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Gesundheitsnetzwerk

Welche Ziele „Deutschland.Gesund. VERNETZT.“ verfolgt

Welche Ziele „Deutschland.Gesund. VERNETZT.“ verfolgt Das Netzwerk Deutschland.Gesund.VERNETZT. will die Gesundheitsversorgung verbessern. (Logo: D.G.V.)

Wie der Verein „Deutschland.Gesund.VERNETZT.“ die Gesundheitsversorgung verbessern will. Ein Gespräch mit Björn Zeien.

Er spricht mit Vertretern von Medizinstudenten und will künftig Kindergärten aufsuchen. Er entwickelt Projekte mit Apetito und evaluiert diese mit Hochschulen. Der Verein „Deutschland.Gesund.VERNETZT.“ (D.G.V.) lässt sich traditionellen Kategorien oder Sektoren des Gesundheitswesens nicht zuordnen. Das Fachmagazin GesundheitsProfi hat mit dem Bereichsvorstand der Noventi Health SE und Vereinsvorsitzenden Björn Zeien über die Idee der Initiative und erste Aktivitäten gesprochen.

Jens Spahn hat Post bekommen. Und zwar von „Deutschland.Gesund.VERNETZT.“. In einem offenen Brief weist der Verein auf einen Widerspruch beim Umgang mit den Gesundheitsdaten der Bürger hin. Diese müssen laut Gesetz in einem Zeitraum zwischen vier und zwölf Jahren vollständig gelöscht werden, erläutert Björn Zeien. Aber: „Das führt die Idee einer lebenslangen Patientenakte ad absurdum.“ Zusammen mit Spezialisten habe der Verein daher Lösungsvorschläge erarbeitet. Mehrere Hochschulen haben den Brief unterzeichnet.

Der Verein D.G.V. wurde im April 2016 gegründet. So richtig Fahrt nahm er aber erst seit 2018 auf. Der Brief an den Gesundheitsminister steht beispielhaft für die ersten Aktivitäten in Richtung Öffentlichkeit.

Zwar gebe es im Gesundheitswesen bereits viele Netzwerke, weiß Zeien, der den Verein mitinitiiert hat. Diese endeten aber meist an fachlichen oder Sektorengrenzen. D.G.V. dagegen stelle den Bedarf des Patienten mit seiner Krankheit in den Mittelpunkt und schränke die Zusammenarbeit nicht auf die Player des ersten Gesundheitsmarkts ein. Auch Städte, öffentliche Träger oder die Industrie werden bewusst eingebunden.

Beispiel Schluckstörung (Dysphagie): Ein erstes angedachtes Projekt soll die Versorgung dieser Patienten verbessern. Denn während sich Ernährungspläne im stationären Bereich gut umsetzen lassen, scheitert ihre Verwirklichung häufig auf ambulanter Ebene. „Einfach nur Kartoffeln pürieren, reicht nicht“, bringt Zeien die Herausforderung für Laien pragmatisch auf den Punkt. In das Projekt ist daher der Spezialist für Gemeinschaftsverpflegung Apetito eingebunden, mit dessen Hilfe die Ernährungspläne auch in der häuslichen Umgebung gewährleistet werden soll. Die IB-Hochschule Berlin begleitet das Projekt und will es evaluieren.

Der Verein hat sich außerdem den Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes auf die Fahnen geschrieben. Dafür startet er generationenübergreifend Informationskampagnen in Kindertagesstätten, Universitäten und Senioreneinrichtungen. Auf dem Themenplan steht Basiswissen über gesunde Ernährung. Björn Zeien: „Viele Menschen erkennen gesundes Essen gar nicht mehr. Unbehandeltes, unverarbeitetes Obst etwa ist besser als jeder Smoothie.“ Eine Ernährungsumstellung verbessert den allgemeinen Gesundheitszustand und senkt beispielsweise auch das Schlaganfallrisiko.

Um die Patientenversorgung zu verbessern, will sich der Verein zudem mit grundlegenden Innovationen abseits der Gesundheitsbranche auseinandersetzen. Im Februar 2019 trifft sich erstmals eine Expertenrunde unter der Fragestellung: Welche Technologien beeinflussen und verändern die Gesundheitsberufe? Dabei geht es nicht um den einzelnen Beruf wie Arzt, Apotheker oder Ergo-/Physiotherapeut, sondern um grundsätzliche Trends, führt Björn Zeien aus. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von VR-Brillen im häuslichen pflegerischen Umfeld oder in der Notfallversorgung, mit deren Hilfe reale und virtuelle Welt verschmelzen.

Björn Zeien weiß, dass der langfristige Erfolg von D.G.V. noch nicht gesichert ist. „Bei allen jungen Gewächsen besteht das Risiko einzugehen, bevor sie eine gewisse Widerstandskraft entwickelt haben.“ Gleichwohl sieht er den Verein auf einem guten Weg. Alle Projekte entwickeln sich aus den Ideen der Mitglieder. Zeien: „Hier treffen sich Gleichgesinnte aus Bereichen, die mehr oder weniger nah am Gesundheitssystem agieren. Das verbindende Element in diesem Fall ist das gemeinsame Interesse an Themen und nicht die Wahrung von Besitzständen. Damit fallen hemmende Berührungsängste weg, und die Diskussionen verlaufen offen. Die Initiative trägt sich über den Willen der Partner, etwas zu bewegen.“

Um weitere Mitstreiter zu gewinnen, bietet das Netzwerk gezielt niederschwellige Einstiegsmöglichkeiten an. Webbasierte Symposien über Xing sollen zu Diskussionen anregen. „Das Themenspektrum reicht von ganz pragmatischen Fragen bis zu Visionen“, so Zeien. Die Arbeitsgruppe Smart Hospital etwa setzt sich aktuell mit der Frage auseinander, wie Big Data, Künstliche Intelligenz und Robotik die Krankenhauslandschaft verändern. Andere Mitglieder überlegen, wie die ärztliche Versorgung auf dem Land vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und einer zunehmenden Feminisierung der Medizin gesichert werden kann. „Und in dieser Gruppe engagiert sich eben auch die Präsidentin der Bundesvertretung der Medizinstudierenden, Jana Aulenkamp.“

Björn Zeien schwärmt von den Impulsen, welche das Engagement bei D.G.V. für die eigene Entwicklung und das eigene Geschäftsmodell mit sich bringe. „Es kommen Leute auf Sie zu, mit denen sie nicht rechnen und die sie nicht kennen. Denn oftmals wissen die verschiedenen Mitglieder gar nicht, dass sie inhaltlich ähnliche Probleme haben oder gar dieselben Ziele verfolgen.“

Über „Deutschland.Gesund.VERNETZT“

Der Verein „Deutschland.Gesund.VERNETZT.“ (D.G.V.) wurde im April 2016 mit Sitz in Essen gegründet. Er vernetzt sektorenübergreifend regionale und überregionale Netzwerke, Städte, Gemeinden und Kommunen. Durch eine bessere Abstimmung soll eine effizientere Behandlung von Patienten erzielt werden. Der Verein will Projekte entwickeln, die der gesundheitswirtschaftlichen Stärkung regionaler Standorte und überregionaler Versorgungsgebiete dienen sollen. Zu den Projektbeteiligten zählen ­unter anderem Ärzte, Krankenhäuser, Pflegeheime, Gesundheitsberufe aus den Bereichen Heilmittel, Hilfsmittel, ambulante und stationäre Pflege, Krankenkassen sowie Verbände der aufgeführten Akteure.

Tobias Kurtz / 30.01.2019 - 14:20 Uhr

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