Die Personal- und Ressourcenengpässe bei den Zertifizierungsprozessen für die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) standen neben Forschungs-Förderprogrammen im Fokus des BVMed-Mittelstandsforums „Die Förderung des MedTech-Mittelstands“ am 14. September 2021. BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll warnte davor, dass bis zu 30 Prozent der Medizinprodukte in den nächsten Jahren vom Markt zu verschwinden drohen, wenn keine Lösungen insbesondere für Bestands- und Nischenprodukte gefunden werden. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Müller schlug als politischer Gast des Mittelstandsforums Nachbesserungen beim regulatorischen Rahmen vor: „Der erste Schritt muss die Verlängerung von Übergangsfristen sein. Wir müssen nach der Bundestagswahl den Druck auf die Europäische Kommission aufrecht halten und weitere europäische Partner dafür gewinnen“, so die Mittelstandsbeauftrage der Grünen-Bundestagsfraktion.
Die industrielle Gesundheitswirtschaft (IGW) sei in Deutschland eine wichtige Schlüsselbranche, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Neben der Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland habe die Corona-Pandemie deutlich gemacht, wie wichtig Medizinprodukte auch für die Gesundheitsversorgung der Menschen sind. Innovative Lösungen und Wertschöpfung kommen dabei vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Der MedTech-Mittelstand stehe durch die MDR vor großen regulatorischen Herausforderungen. „Die Unternehmen brauchen zeitliche und finanzielle Berechenbarkeit. Beides ist aktuell bei den MDR-Zertifizierungsprozessen nicht gegeben“, bemängelt Möll. Ein Kernproblem sei das Ressourcendefizit durch Personalmangel bei den Benannten Stellen, aber auch bei den Unternehmen.
Claudia Müller, Mittelstandsbeauftragte der Grünen-Bundestagsfraktion und Mitglied im Wirtschafts- sowie Europa-Ausschuss des Bundestages, verwies auf die große Bedeutung der industriellen Gesundheitswirtschaft für den Standort Deutschland:
„Es ist eine Branche mit besonders viel Forschung und Innovation. Hier geht es um die Frage, wie wir technologisch in Zukunft vorne bleiben können. Die Gesundheitswirtschaft ist hier ein Leuchtturm.“
Claudia Müller, Mittelstandsbeauftragte der Grünen-Bundestagsfraktion
Um den Medizintechnik-Mittelstand zu unterstützen, plädierte die Grünen-Politikerin dafür, die bürokratischen Lasten für KMU zu verringern. Verfahren müssten digitalisiert und vereinfacht werden. Bei Nischenprodukten – beispielsweise für die medizinische Versorgung von Kindern – müsse es einen besseren Ausgleich mit angepassten Verfahren geben. Außerdem schlug sie eine Personaloffensive im Bereich der Zertifizierung von Medizinprodukten vor. Bei der Steuer- und Innovationspolitik sprach sich Müller für den Ausbau und eine bessere steuerliche Förderung der Mitarbeiterbeteiligung aus. Zudem müsse die steuerliche Forschungsförderung verbessert und Forschungs- sowie Förderprogramme ausgebaut werden. Weitere Forderungen sind die Gründung einer eigenständigen Innovationsagentur und eine KMU-Forschungsförderung bis hin zum Markteintritt, um die Förderlücke zu schließen. Auch sollte der Zugang zu Wagniskapital für den Mittelstand gestärkt werden, so Claudia Müller. Ihr Fazit: „Mit der alternden Gesellschaft werden wir einen Zuwachs an medizintechnischer Unterstützung brauchen. Wir müssen die Branche stärker in den Blick nehmen und Hürden auf ein Mindestmaß beschränken.“