche. Damit die Unternehmen ihr Innovationspotenzial ausschöpfen können, brauchen wir aber dringend innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen.“