Philipp von Hammerstein ist Partner des börsennotierten Unternehmens und zuständig für die Healthcare-Aktivitäten im deutschsprachigen Europa. GP sprach mit ihm über die Hilfsmittelbranche, die künftige Rolle der Sanitätshäuser und über das Geschäftsmodell von Medi-Markt, an dem Gimv seit 2018 beteiligt ist.
Wie schätzen Sie den Sanitätshaus- und Hilfsmittelmarkt in Deutschland ein? Was machen seine Besonderheiten aus?
Von Hammerstein: Wenn ich auf die Produkte schaue, ist das, einmal losgelöst vom Sanitätshaus, ein total spannender Markt. Die Hilfsmittelversorgung ist sehr breit aufgestellt mit ihren Subsegmenten und Produkten. Die aufsaugende Inkontinenz beispielsweise umfasst Verbrauchsgüter. Dann gibt es sehr patientenindividuelle Versorgungen, wenn ich an die Orthopädietechnik denke. In den allermeisten Subsegmenten gibt es eine positive Nachfragedynamik, also mehr ältere Menschen mit dem entsprechenden Bedarf. Hinzu kommt die Tendenz zur immer stärkeren Versorgung zu Hause. Die Sanitätshäuser sind ebenfalls sehr bunt aufgestellt: vom sehr kleinen Einzelkämpfer über regional recht große Akteure bis hin zur Auxilium-Gruppe, hinter der ebenfalls Investoren stehen.
Wie charakterisieren Sie den klassischen Sanitätsfachhandel?
Von Hammerstein: Ich glaube, dass richtig aufgestellte Sanitätshäuser eine absolute Daseinsberechtigung haben. Aber sie vereinen in ihrem Konzept aus meiner Sicht Vor- und Nachteil zugleich. Dank ihrer Wohnortnähe sowie ihrer Vernetzung im lokalen System mit Krankenhäusern und Pflegediensten können sie dort persönlich beraten. Aber sie verfügen im Allgemeinen über eine eher geringe Spezialisierung. Und auch wenn sie in einigen Bereichen exzellent auftreten, bieten sie aus ihrem Selbstverständnis heraus eigentlich immer alles an. Das wird sukzessive schwieriger, erfolgreich abzubilden, weil ihnen die Einkaufsvolumina, Erfahrung und Know-how fehlen.
Ich glaube sehr an eine langfristige Perspektive für das Sanitätshaus, vor allem in den handwerklichen und patientenindividuellen Bereichen. Ansonsten gewinnen überregionale Anbieter, die in einzelnen Produktgruppen wirklich spezialisiert sind, eine größere Bedeutung. Medi-Markt ist ein Beispiel dafür. Von daher stellt es ja auch aus Sicht einiger Sanitätshäuser und Ihrer Leser wohl ein bisschen das große Feindbild dar. (…)
Das ausführliche Interview lesen GP-Abonnenten in der Juli-Ausgabe von GesundheitsProfi.