Die Barmer warnt vor erheblichen Versorgungsdefiziten bei Pflegebedürftigen, wobei bis zu 1,3 Millionen vermeidbare Krankenhausaufenthalte jährlich identifiziert werden. Der Pflegereport 2023 betont die Notwendigkeit neuer, sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen für eine effizientere Pflege. Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, hebt die Bedeutung wohnortnaher, sektorenübergreifender Einrichtungen hervor, um besonders in dünn besiedelten Gebieten eine effiziente Versorgung sicherzustellen.
Knapp ein Viertel der Krankenhauspatienten war laut Pflegereport im vergangenen Jahr bereits vor der Aufnahme in die Klinik pflegebedürftig. Rund 275.000 Menschen beziehungsweise 1,9 Prozent wurden dies unmittelbar im Anschluss an die stationäre Behandlung. „Wer nach einem Krankenhausaufenthalt pflegebedürftig wird, liegt zuvor länger in der Klinik. Im Vergleich zu nicht pflegebedürftigen Patienten sind das durchschnittlich 3,4 Tage mehr. Das liegt insbesondere an der Schwere der Grunderkrankung“, sagte Studienautor Prof. Dr. Heinz Rothgang von der Universität Bremen. Auch wer bereits pflegebedürftig ins Krankenhaus komme, müsse dort mit bis 2,7 Tagen mehr rechnen. Ein weiterer Faktor für eine verzögerte Entlassung aus der Klinik sei, dass die Pflege zuhause oft erst organisiert werden müsse. Der stationäre Aufenthalt verlängere sich sogar um mehr als sechs Tage, wenn ihm eine Kurzzeitpflege folge. Rothgang: „Krankenhausaufenthalte verlängern sich deutlich, wenn die Pflege danach erst organisiert werden muss. Deshalb ist die Kurzzeitpflege so wichtig. Sie hilft insbesondere dabei, die Zeit bis zum Wechsel in ein Arrangement mit einem höheren Anteil formeller Pflege zu überbrücken.“ Um eine bessere Versorgung zu gewährleisten, sollten beispielsweise die Kliniken die Kranken- und Pflegekassen regelhaft informieren, sobald klar sei, wann ein Patient entlassen werde, ergänzte Straub. Möglich wäre dies in Rahmen des digitalen Datenaustauschs. Die Kranken- und Pflegekassen benötigten diese Information möglichst frühzeitig, um eine reibungslose Versorgung der Betroffenen zu erleichtern – zum Beispiel für eine zeitnahe Unterstützung mit Hilfsmitteln.
Der Bericht zeigt zwischen 2017 und 2022 rund 280.000 monatliche Krankenhausaufenthalte von pflegebedürftigen Patienten auf, die unter verbesserten Bedingungen in der Hausarztpraxis oder im Pflegeheim behandelt werden könnten. Gezielte Versorgung im Vorfeld könnte Krankheiten wie Herzinsuffizienz und Diabetes mellitus Typ 2 verhindern. Fast ein Viertel der Krankenhauspatienten war bereits vor der Aufnahme pflegebedürftig, was häufig zu verzögerter Entlassung aufgrund der Organisation der häuslichen Pflege führt. Die Barmer empfiehlt eine frühzeitige Information der Kranken- und Pflegekassen durch Kliniken für eine reibungslose Versorgung.