Die Barmer legt in ihrem aktuellen Hilfsmittelreport einen Schwerpunkt auf regionale Ungleichheiten auf Ebene der Bundesländer. Da unterschiedliche Alters- und Geschlechtsstrukturen in den Bundesländern einen hohen Einfluss auf die jeweilige Anzahl von Patientinnen und Patienten mit Hilfsmittelversorgungen haben, wurde für die Analysen ausschließlich mit standardisierter Bevölkerung gearbeitet, so die Barmer.
Die Bevölkerungsstandardisierung wirkt insbesondere in den neuen Bundesländern. Länder mit überdurchschnittlich alter Bevölkerung haben naturgemäß mehr Patientinnen und Patienten in der Hilfsmittelversorgung. Hingegen verlieren Stadtstaaten und Länder mit unterdurchschnittlichem Bevölkerungsalter ihre niedrigeren Patientenquoten. Auffällig ist laut Barmer das größte Bundesland Nordrhein-Westfalen als einziges mit einer zweistelligen prozentualen Abweichung zum Bundesschnitt.
In der Produktgruppe Prothesen/Epithesen/Haarersatz variiert die Anzahl an Patientinnen und Patienten von 3,76 je 1.000 Versicherte in Baden-Württemberg bis zu 5,09 je 1.000 Versicherte in Sachsen.
Bei der orthopädischen Schuhversorgung ist Mecklenburg-Vorpommern mit 10,46 Patientinnen und Patienten je 1.000 Versicherte Spitzenreiter, dicht gefolgt von Sachsen und Thüringen. Hingegen liegt die Anzahl in Hamburg bei lediglich 6,49 und in Hessen sowie Baden-Württemberg bei rund 7,4 je 1.000 Versicherte.
Bei der Produktgruppe mit den meisten Patientinnen und Patienten, der Einlagenversorgung, sowie bei den Orthesen und Schienen besteht hingegen ein gegenläufiges Gefälle der Patientenzahlen von Süd und West nach Ost.
In allen neuen Bundesländern zeigt sich bei diesen Produktgruppen eine deutlich niedrigere Patientenquote. Der Abstand dieser Quote gegenüber großen westlichen Ländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen beträgt nahezu 30 Prozent, also etwa ein Drittel weniger Patientinnen und Patienten. Und dies, obwohl die auf die Alters- und Geschlechtsstruktur der Bevölkerung basierenden Unterschiede zwischen den Bundesländern durch Standardisierung eliminiert wurden.
Vor allem in der Produktgruppe Inhalations- und Atemtherapie stellt die Barmer einen deutlichen Überhang der Patientenanteile in Nordrhein-Westfalen fest. Dies gilt auch in weniger ausgeprägter Form für die Produktgruppe der Krankenfahrzeuge.
Barmer Hilfsmittelreport
Der Hilfsmittelreport der Barmer 2025 zeigt den Stand und die Entwicklungen der ambulanten Hilfsmittelversorgung in Deutschland für die Jahre 2020 bis 2024. Für Hilfsmittel wendeten die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2024 über 11,5 Milliarden Euro auf. Der Report liefert mit zahlreichen Abbildungen Einblicke in Kosten- und Versorgungsstrukturen bis hinunter auf die Ebene der einzelnen Hilfsmittel-Produktgruppen. Der aktualisierte Hilfsmittel-Atlas bietet als interaktive Ergänzung die Möglichkeit, eigene Analysen mit verschiedenen Kennzahlen zu erstellen und sich diese grafisch als Landkarte oder Diagramm anzeigen zu lassen. Die Ergebnisse können exportiert und in eigenen Publikationen weiterverarbeitet werden. Neu im Hilfsmittel-Atlas ist der empirische Blick auf die Struktur ärztlicher Hilfsmittelverordnungen. Welche Ärztinnen, Ärzte und Einrichtungen verordnen in welchem Bundesland welche Arten von Hilfsmitteln? Darüber hinaus wird ein Überblick zu den aktuell an anderer Stelle veröffentlichten empirischen Hilfsmittelinformationen gegeben. So soll ein möglichst vollständiges Bild der Informationslage zur Hilfsmittelversorgung in Deutschland vermittelt werden.