logo

Universitätsklinik Balgrist Zürich

Studie: Was bringt Antikörper-Therapie für Tetraplegiker?

Eine europaweite Multicenter-Studie testet aktuell eine Antikörper-Therapie bei tetraplegischen Rückenmarksverletzten in den ersten Wochen nach dem Unfall.

Die Erholung von Verletzungen des Rückenmarks ist sehr begrenzt. Aktuell gebe es keine eigentliche medikamentöse Therapie des verletzten Rückenmarks. Bis heute sei die Rehabilitation immer noch die wirksamste Behandlung für Patienten mit einer Querschnittlähmung, teilt die Universitätsklinik Balgrist in Zürich mit. Allerdings könnten neue Medikamente mit Antikörpern den Durchbruch bedeuten und „die erste wirkliche Therapie für verletzte Nerven des Rückenmarks ermöglichen“.

Studien im Labor und Pilotstudien am Menschen seien der Klinik zufolge erfolgreich und gäben Grund zur Hoffnung für Patienten mit einer akuten Verletzung des Rückenmarks. Zum ersten Mal scheine es möglich, dass ein Medikament die Erholung von Nervenfunktionen verbessern kann und sich Patienten deutlich besser erholen. Mit den neuen Antikörpern lasse sich ein körpereigener Hemmstoff (Nogo-A-Protein), der das Wachstum und die Regeneration von Nervenfasern verhindert, im Menschen ausschalten. Die Therapie ziele darauf ab, Regeneration und Plastizität der Nervenfasern zu verbessern, so dass sie sich wieder verbinden können. Damit sollen sich die motorischen und sensorischen Nervenfunktionen und die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern.

Diese Antikörper-Therapie wird zurzeit in einer breit angelegten europaweiten Multicenter-Studie an tetraplegischen Rückenmarksverletzten in den ersten Wochen nach dem Unfall klinisch getestet. Beteiligt sind Kliniken und Universitäten in Deutschland, Spanien, Italien, Tschechien und der Schweiz. Finanziert wird das Projekt durch das Horizon 2020 Programm der Europäischen Kommission, die Schweizer Paraplegiker Stiftung, die Wings for Life Stiftung, das Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation und Wyss Zurich, dem gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungszentrum der Universität und ETH Zürich.

„Das wäre eine Revolution“

Prof. Armin Curt, Direktor des Zentrums für Paraplegie der Universitätsklinik Balgrist, koordiniert das Projekt. Er geht davon aus, dass sich die Resultate früherer Studien bestätigen, wonach die Behandlung sicher, gut verträglich und erfolgsversprechend ist. „Es scheint tatsächlich möglich, dass sich beschädigte Nervenfasern oder Fasern rund um die Läsion wieder verbinden. Wir hätten damit zum ersten Mal eine Therapie bei Rückenmarksverletzungen. Das wäre eine Revolution.“

Tobias Kurtz / 13.09.2019 - 12:00 Uhr

© Sternefeld Medien GmbH