Eine Pflegekraft heizt auf einem Motorrad der Marke KI durch die Stadt. Mit diesem Bild veranschaulichte Dr. Katharina Pohl, welche Rolle sie Künstlicher Intelligenz (KI) in Zukunft beimisst. „Der Mensch sitzt immer noch am Steuer, wird aber von der KI mit Vorschlägen über den Weg oder die Geschwindigkeit unterstützt“, erklärte die KI-Ingenieurin bei der Opta Data Stiftung. Aktuell werde das Motorrad jedoch noch „geschoben“, um im Bild zu bleiben.
„Wir sind noch nicht da, wo wie sein könnten“, führte sie aus und sprach in Analogie zum Greenwashing beim Thema Nachhaltigkeit gar von „KI-washing“. Schließlich würden die Gesundheitsberufe KI noch nicht wirklich thematisieren. Dazu müssten die Beteiligten unter anderem ihre Prozesse generell hinterfragen.
Aber auch die regulativen Anforderungen stellen laut den Versorgungsexperten eine Herausforderung dar. Luisa Wasilewski (Pulsewave.Digital) unterscheidet zwischen medizinischen und administrativen KI-Anwendungen. KI entlaste unbestritten das Gesundheitssystem in der klinischen Dokumentation. „Da können wir einen Haken dran machen. Die Chancen von KI liegen aber bei Therapieempfehlungen z.B. für die individualisierte Krebstherapie. Doch hiervon sind wir weit entfernt. Der EU-AI-Act wird zum Problem. Da verlieren wir zehn bis 15 Jahre.“
Gefordert seien aber auch Verhaltensänderungen, ergänzte Dr. Karsten Neumann (Roland Berger). „Die Menschen müssen wissen, ab wann es fahrlässig ist, den Empfehlungen der Maschine nicht zu folgen.“ Neumann zog den Vergleich zu Navigationssystemen. Die ersten in die Autos integrierten Lösungen hätten noch Schwächen gehabt. „Aber Google können Sie nicht schlagen.“
Standardisieren und teilen
Für eine Weiterentwicklung des Gesundheitssystem, müssten Daten geteilt werden, sind die Experten überzeugt. Denn: „Wir zum Beispiel haben nur die Daten aus der Abrechnung“, so Katharina Pohl.
Als größtes Problem bezeichnete Luisa Wasilewski die fehlende Standardisierung. Moderne Medizintechnik bringe zudem mit neue Marker, Messpunkte oder Auswertungen mit sich. Erhobene Daten seien im Zeitablauf daher nicht einfach vergleichbar. „Daten zu harmonisieren, ist ein Alptraum.“ Hier komme daher auch KI ins Spiel.
Exkurs ePA
Die Expertenrunde setzte sich zudem mit der elektronischen Patientenakte (ePA) auseinander. „Von der idealen Welt der ePA als Datendrehscheibe sind wir noch weit entfernt“, so Luisa Wasilewski. Eine einzige ePA wäre zudem zu schön, um wahr zu sein. Die Daten würden künftig von unterschiedlichen Plattformen bzw. Formaten kommen. Teilen sei auch hier der Schlüssel zum Erfolg. Dr. Daniel Dettling (Gesundheitsstadt Berlin) ist vor diesem Hintergrund überzeugt: „Wir werden regionale ePAs haben.“