Junge Beschäftigte unter 30 waren im Jahr 2022 besonders häufig wegen Atemwegserkrankungen und Infektionen arbeitsunfähig und haben damit einen erheblichen Anteil am Rekordkrankenstand des Jahres. Dies geht aus dem BKK Gesundheitsreport 2023 „Gesunder Start ins Berufsleben“ hervor, den der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK DV) heute veröffentlicht hat. Die Publikation liefert Daten zum Krankheitsgeschehen in der Gesamtbevölkerung und nimmt in diesem Jahr besonders die physische und psychische Verfasstheit von Berufseinsteigern zwischen 18 und 29 Jahren unter die Lupe. Eine Beschäftigtenbefragung mit mehr als 3.000 Teilnehmenden gibt außerdem Aufschluss darüber, welche Haltung und Erwartungen Berufseinsteiger im Vergleich zu berufserfahrenen Beschäftigten gegenüber Arbeit haben. Den vorliegenden Zahlen zufolge ist die Zahl der Krankschreibungen im Jahr 2022 auf den höchsten Wert seit einem Jahrzehnt geklettert: Im Durchschnitt war ein Beschäftigter hierzulande im betrachteten Zeitraum 22,6 Tage arbeitsunfähig.
„Auch die junge Generation ist nicht vor Krankheit gefeit“, sagt Franz Knieps, Vorstandsvorsitzender des BKK Dachverbandes und Herausgeber des BKK Gesundheitsreports. „Unsere Zahlen zeigen, dass berufsspezifische Arbeitsbedingungen und Belastungen die gesundheitliche Entwicklung des Einzelnen schon beim Einstieg ins Berufsleben entscheidend prägen.“ So fallen beispielsweise Beschäftigte unter 30 in den Branchen Verkehr und Lagerei sowie Abfallentsorgung aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen überdurchschnittlich oft am Arbeitsplatz aus – ebenso wie ihre älteren Kollegen. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Gesundheits- und Sozialwesen: Hier sind jüngere und ältere Mitarbeitende besonders häufig wegen psychischer Störungen arbeitsunfähig.
„Um Fehlzeiten am Arbeitsplatz zu vermeiden und Mitarbeitende langfristig zu binden, müssen Deutschlands Unternehmen unter ihrem Dach eine Präventionskultur verankern, die die Verhütung von Krankheiten und gesunde Lebensführung bereits beim Einstieg in den Betrieb auf attraktive Weise zum Thema macht“, sagt Professor Dr. Holger Pfaff, Direktor des Instituts für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft der Universität zu Köln und Mitherausgeber des BKK Gesundheitsreports. „Junge Menschen brauchen Gesundheitsangebote, die Spaß machen, die Motivation fördern und das Gemeinschaftsgefühl durch Austausch stärken.“ Geeignet hierfür seien Angebote, die das Team in den Mittelpunkt rückten, wie etwa Gaming oder eine gemeinsame Veranstaltung am Wochenende.
„Vor allem sollte Gesundheitsförderung unbürokratisch und unkompliziert erfolgen“, ergänzt Jan Römer, Gesundheitsmanager der Bergischen Krankenkasse. „Bei Auszubildenden ist es besonders wichtig, ihre aktuelle Lebenssituation und Interessen einzubeziehen. So erreichen wir junge Menschen und können mit ihnen gemeinsam den Grundstein für ein erfolgreiches und gesundes Arbeitsleben legen.“