Den größten Handlungsbedarf sehen die niedergelassenen Ärzte beim Budget: Mehr als 70 Prozent fordern eine spürbare Erhöhung der Mittel bzw. Entbudgetierung im ambulanten Bereich. „Wie kann es vertretbar sein, dass Ärzte nach GOÄ seit 30 Jahren keinerlei Anpassung an die Inflationsrate haben?“, fragt beispielsweise ein Arzt. Ein anderer klagt: „Ich kämpfe um meine finanzielle Existenz – ich muss Dienste machen, damit ich Löhne zahlen kann.“
Das zweite große Thema ist der Mangel an medizinischem und pflegerischem Fachpersonal, den fast jeder zweite Arzt als Herausforderung ansieht. Auf dem dritten Platz folgen die Begrenzung von Leistungen und der Wunsch nach einer besseren Steuerung der Patientenversorgung.
„Bei diesen Kernthemen lohnt es sich, intensiv nach sinnvollen und zukunftsfähigen Lösungen zu suchen, um die mit Abstand größten Ursachen für den Frust in der Ärzteschaft zu lindern“, empfiehlt Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit.
Zahlreiche Ärzte nutzten in der Befragung auch die Gelegenheit, frei zu formulieren, worüber sie bei einem Essen mit der Ministerin sprechen und was sie ihr raten würden. Zusätzlich zu den bereits genannten Herausforderungen kommen dort Themen wie eine Reform des Medizinstudiums, das Problem der Überalterung und die Abwanderung des medizinischen Nachwuchses in andere Länder zur Sprache.
Obermann: „Ministerin Warken wäre gut beraten, die Kompetenz, Diskussionsbereitschaft und Erfahrung der Niedergelassenen zu nutzen, um den weiteren Weg gemeinsam zu gestalten – das wäre eine wertvolle Bereicherung im gesundheitspolitischen Diskurs.“
Mehr als die Hälfte der niedergelassenen Ärzte spricht sich zudem für ein dauerhaftes Beratungsgremium für das Bundesgesundheitsministerium aus, das sich aus Vertretern aus der direkten Patientenversorgung zusammensetzt. Für Obermann sendet dieses Ergebnis ein deutliches Signal: „Wer das Gesundheitswesen zukunftsfähig gestalten will, muss denjenigen zuhören, die tagtäglich in der Versorgung stehen.“