logo

Digitaler Healthcare Index 2019

Wo steht die Gesundheitsbranche bei der Digitalisierung?

Wo steht die Gesundheitsbranche bei der Digitalisierung? Emily Andreae, Head of Business Development Health bei Adesso. (Foto: Adesso, J. F. Klam / Berlin)

Die Gesundheitsbranche hat noch Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Das zeigt eine aktuelle vom IT-Dienstleister Adesso unterstützte Studie des Branchennetzwerks Healthcare Frauen (HCF).

Die Studie „DIG-IN Digitaler Healthcare Index 2019“ bietet nach eigenen Angaben erstmals belastbare Zahlen zur Digitalisierung der Gesundheitsbranche. Die Studie basiert auf einer bundesweiten Online-Befragung von Branchenführungskräften der ersten und zweiten Ebene zu den Auswirkungen der Digitalisierung.

Einen Schwerpunkt bildet der digitale Reifegrad der Healthcare-Unternehmen. So wurden die Befragten unter anderem gebeten, anhand von Aspekten wie Customer Experience, Produktinnovation, Prozessdigitalisierung, Kultur und Expertise oder Transformationsmanagement eine Selbsteinschätzung zur digitalen Reife ihres Unternehmens vorzunehmen. Das Ergebnis: Die Digitalisierung der Gesundheitsbranche ist bisher eher verhalten vorangeschritten.

So zählen gerade einmal 5% der befragen Führungskräfte ihr Unternehmen zu den „Digital Leaders“. 25% von ihnen betrachten ihren Arbeitgeber als „Digital Transformer“. Den größten Anteil macht mit 41% die Gruppe aus, die ihr Unternehmen als „Digital Follower“ einstuft, gefolgt von „Digital Beginners“ mit 26%. Lediglich 3% Prozent der Befragten stufen ihre Unternehmen als „Non-Digitals“ ein, bei denen bislang so gut wie gar keine Digitalisierung stattgefunden hat. Der Gesamtindex, der den durchschnittlichen Digitalisierungsgrad der Branche bewertet, liegt bei 49%.

Digitalisierung Gesundheitswesen: „Luft nach oben“

„Die Gesundheitsbranche hat bei der Digitalisierung noch viel Luft nach oben“, sagt Emily Andreae, Head of Business Development Health bei Adesso, Mitglied der Healthcare Frauen und Projektleiterin der Studie. Anlass zum Pessimismus sieht die Medizinökonomin deshalb aber nicht. „Das Thema ist im Bewusstsein der Verantwortlichen inzwischen angekommen, und sie wissen, dass sie etwas ändern müssen. Das hören wir in unseren vielen Gesprächen mit Führungskräften der Branche immer wieder heraus. Ein Grund dafür ist nicht zuletzt, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens in den aktuellen Gesetzgebungsverfahren im Bundesministerium für Gesundheit höchste Priorität hat.“

Bei der Umsetzung tun sich viele Unternehmen der Branche laut der Expertin allerdings noch schwer. Andreae registriert dabei vor allem drei große Baustellen: „Die erste Herausforderung besteht häufig darin, eine tragfähige Strategie für die Digitalisierung auszuarbeiten. Steht die Strategie, haben Unternehmen oft Schwierigkeiten damit, ihre Mitarbeiter in die Digitalisierung einzubinden und neue Arbeitsformen zu etablieren.“ Die dritte große Herausforderung stellen die inzwischen stark verteilten Teams der Unternehmen dar. Sie erschweren es den Unternehmen, eine Community zu etablieren, in der alle die gemeinsame Digitalisierungsvision teilen.

„Die Digitale Transformation ist natürlich nichts, was Unternehmen der Gesundheitsbranche einfach im Vorbeigehen erledigen können. Es steckt viel mehr dahinter als nur das Aufsetzen eines neuen Projekts oder die Gründung einer neuen Abteilung“, so Andreae. „Auf dem Weg zur ,Digitalen Meisterschaft’ geht es vielmehr um grundlegende Fragen der unternehmerischen Orientierung und um das Beschreiten neuer Wege. Erprobte und wissenschaftlich fundierte Assessments können ihnen dabei helfen, ausgehend von ihrem Status quo passgenaue Aktivitäten zum Erreichen ihrer digitalen Vision abzuleiten.“

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

  • Natalie Gladkov verstärkt BVMed
  • Digitaler Gesundheitsmarkt braucht valide Stammdaten
  • eHealth-Zielbild: Verbände schlagen Dialogplattform vor
Tobias Kurtz / 13.11.2019 - 12:02 Uhr

© Sternefeld Medien GmbH