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Stomaversorgung

„Faktor Lebensqualität“ kritisiert DAK-Gesundheit

Die Initiative „Faktor Lebensqualität“ hält die von der DAK-Gesundheit geschlossenen Verträge mit Hilfsmittelversorgern für „völlig unzureichend“, um eine flächendeckende Betreuung von Stomapatienten in der erforderlichen Qualität zu sichern.

Die geschlossenen Beitrittsverträge der DAK-Gesundheit sind nach Einschätzung der Initiative „Faktor Lebensqualität“ nicht geeignet, eine bundesweite Versorgung der 14.000 betroffenen Stomaträger in ausreichender Qualität sicherzustellen. Aktuell fielen auch die Neupatienten in ein Versorgungsloch, so die Interessenvertretung in einer Pressemitteilung. Zu deren Unterstützern gehören unter anderem die Hersteller B. Braun, Coloplast und Hollister sowie die Sanitätshaus Aktuell AG.

„Unter diesen Bedingungen ist eine akzeptable Versorgung aller Patienten von Flensburg bis Berchtesgaden praktisch unmöglich“, so Klaus Grunau von der Initiative „Faktor Lebensqualität“. „Diese erlauben keine angemessene Betreuung der Betroffenen. Die Patienten werden einmal mehr verunsichert und belastet.“

Die Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern waren nach dem Ausschreibungsverbot im Bereich der Stomaversorgung nötig geworden. Eine Übergangsfrist gab Krankenkassen und Leistungserbringern bis zum 1. Dezember Zeit, neue Versorgungsverträge für die Hilfsmittelversorgung zu vereinbaren.

Die DAK-Gesundheit sei die einzige Krankenkasse gewesen, die drei Wochen vor Ablauf der Frist noch keine neuen Verträge mit Versorgern geschlossen hatte. Kürzlich habe die Krankenkasse bekannt gegeben, dass sie sich mit zwei bundesweiten und regionalen Versorgern auf eine Regelung geeinigt habe.

Experten zufolge seien die vereinbarten Rahmenbedingungen aber nicht angemessen. Sie erwarteten Defizite in der Qualität der Stomaversorgung. Zusätzlich erscheine es sehr wahrscheinlich, dass die Patienten nur begrenzte Produktauswahlmöglichkeiten bekommen. Außerdem seien bewährte Produkte eventuell nur gegen Aufzahlungen zu erhalten.

„Viele Stomapatienten mussten wegen der mittlerweile verbotenen Ausschreibungen Anfang des Jahres schon einmal den Versorger wechseln. Die Betroffenen haben das als extrem belastend empfunden – denn mehr als alles andere brauchen sie verlässliche Ansprechpartnerpartner“, so Werner Droste, Vorsitzender der Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde (FgSKW). „Ab dem 1. Dezember wird ein möglicherweise noch größeres Chaos auf die DAK-versicherten Patienten zukommen. Wir erwarten massive Probleme und sehen nicht, wie die relativ kleinen Anbieter in so kurzer Zeit eine bundesweite, hochwertige Versorgung auf die Beine stellen sollen.“

„Faktor Lebensqualität“ fordert Vertragscontrolling

Um eine flächendeckende Stomaversorgung zu sichern, kommt es aus Sicht der Initiative „Faktor Lebensqualität“ auf die konkrete Vertragsüberprüfung durch die DAK an. Nur durch eine konsequente Überwachung der Einhaltung der Vertragsinhalte besteht die Möglichkeit, Fehlentwicklungen zu begegnen und die Rahmenbedingungen ggf. auch noch einmal nachzuschärfen. „Wir erwarten ein transparentes und verpflichtendes Vertragscontrolling, mit nachprüfbarer Messung der Ergebnisqualität“, so Grunau. Sonst bestehe die Gefahr, dass die definierten Qualitätsanforderungen aufgrund des anhaltenden Kostendrucks an der täglichen Praxis scheiterten – zum Schaden den Patienten.

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Tobias Kurtz / 15.11.2019 - 09:42 Uhr

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