„Von meinem Büro habe ich den besten Blick auf unser neues Technologie- und Innovationscenter.“ Meike Rahm genießt diese Aussicht jeden Tag. Direkt gegenüber der Zentrale in Troisdorf-Spich baut der Sanitätshaus-Filialist an seiner Zukunft. Der vierstöckige Rohbau ist bereits vollendet, jetzt läuft der Innenausbau. Im Januar 2026 soll der Einzug in das neue Gebäude erfolgen. Das Technologie- und Innovationscenter dokumentiert den Change Prozess, den der Sanitätshaus-Filialist durchläuft.
Nicht nur Handwerk und Versorgung finden hier ab dem kommenden Jahr ihre neue Heimat. „Ich freue mich besonders auf die Räumlichkeiten für die Rahm-Akademie“, führt Meike Rahm aus. Dort werden dann nicht nur die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach einem strukturierten, fünfwöchigen Programm eingearbeitet. Auch Teambuilding-Veranstaltungen oder Führungstrainings werden dann in einem ihrer Bedeutung angemessenen Rahmen stattfinden.
Der Gesundheitsmarkt und die Sanitätshausbranche unterliegen einem fundamentalen Wandel, ist Meike Rahm überzeugt. Daher müsse sich Rahm auf verschiedene Szenarien vorbereiten. Dabei gehe es darum, das bestehende funktionierende Geschäftsmodell zu pflegen und gleichzeitig die Basis für mögliche Marktveränderungen zu legen – ein Spagat. „Die Veränderungsgeschwindigkeit ist hoch“, führt Meike Rahm aus. „Wir müssen daher agil arbeiten. Dafür darf die Verantwortung nicht auf den Schultern eines einzelnen liegen, die Informationen müssen fließen. Wir setzen auf projektbezogene Teams, in denen wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Verantwortung übertragen.“
„Ein Risiko“
Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung bei Sopur in Malsch ist Meike Rahm im Jahr 2000 ins elterliche Unternehmen eingetreten. „Hemdsärmelig ging es bei uns zu“, erinnert sie sich voller Wertschätzung. Abgesehen von der Orthopädie- und Rehatechnik durchlief sie von der Pike auf alle Abteilungen. Während der Schulzeit habe sie eine Weile mit einer Arbeit im sozialen Bereich geliebäugelt, sich dann aber doch recht früh entschieden, ins Familienunternehmen einzusteigen. „Aber ohne Druck meiner Eltern.“ Nachdem ihr Vater im Jahr 2016 verstorben war, übernahm sie die Geschäftsführung zusammen mit Klaus Meurer. Seit Ende 2022 teilt sie sich mit Marco Hammerstein die Leitung. Der branchenerfahrene Manager ist überzeugt: „Diesen Wandel im Unternehmen zuzulassen, ist ein Risiko. Ihn durchzuziehen, ist daher wirklich eine Leistung.“
Roadmap
Meike Rahm führt exemplarisch zwei Ereignisse an, die sie wachgerüttelt hätten: die Ausschreibungen von Hilfsmittelversorgungen seitens der Krankenkassen sowie das Online-Versorgungsmodell für Einlagen von Meevo. Schließlich fertigt Rahm jährlich rund 100.000 Einlagen.
„Wir haben uns daher vor rund zweieinhalb Jahren hingesetzt und zusammen überlegt, wo Rahm in fünf Jahren stehen könnte. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass es das laufende Geschäftsmodell nicht mehr gibt.“
Die Roadmap habe man zusammen mit dem Management-Team verabschiedet. In einem Jahres-Kickoff-Meeting schwor die Geschäftsführung schließlich 100 leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die künftige Strategie und Ausrichtung ein. Dienstleistung, Qualität und eine konsequente Kundenorientierung lauten die Erfolgskriterien, mit denen sich Rahm vom Wettbewerb unterscheiden will. „Denn am Ende entscheidet der Kunde, wo er versorgt wird.“ So banal sich diese Erkenntnis anhört, so weitreichend sind ihre Konsequenzen – wenn sie ernst genommen werden.
„Wir waren in der Vergangenheit rein indikationsgetrieben“, führt die Geschäftsführung aus. Doch eine kundenorientierte Unternehmensführung ziehe ein neues Versorgungs- und Qualitätsverständnis nach. Prävention,
Gesundheitsdienstleistungen sowie der Erhalt der Mobilität böten viele Chancen zur Kundenansprache und -beratung. Aber: „Wir haben rund eine Million Kundenkontakte pro Jahr. Diese haben wir in der Vergangenheit nur rudimentär gemanagt“, geben Meike Rahm und Marco Hammerstein zu. Daher investierte das Unternehmen unter anderem in ein CRM-System, um Kundendaten künftig von der Anamnese an umfassend zu erfassen und damit zu arbeiten. Eine Telefon-KI soll die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter künftig außerdem von den reinen Informationsanrufen entlasten und ihnen Zeit geben, sich um die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden zu kümmern.
Erfolgsfaktor Kommunikation
„Wir verlangen viel von unseren Mitarbeitenden, da wir sie aus der Komfortzone holen und am Veränderungsprozess beteiligen“, weiß Meike Rahm. Die Kommunikation mit den Teams spielt für sie daher eine herausragende Rolle. „Zusammen mit Marco setze ich mich regelmäßig zwei Stunden mit den einzelnen Abteilungen zusammen und tausche mich aus.“ Dieser offene Dialog und das ständige Coaching kommen bei den Mitarbeitenden an. Der Erfolg zeige sich unter anderem in einer deutlich niedrigeren Fluktuationsrate als in der Vergangenheit. „Wir wollen vor der Welle bleiben“, erläutern Meike Rahm und Marco Hammerstein den Hintergrund ihrer Aktivitäten. „Wir leiten die Transformation ein, auch wenn unser aktuelles rezeptgetriebenes Geschäftsmodell funktioniert. Aber sollte der Wandel unumgänglich sein, ist er nicht mehr zu gestalten. Daher beugen wir vor. Wir wollen unser Unternehmen schützen.“ Prävention in eigener Sache also. Und wie kümmert sich Meike Rahm um ihre persönliche Gesundheit? Um zu entspannen und als Ausgleich zur Arbeit, steht sie morgens um 5 Uhr auf und macht eine Stunde Sport. Außerdem pflegt sie Freundschaften und Familie. Nicht nur für ihr Unternehmen, sondern auch für ihre eigene Nachfolge gibt es übrigens bereits einen Plan. Meike Rahms 20jähriger Sohn macht derzeit eine Ausbildung bei Ottobock. Danach geht’s zum Studium. Und in fünf Jahren will er ins elterliche Unternehmen einsteigen.