Der Schmerzatlas liefert Hinweise darauf, wie Patienten und Patientinnen akuten und chronischen Schmerz erleben und wie sich der Weg zur Schmerzfreiheit gestaltet. Die umfangreiche Erhebung zeigt, dass die Suche nach den Ursachen von Schmerzen oftmals langwierig ist und dazu führt, dass Leiden unnötig verlängert wird.
Jeder Dritte hat Rückenschmerzen
Schätzungsweise 12–15 Millionen Menschen in Deutschland haben Schmerzen. Die Sinneserfahrung ist subjektiv, sehr komplex und objektiv oft nur schwer zu erfassen. Aus dem Schmerzatlas geht hervor, dass Rückenschmerzen mit Abstand am weitesten verbreitet sind. Etwa jeder dritte Befragte (63 Prozent) gibt an, Schmerzen in diesem Bereich zu haben oder gehabt zu haben. Jeweils mehr als 40 Prozent nennen Nackenschmerzen, Schmerzen in den Knien oder Schultern. Jede*r fünfte Befragte leidet außerdem über Schmerzen an den Händen oder unter Kopfschmerzen.
Schmerzen kommen nicht allein
Besonders auffällig ist, dass viele Menschen mehrere Schmerzbereiche angeben. Durchschnittlich leiden die Befragten unter Schmerzen in drei verschiedenen Körperregionen. Ein Grund dafür könnte sein, dass wesentliche Faktoren für Schmerzen wie beispielsweise Bewegungsmangel nicht lokal begrenzt, sondern auf besonders belastete Körperbereiche wirken.
Ohne Behandlung der Schmerzursachen riskieren Patient*innen eine Chronifizierung der Schmerzen: Auch nach dem Abklingen akuter Ursachen bleiben die Beschwerden bestehen und werden dann als eigenes Krankheitsbild angesehen. Für die Schmerzbehandlung ist eine Abklärung der Ursachen von Schmerzen also höchst relevant.
Die individuellen Geschichten der Schmerzpatient*innen sind allerdings oft langwierig und von Rückschlägen gekennzeichnet, zeigt die Auswertung der Befragung. Bei mehr als der Hälfte aller Betroffenen dauert es mindestens zwei Jahre, bis sie eine wirksame Schmerzbehandlung finden.
Die überwiegende Mehrheit der Befragten unternimmt große Anstrengungen, um eine geeignete Behandlung zu finden. Von den Studienteilnehmer*innen versuchen knapp 80 %, ihre Schmerzen durch Selbstbehandlung mit Übungen zu bekämpfen. Die Hälfte lässt sich in einer Arztpraxis behandeln. Knapp zwei Drittel machen Physiotherapie.
Etwa 4 von 10 Befragten nehmen selbsttätig Schmerzmittel ein – ein beträchtlicher Anteil. Für die kurzzeitige Behandlung akuter Schmerzen kann das sinnvoll sein. Auf Dauer birgt diese Art der Selbsttherapie ohne fachkundige Begleitung und Kontrolle von Dosierung und Nebenwirkungen jedoch Risiken.