Seit wenigen Monaten regiert die Ampel-Koalition – und Alf Reuter muss viele Menschen kennenlernen. Die Herausforderung: „Wer ist für uns interessant von den jungen Abgeordneten?“ Fortschritt wagen, laute der Anspruch der Koalition. „Daran werden wir die Ampel messen.“
Die neue Regierung wolle das Gesundheitswesen krisenfest machen. Dafür wolle sie u.a. die Gesundheitsberufe stärken und in die Selbstverwaltung integrieren. Bei Alf Reuter rennt sie offene Türen ein. Der BIV-OT fordere schon lange mehr Mitsprache für die Hilfsmittelbranche. Eine Forderung: „Wir gehören in den G-BA, um mitzugestalten.“ Wichtig in diesem Zusammenhang: Akademisierung und Duale Ausbildung dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Stattdessen müsse die Politik den Fokus auf die Kompetenz verschieben. „Ansonsten werden die Kompetenzen von Pflegern, Orthopädietechnikern etc. nie wirklich genutzt werden können.“
Die gewünschte Stabilisierung der GKV-Finanzen könne ohne Leistungskürzungen eigentlich nicht funktionieren. Es sei denn, künftig werde massiv Bürokratie abgebaut, so Reuter. Dazu gehören für den Praktiker u.a. einheitliche Mehrwertsteuersätze auf Hilfsmittel, einheitliche Rahmenverträge und weniger Aufwand für die Präqualifizierung. Die Deutsche Akkreditierungsstelle (Dakks) etwa überziehe aktuell mit ihren Anforderungen. „Ich komme aus den Begehungen nicht heraus. Warum ist das nicht online möglich?“
Für ein stabiles System müsse die Politik vor allen auch im Wettbewerb zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern das Prinzip der Verantwortung fest verankern. Stabilität sei auch „nur mit Leit- bzw. Verbandsverträgen zu haben“. Denn so lange jeder einzelne Leistungserbringer mit jeder einzelnen Krankenkasse jede einzelne PG verhandeln kann, „wird es immer mehr Bürokratie, Rosinenpickerei und Intransparenz geben“.
„eRezept ist nicht tot“
„Wir sind von Anfang an dabei.“ Der BIV-OT steht hinter der elektronischen Verordnung und der elektronischen Patientenakte. In einem Pilotprojekt treibt er daher die Entwicklung im Hilfsmittelbereich voran. Vehement wehrt sich Reuter daher auch gegen den Abgesang auf das eRezept. „Es ist nicht tot.“
Nicht zuletzt forderte der BIV-OT-Präsident eine konsequente Förderung der Versorgungsforschung. Dafür müssten Studiendesigns an die speziellen Bedürfnisse der Hilfsmittelbranche angepasst werden. Die Branche zeige Versorgungswege auf. „Aber reichen Versorgungszahlen an Evidenz aus? Darauf haben wir keine Antwort.“